Aktualisiert 29.03.2016 11:53

Altstätten SG

Angreifer auf Hanfhalle trugen Polizei-Westen

Im Februar 2015 kam es in Altstätten SG zu einer Schiesserei in einer Hanfanlage. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Beteiligten des Überfalls erhoben.

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taw/qll

Bei der Schiesserei am 16. Februar 2015 in einer Industriehalle an der Alten Landstrasse in Altstätten SG wurden ein 37-jähriger und ein 45-jähriger Schweizer schwer verletzt. In der Halle befand sich eine professionelle Hanfproduktionsanlage.

Wie die Staatsanwaltschaft St. Gallen am Dienstag mitteilte, drangen in der Nacht auf den 16. Februar sechs Männer im Alter von 23 bis 40 Jahren gewaltsam in die Hanfproduktionsanlage ein. Die Angreifer trugen teilweise Westen mit der Aufschrift «Polizei» und setzten einen Störsender ein, damit die Aufpasser der Hanfproduktionsanlage keine Verstärkung herbeirufen konnten. Einer der Täter schoss mehrmals mit einer kurzläufigen Schrotflinte auf die beiden Aufpasser A. K.* und E. L.*, die dadurch schwer verletzt wurden. Die Angreifer fesselten die beiden Aufpasser und forderten sie auf, Geld und Marihuana herauszugeben. Die Angreifer verliessen die Halle, nachdem sie realisiert hatten, dass sich einer der beiden Aufpasser in Lebensgefahr befand. Sie flohen unerkannt. Einer der Täter alarmierte die Rettungsdienste.

Der wohl bekannteste unter den Angreifern der Hanfhalle in Altstätten ist der Posträuber Dieter M.* (40), wie die Staatsanwaltschaft St. Gallen auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt. M.* überfiel zusammen mit vier Freunden am 1. September 1997 die Zürcher Fraumünster-Post und erbeutete 53,1 Millionen Franken. Zudem bestätigt die Staatsanwaltschaft die anderen fünf Angreifer der Hanfhalle: Victor R.* (25), Mark P.* (23), Michael L.* (26), Marcony R.* (27) und Farid Z.* (25).

11 Jahre Haft gefordert

Der Schütze Dieter M.* wurde unter anderem wegen mehrfacher versuchter Tötung, qualifizierten Raubes, mehrfacher Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfacher Freiheitsberaubung, mehrfacher Nötigung, unrechtmässiger Aneignung, Amtsanmassung, Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, und Vergehens gegen das Waffengesetz angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn eine unbedingte Freiheitsstrafe von 11 Jahren.

Die übrigen Angreifer werden neben weiterer Tatbestände wegen qualifizierten Raubes, mehrfacher versuchter Körperverletzung, mehrfacher Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfacher Freiheitsberaubung, mehrfacher Nötigung, unrechtmässiger Aneignung, Amtsanmassung und Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert für die weiteren Angreifer Freiheitsstrafen zwischen 2,5 und 4 Jahren und teilweise zusätzlich Geldstrafen.

M. und ein weiterer Angreifer sind derzeit in Haft. Die anderen sind, teilweise unter Auflagen, auf freiem Fuss.

Rund 10'000 Pflanzen sichergestellt

Die professionell aufgebaute Hanfproduktionsanlage erstreckte sich über zwei Ebenen. Rund 10'000 Hanfpflanzen wurden sichergestellt. Die Polizei sicherte in der Halle und auf dem Vorplatz auf einer Gesamtfläche von etwa 8000 Quadratmetern zahlreiche Spuren sowohl im Zusammenhang mit dem Gewaltverbrechen als auch mit dem Hanfanbau. Sie setzte dazu auch einen Quadrocopter und einen 3-D-Scanner ein.

Zur Bewältigung der anstehenden Ermittlungen bildete die Kantonspolizei St. Gallen eine Sonderkommission, in der bis zu fünfzehn Polizisten aus verschiedenen Abteilungen mitwirkten. Die Ermittlungen erstreckten sich auf weitere fünf Kantone. Im Zuge der Untersuchung wurden 24 Schweizer sowie je ein Tunesier, Italiener, Türke und Dominikaner festgenommen. Insgesamt vollzog die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft 38 Hausdurchsuchungen und hob dabei sechs weitere Hanfproduktionsanlagen aus. Zudem konnten weitere Delikte geklärt werden.

Die Untersuchung gegen die Betreiber der Hanfproduktionsanlage in Altstätten läuft noch.

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