Tierschützer enttäuscht - Angriff auf Mega-Margen der Detailhändler beim Bio-Fleisch scheitert
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Tierschützer enttäuschtAngriff auf Mega-Margen der Detailhändler beim Bio-Fleisch scheitert

Bio ist teurer als konventionell hergestellte Produkte. Das gilt auch beim Fleisch. Eine von Tierschützern vorgeschlagene Lösung hat die Weko abgelehnt.

von
Katja Fässler
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Bio- und Labelfleisch ist für Konsumentinnen und Konsumenten zu teuer, so der Schweizer Tierschutz. 

Bio- und Labelfleisch ist für Konsumentinnen und Konsumenten zu teuer, so der Schweizer Tierschutz.

Bernd Weißbrod/dpa
Die Preisunterschiede werden als «unfair» bezeichnet, die Detailhändlerinnen und -händler würden bei Bioprodukten höhere Margen abschöpfen. 

Die Preisunterschiede werden als «unfair» bezeichnet, die Detailhändlerinnen und -händler würden bei Bioprodukten höhere Margen abschöpfen.

Urs Jaudas/Tamedia 
Obwohl es im Corona-Jahr einen Trend zu mehr regional, fair und bio gegeben hat, zeigen sich sinkende Labelanteile in verschiedenen Kategorien wie etwa bei Schweinen und Kälbern. 

Obwohl es im Corona-Jahr einen Trend zu mehr regional, fair und bio gegeben hat, zeigen sich sinkende Labelanteile in verschiedenen Kategorien wie etwa bei Schweinen und Kälbern.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Tierschützerinnen und Tierschützer möchten den Verkauf von Bio- und Labelfleisch ankurbeln, um das Tierwohl zu fördern.

  • Sie streben dazu eine Verkleinerung der Preisschere zwischen Labelfleisch und konventionell produziertem Fleisch an.

  • Die Weko sieht in einer Branchenvereinbarung eine unzulässige Beeinträchtigung des Wettbewerbs.

Der Schweizer Tierschutz (STS) hat sich zum Ziel gemacht, den Absatz von tierfreundlich erzeugten Produkten anzukurbeln. Die Entwicklung im Fleischmarkt zeige sich «harzig bis rückläufig», wie die Organisation gegenüber den «Tamedia-Zeitungen» verlauten lässt. Obwohl es im Corona-Jahr einen Trend zu mehr regional, fair und bio gegeben hat, zeigen sich sinkende Labelanteile in verschiedenen Kategorien wie etwa bei Schweinen und Kälbern.

Tierschützerinnen und Tierschützer sehen die Ursache bei den «unfairen Preisunterschieden». Bio- und Labelprodukte seien überproportional teuer, die Detailhändlerinnen und Detailhändler würden eine höhere Marge abschöpfen, so der Vorwurf. Wie markant die Preisunterschiede sind, wird im Artikel am Beispiel eines Hinterschinkens veranschaulicht. Im Geschäft müssen Kundinnen und Kunden für die Biovariante pro Kilo 53,50 Franken hinblättern, für das konventionelle Produkt dagegen 19,60 Franken. Für die Detailhändlerinnen und Detailhändler fällt der Zuschlag tiefer aus: In Bioqualität kostet der Hinterschinken pro Kilo 6,50 Franken, in konventioneller Produktion 4,65 Franken.

Weko befürchtet unzulässige Wettbewerbsabrede

Der STS bemüht sich seit Herbst 2020 in laufenden Gesprächen mit der Branche um eine Verkleinerung der Preisschere, wie es im Artikel weiter heisst. Der Tierschutz habe ein Preissystem entwickelt, wonach sich Detailhändlerinnen und Detailhändler zu fairen Margen bei Bio- und Labelfleisch verpflichten sollen.

Die Weko (Wettbewerbskommission des Bundes) aber sieht in einer solchen Branchenvereinbarung eine mutmasslich unzulässige Wettbewerbsabrede, da der Wettbewerb erheblich beeinträchtigt würde und nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt werden könne. Ausserdem sei die Förderung des Tierwohls im Bundesgesetzt verankert und von allgemeinem Interesse.

Die Tierschützer und -schützerinnen sind über das Verdikt, das den Tamedia-Zeitungen vorliegt, enttäuscht. «Der Entscheid ist ein herber Schlag für die Bemühungen, den Absatz von Tierwohlprodukten zu fördern», sagt Stefan Flückiger vom Schweizer Tierschutz.

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