«Needle spiking»: Angriffe mit Nadeln häufen sich jetzt in Spanien – auch auf Ibiza und Mallorca

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«Needle spiking»Angriffe mit Nadeln häufen sich jetzt in Spanien – auch auf Ibiza und Mallorca

Die Rede ist schon von «epidemischen Ausmassen»: Die unheimliche Welle von «needle spiking», Attacken mit medizinischen Nadeln, hat Spanien erreicht. Betroffen sind auch die Partys und Clubs auf den Balearen. 

In Spanien werden die Nadel-Attacken «Pinchazos» genannt. Die Polizei ermittelt in 50 mutmasslichen Fällen (Symbolbild). 

In Spanien werden die Nadel-Attacken «Pinchazos» genannt. Die Polizei ermittelt in 50 mutmasslichen Fällen (Symbolbild). 

Reuters

Darum geht es

  • Dutzende junge Frauen sind in Spanien beim Feiern mit Nadeln oder Spritzen verletzt worden.

  • Die mysteriösen Angriffe geschehen vorwiegend auf Musikfestivals sowie in Bars und Tanzclubs. 

  • Auch in Frankreich, England, Belgien und den Niederlanden gibt es Hunderte Fälle von «needle spiking».

Im Ausgang, in einer Bar, auf einem Konzert – und auf einmal wird man aus dem Nichts mit einer medizinischen Nadel gestochen? Das ist Hunderten Frauen in Frankreich, Grossbritannien, Belgien und den Niederlanden schon passiert. 

Jetzt hat die gfürchige Welle von «needle spiking» offenbar auch Partys und die Clubs in Spanien erreicht. Betroffen sind auch die Balearen:  Die Guardia Civil ermittelt aktuell in sechs Fällen, vier auf Mallorca und zwei auf Ibiza. 

Erste «Pinchazos» an Stierhatz von Pamplona?

Seit Anfang Juli ermittelt die Polizei in Spanien 50 mutmassliche Angriffe auf Frauen mit medizinischen Nadeln, berichtet die Zeitung «El Mundo». 23 der kürzlich gemeldeten Nadelattacken ereigneten sich in der nordostspanischen Region Katalonien, die an Frankreich grenzt.

Die ersten Anzeichen der «Pinchazos», wie die Attacken in Spanien genannt werden, habe es wohl am Rande der auch von vielen Touristen und Touristinnen besuchten Stierhatz von Pamplona gegeben, so «El Mundo» weiter.

Viele Frauen hätten jedoch zunächst keine Anzeige erstattet, da sie die Einstichstelle erst viel später gesehen und Symptome wie Übelkeit und Schwindel erst viel später bemerkt hätten.

«Beim dritten oder vierten Mal fühlte ich einen Stich im Arm»

Andere bemerkten den Einstich sofort: «Ich habe getanzt und da kam eine Gruppe Jungs auf mich zu, alle schwarz gekleidet. Zwei haben mir auf die Schultern geklopft – beim dritten oder vierten Mal fühlte ich einen Stich im Arm», erzählt eine junge Spanierin in einem Beitrag von «Brisant».

Bisher bestätigten die spanischen Ermittler keine sexuellen Übergriffe oder Raubüberfälle im Zusammenhang mit den mysteriösen Nadelstichen, die den Frauen in Diskotheken oder bei Partys zugefügt wurden. 

Mädchen (13) betroffen

«Es ist alles noch immer sehr mysteriös und nimmt geradezu epidemische Ausmasse an», sagt Psychotherapeut Felix Hof zu Bluewin.ch. Denn bei vielen Fällen ist nicht klar, ob den Opfern überhaupt eine Substanz injiziert wurde.

Im Blut eines 13-jährigen Mädchens aus Gijón im spanischen Norden fanden die Ermittler allerdings die Partydroge Ecstasy, nachdem das Kind von seinen Eltern nach dem Stich rasch ins Krankenhaus gebracht worden war.

«Es gibt kurzzeitig wirksame Substanzen, die nicht mehr nachweisbar sind, wenn das Opfer dann untersucht wird», so Hof. Verwendet würden offenbar auch Substanzen, «die noch gar nicht identifiziert sind — das macht natürlich noch mehr Angst».

Was ist das Motiv der Nadelstecher? 

In manchen Opferberichten sei dazu auch die Rede davon, dass Nadeln mit einem grossen Durchmesser verwendet wurden, die sehr schmerzhaft sind und  Verletzungen zufügen können.

Entsprechend verortet der Psychologe dort auch ein Motiv – neben vielen anderen: «Letztlich handelt es sich um Menschen, die anderen Menschen gezielt Angst machen, gezielt Schaden zufügen wollen. Das kann sadistische Motive haben. Die Täter könnten sich am Schaden und am Schmerz anderer erfreuen.»

Wenn K.-o.-Tropfen oder andere Substanzen im Spiel seien, die andere gefügig machten, könnten die Attacken natürlich auch sexuelle Hintergründe haben, so Hofer. «Die Bandbreite an Motiven ist damit sehr gross.»

Nicht nur Frauen

Attacken mit Nadeln oder Spritzen auf Festivals und in Clubs hatte es zunächst in Grossbritannien gegeben. Ab Anfang des Sommers wurden dann auch in Frankreich Hunderte Fälle gemeldet, wobei Männer und Frauen betroffen waren.

Auch in Deutschland sollen einige Nadelattacken verzeichnet worden sein. Vor diesem Hintergrund appelliert etwa der sonst eher verschwiegene berühmte Berliner Techno-Club Berghain inzwischen auf seiner Website an Clubbesuchende, aufeinander achtzugeben.

Hast du Angst vor «needle spiking»?

(gux/AFP)

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