Aktualisiert 18.04.2014 23:45

SüdsudanAngriff auf UNO-Stützpunkt – 58 Tote

Als friedliche Demonstranten getarnt näherten sich die Angreifer dem UNO-Stützpunkt in Bor im Südsudan. Dann eröffneten sie das Feuer – weitere 100 Menschen wurden verletzt.

Die Sprecherin der UNO, Samantha Power, informierte über den tragischen Vorfall.

Die Sprecherin der UNO, Samantha Power, informierte über den tragischen Vorfall.

Eine aufgebrachte Menschenmenge hat einen mit Flüchtlingen gefüllten Stützpunkt von UN-Blauhelmsoldaten im Südsudan angegriffen. Bei der Attacke auf das Camp in Bor im ölreichen Bundesstaat Jonglei kamen jüngsten Angaben vom Freitag zufolge 58 Menschen ums Leben, etwa 100 erlitten Verletzungen.

Wie ein UN-Vertreter mitteilte, gab es die meisten Opfer unter den Angehörigen des Stammes der Nuer, von denen sich etwa 5000 seit ihrer Flucht vor der im Land herrschenden Gewalt in dem Stützpunkt aufhalten. Zudem seien zwei UN-Soldaten verletzt worden. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen liess ein Chirurgen-Team einfliegen.

UNMISS liefert sich Feuergefecht mit Angreifern

Soldaten der UN-Friedenstruppe sahen sich den Angaben zufolge gezwungen, das Feuer zu eröffnen, als einige der meist jugendlichen Angreifer am Donnerstag bis in den Stützpunkt vordrangen. Zu den Angreifern, unter denen es auch Tote gab, wurde zunächst nichts bekannt.

Es handle sich um eine «Beleidigung der internationalen Gemeinschaft und eine Verletzung der Grundprinzipien zum Schutz von Zivilisten». Die Attacke sei «besonders ungeheuerlich», weil die schwer bewaffneten Angreifer raketengetriebene Granaten eingesetzt hätten, um auf das Gelände vorzudringen und die dort untergebrachten Flüchtlinge zu beschiessen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Die UNO hatte zuvor erklärt, bei der Attacke bewaffneter Männer seien dutzende Zivilisten eines rivalisierenden Stammes sowie zwei UNO-Blauhelme verletzt worden. Soldaten der UNO-Mission im Südsudan UNMISS hätten zurückgeschossen und sich ein erbittertes Feuergefecht mit den Angreifern geliefert, bevor sich diese zurückzogen. Die Angreifer hätten sich dem Lager zunächst «als friedliche Demonstranten getarnt» genähert, bevor sie das Feuer eröffneten.

Zukunft des Landes in Gefahr

US-Botschafterin Power rief die Länder, die eine Verstärkung der UNMISS-Truppen zugesagt hatten, zur raschen Entsendung zusätzlicher Soldaten auf. Alle Beteiligten in dem Konflikt müssten ihre Waffen niederlegen und Verhandlungen aufnehmen.

Die Führer des Südsudan forderte sie auf, «die Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Mitbürger über ihre kurzsichtigen politischen und wirtschaftlichen Interessen zu stellen». Ansonsten sei die Zukunft des Landes in Gefahr.

Im Dezember waren bei einem Angriff auf einen UNO-Stützpunkt in Akopo im umkämpften Staat Jonglei bereits elf Zivilisten und zwei indische UNO-Soldaten getötet worden.

Erst seit 2011 gegründet

Im erst Mitte 2011 gegründeten Südsudan war im vergangenen Dezember ein länger schwelender Machtkampf zwischen dem Präsidenten Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar eskaliert. Beide Politiker gehören rivalisierenden Ethnien an.

Die Kämpfe waren von Gräueltaten auf beiden Seiten geprägt, Schätzungen zufolge wurden landesweit mehr als 10'000 Menschen getötet, rund 900'000 Zivilisten sind auf der Flucht.

Nach den Worten von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon droht durch die Kämpfe im Südsudan einer Million Menschen eine Hungersnot. Hunderttausende durch den Konflikt vertriebene Menschen seien extrem unterernährt, vor allem Frauen und Kinder. (sda)

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