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Angespannte Lage im Nahen Osten

Nach dem ersten Luftangriff Israels auf die neue Pufferzone im Gazastreifen, schwor die Hamas Rache. Des Weiteren wurde das Kasino der Vereinten Nation angegriffen und wieder Ausländer entführt.

Beim ersten Luftangriff auf die von Israel beanspruchte neue Pufferzone im nördlichen Gazastreifen wurden in der Nacht zum Sonntag zwei Palästinenser getötet. Militante Gruppen bekräftigten daraufhin das Ende der im Februar ausgehandelten Waffenruhe. In der Stadt Gaza wurde das Kasino der Vereinten Nationen von Extremisten mit Sprengsätzen angegriffen und schwer beschädigt. Unterdessen wurden in dem Autonomiegebiet abermals Ausländer entführt.

Nach israelischen Militärangaben sollten mit dem Luftangriff militante Palästinenser ausgeschaltet werden, die vom nördlichen Gazastreifen aus eine Rakete auf israelisches Territorium schiessen wollten. Israel hat in der vergangenen Woche die nördliche Grenzregion zur Sicherheitszone erklärt und Palästinensern den Zutritt verboten, was von Seiten der Autonomiebehörde als einseitiger Schritt scharf verurteilt wurde. Das palästinensische Innenministerium kritisierte auch den jüngsten Luftangriff.

Die Hamas schwor in einer öffentlichen Erklärung Rache. Die radikalislamische Organisation hatte wie auch andere militanten Gruppen den Waffenstillstand mit Israel um Mitternacht aufgekündigt. Die der Regierungspartei Fatah nahe stehenden Al-Aksa-Märtyrerbrigaden erklärten, die israelischen Angriffe auf den nördlichen Gazastreifen hätten «jegliche Waffenruhe gesprengt». Der Islamische Dschihad liess zumindest offen, ob er sich an Verhandlungen über eine Verlängerung der Feuerpause beteiligen wolle, wie dies vom palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak angestrebt wird.

In der Stadt Gaza stürmten fünf Bewaffnete am frühen Sonntagmorgen das Kasino der Vereinten Nationen, fesselten den Wachmann und warfen dann zwei Sprengsätze in das Gebäude. Der Wachmann wurde verletzt, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Es entstand hoher Sachschaden, vor allem an der Bar. Der nur für Ausländer zugängliche UN-Club ist der einzige Ort in Gaza, wo Alkohol ausgeschenkt wird, was Islamisten ein Dorn im Auge ist.

Italiener von Bewaffneten aus Auto gezerrt

Nach Angaben des palästinensischen Kabinettsministers Sufian Abu Sajdeh wurden am Sonntagmorgen im Gazastreifen zwei weitere Ausländer verschleppt. Augenzeugen berichteten von der Entführung eines Italieners in der südlichen Stadt Chan Junis. Der Mann sei aus einem Minibus gezerrt worden, in dem zehn weitere Ausländer gesessen hätten. Über den zweiten Entführungsfall gab es zunächst keine weiteren Angaben.

Drei am Mittwoch in Rafah verschleppte Briten wurden nach zweitägiger Geiselhaft wieder auf freien Fuss gesetzt. Die für die Menschenrechtsgruppe Al Mesan tätige Kate Burton erklärte am Samstag in Jerusalem, sie und ihre Eltern seien von ihren Entführern «extrem gut» gut behandelt worden. Sie wolle schon bald in den Gazastreifen zurückkehren, um den Palästinensern bei der Bewältigung des Alltags zu helfen.

Eine bislang unbekannte Gruppe namens Mudschahedin-Brigaden Jerusalem erklärte, sie habe die Briten entführt und als Zeichen des guten Willens wieder freigelassen. Grossbritannien und die Europäische Union hätten versprochen, sie wollten Israel zum Verzicht auf die Pufferzone im nördlichen Gazastreifen bewegen. Britische Diplomaten dementierten dies allerdings. Im Gazastreifen werden immer wieder Ausländer verschleppt, alle kamen bislang unversehrt frei. In den meisten Fällen forderten die Entführer Arbeitsplätze oder die Freilassung inhaftierter Verwandter. (dapd)

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