Leistungsdruck: Angestellte sollen schlafen statt ausgehen
Aktualisiert

LeistungsdruckAngestellte sollen schlafen statt ausgehen

In Firmen lernen Mitarbeiter vermehrt, wie wichtig der Schlaf ist. Vor allem junge Menschen würden übermüdet arbeiten gehen.

von
B. Zanni
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Nach einem langen Arbeitstag bis spät in die Nacht noch Party machen: Laut Fachpersonen kämpfen vor allem junge Menschen mit Schlafmangel.

Nach einem langen Arbeitstag bis spät in die Nacht noch Party machen: Laut Fachpersonen kämpfen vor allem junge Menschen mit Schlafmangel.

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Eva Birrer, Schlafspezialistin in der Seeklinik Brunnen: «Sie arbeiten lange und gehen dann noch in den Ausgang oder einem Hobby nach.» Da sie kaum Freizeit hätten, würden sie diese in die Nacht ausdehnen und übermüdet zur Arbeit gehen.

Eva Birrer, Schlafspezialistin in der Seeklinik Brunnen: «Sie arbeiten lange und gehen dann noch in den Ausgang oder einem Hobby nach.» Da sie kaum Freizeit hätten, würden sie diese in die Nacht ausdehnen und übermüdet zur Arbeit gehen.

F.x.brun
Daniel Hicklin, Leiter Gesundheitsförderung in der Klinik für Schlafmedizin, berichtet, dass Ein- und Durchschlafprobleme oft mit dem Weiterarbeiten zu Hause und dem Einschlafen auf dem Sofa beginnen. «Sobald die Betroffenen aber im Bett sind, setzen sie sich mit Schlafen derart unter Druck, dass sie hellwach sind.»

Daniel Hicklin, Leiter Gesundheitsförderung in der Klinik für Schlafmedizin, berichtet, dass Ein- und Durchschlafprobleme oft mit dem Weiterarbeiten zu Hause und dem Einschlafen auf dem Sofa beginnen. «Sobald die Betroffenen aber im Bett sind, setzen sie sich mit Schlafen derart unter Druck, dass sie hellwach sind.»

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Mitarbeiter mit grossen Augenringen sehen Arbeitgeber nicht gern. Mittlerweile bieten viele Firmen Kurse und Seminare rund um den Schlaf an. Die Teilnehmer lernen etwa, wie viele Stunden Schlaf gesund sind und wie man «abschalten» kann. Die Arbeitgeber hätten gemerkt, dass sie davon nur profitierten, sagt Katrin Uehli, Fachspezialistin Präventionsangebote bei der Unfallversicherung Suva. «Ihnen ist bewusst, dass Mitarbeiter, die genug schlafen, weniger Unfälle machen, seltener krank sind, bessere Qualität liefern und kundenfreundlicher sind.»

Auch Schlafkliniken registrieren eine erhöhte Nachfrage. «Die Unternehmen wollen den Mitarbeitern bewusst machen, dass genügend Schlaf wichtig ist», sagt Eva Birrer, Schlafspezialistin in der Seeklinik Brunnen. Zu den Kunden würden Unternehmen von der Bau- bis zur Dienstleistungsbranche zählen.

Übermüdet zur Arbeit gehen

Laut den Fachpersonen kämpfen vor allem junge Menschen mit Schlafmangel. «Sie arbeiten lange und gehen dann noch in den Ausgang oder einem Hobby nach», sagt Birrer. Da sie kaum Freizeit hätten, würden sie diese in die Nacht ausdehnen und übermüdet zur Arbeit gehen. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements sollen Arbeitnehmer darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie dies vermeiden sollten. «Die ständige Müdigkeit kann in einem Burn-out und Depressionen enden.»

Auch Daniel Hicklin, Leiter Gesundheitsförderung in der Klinik für Schlafmedizin, stellt fest, dass viele Menschen die Ruhestunden reduzieren. «Sie packen eine Vielzahl an beruflichen und privaten Aktivitäten in ihre Freizeit.»

Sind Sie übermüdet oder haben Sie sonstige Schlafprobleme wegen der Arbeit? Dann melden Sie sich hier:

Hellwach in der Nacht

Oft könnten sich Mitarbeiter vom Job auch nicht abgrenzen, sagt Birrer. «Viele geraten in einen Teufelskreis.» Eine Angestellte für ein Projekt habe nach etlichen Überstunden nicht mehr einschlafen können. Hicklin berichtet, dass Ein- und Durchschlafprobleme oft mit Weiterarbeiten zu Hause und Einschlafen auf dem Sofa begännen. «Sobald die Betroffenen aber im Bett sind, setzen sie sich mit Schlafen derart unter Druck, dass sie hellwach sind.»

Die Versicherung Axa Winterthur bietet Seminare zum Thema Stress und Schlaf an. Die ständige Erreichbarkeit sei ein Schlaf-Killer, sagt Esther Graf, Fachverantwortliche Betriebliches Gesundheitsmanagement. «Die Arbeitnehmer lernen auch, mit den digitalen Medien vernünftig umzugehen und sich abzugrenzen.»

«Das ist paradox»

Pepo Hofstetter, Sprecher der Gewerkschaft Unia, kritisiert die Kurse. Diese seien reine Symptombekämpfung. «Es ist doch paradox, wenn Unternehmen immer mehr Leistung fordern und gleichzeitig verlangen, dass sie genug schlafen.»

Der Schweizerische Arbeitgeberverband verteidigt die Kurse. Laut Sprecher Fredy Greuter sind die Arbeitgeber dafür zuständig, dass die Arbeit risikofrei ausgeführt werden kann und der Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden gesichert ist. Weitere Gesundheitsvorsorge sei keine Pflicht. Die Arbeitnehmer könnten von solchen Kursen nur profitieren. «Auch tragen diese zu einem guten Ruf bei der Firma bei.»

«Wehren Sie sich»

Daniel Hicklin, Leiter Gesundheitsförderung in der Klinik für Schlafmedizin, sagt, dass Arbeitnehmer sich nicht zu viel aufbürden sollten. «Es ist nicht falsch, wenn man sich wehrt und in seiner Freizeit einen Auftrag ablehnt.» Auch Eva Birrer, Schlafspezialistin in der Seeklinik Brunnen, rät: «Wenn man jeden Abend Überstunden macht, ist es nur richtig, sich beim Chef auch einmal zu beschweren und deutlich zu machen, dass man sich nicht wie eine Zitrone ausquetschen lassen wolle.»

Tipps fürs Schlafen

Die Fachpersonen machen darauf aufmerksam, dass Schlafrituale für das Einschlafen wichtig sind. «Helfen können kurze Spaziergänge ums Haus», sagt

Esther Graf, Fachverantwortliche Betriebliches Gesundheitsmanagement. Besser vermeiden solle man TV, Handy und Tablet. «Das macht noch wacher.» Habe man Mühe beim Ein- oder Durchschlafen, helfe Hin- und Herwälzen nicht weiter. «Empfehlenswert ist, aufzustehen und sich etwas zu bewegen.»

Laut den Experten ist Schlafen «auf Knopfdruck» nicht möglich. «Wir können nicht bis kurz vor der Bettzeit hochtourig laufen und kaum im Bett in den Schlaf fallen», sagt Eva Birrer, Schlafspezialistin in der Seeklinik Brunnen. Selbst wenn der Mensch müde sei, brauche er zwei bis drei Stunden vor dem zu Bett gehen, um sich zu entspannen. «Dabei soll man einfach tun, was einem gut tut.» Empfehlenswert seien Übungen wie Yoga, spazieren, joggen, einen Film schauen und aus den Büro- in die Freizeitkleider zu schlüpfen.

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