Angeschlagener Bin Laden am Missionieren
Aktualisiert

Angeschlagener Bin Laden am Missionieren

Die Stimme von Terrorchef Osama bin Laden auf seiner neuesten Videobotschaft zum Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 wird als echt eingestuft. Konkrete Drohungen spricht Bin Laden in der Aufnahme offenbar nicht aus.

In der 30-minütigen Aufzeichung rief Bin Laden die US-Amerikaner dazu auf, zum Islam überzutreten, wenn sie den Krieg im Irak beenden wollten. Die Botschaft ist offenbar jüngeren Datums.

"Die erste technische Analyse des Videobandes lässt annehmen, dass es tatsächlich die Stimme von Osama bin Laden ist", sagte am Freitagabend ein Geheimdienstexperte in Washington, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Kritik am Irakkrieg

In Regierungskreisen hatte es zuvor geheissen, die Prüfung sei noch im Gang. US-Sender berichteten am Freitag unter Berufung auf eine Abschrift der Aufzeichnung, der Führer des Terrornetzwerks Al Kaida kritisiere in seiner Botschaft den Irakkrieg.

Statt der erwarteten offenen Drohungen mit neuen Attacken prangert Bin Laden vielmehr US-Präsident George W. Bush an. Zugleicht kritisiert er die Demokraten, weil diese sich nach seinen Worten nicht genügend gegen den Irak-Kurs zur Wehr setzten.

Die Aufzeichnung enthält laut den Medienberichten Bezüge zu politischen Entwicklungen in diesem Sommer, etwa die Führungswechsel in Grossbritannien und Frankreich. Das deute darauf hin, dass die Botschaft erst vor kurzem entstanden sei.

Es war das erste Video seit drei Jahren, in dem Bin Laden zu sehen ist. Er wirkt in der Aufnahme gesundheitlich etwas angeschlagen. Sein Bart ist schwarz gefärbt. Das Video wurde in einem Raum aufgenommen und nicht in einer Berglandschaft wie frühere Videos.

Bushs Aufruf

In der Aufzeichnung ruft Bin Laden unter anderem das amerikanische Volk auf, zum Islam überzutreten. Er wirft der US- Bevölkerung vor, grosse Fehler begangen zu haben.

Inzwischen äusserte sich auch US-Präsident George W. Bush zu der Aufnahme. Am Samstag rief er am Rand des Gipfels des Asien-Pazifik- Forums (APEC) in Sydney zu entschlossenem Vorgehen im Irak auf. Das Video erinnere daran, wie gefährlich die Welt sei.

Er finde es interessant, dass der Irak in der Mitteilung erwähnt werde. Das sei eine Erinnerung daran, dass der Irak "ein Teil des Krieges gegen Extremisten" sei, sagte Bush.

Der Analyst Thomas Sanderson vom Zentrum für strategische und internationale Studien erklärte, der Al-Kaida-Führer wisse von der geringen Zustimmungsrate für Bush in den USA und vom wachsenden Bewusstsein über den Klimawandel. «Er versucht, aus dem Nutzen zu ziehen, was er als Verlagerung der amerikanischen Politik zurück in die Mitte betrachtet.»

(SDA/AP)

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