Aktualisiert 02.10.2017 17:59

«Terroranschlag»

Angriffsserie in Kanada – fünf Verletzte

In der kanadischen Stadt Edmonton hat ein Mann auf einen Polizisten eingestochen und mit einem Lieferwagen vier Menschen verletzt. Die Polizei geht von Terror aus.

von
chi/chk

Die Polizei veröffentlichte ein Video der Tat. (Video: Tamedia/AFP)

Nach dem Fahrzeug-Attentat in der kanadischen Stadt Edmonton hat die Polizei den mutmasslichen Täter identifiziert. Es handle sich um einen Asylbewerber aus Somalia. Er war den Sicherheitsbehörden bereits vor zwei Jahren wegen Jihadismusverdachts aufgefallen.

Der tatverdächtige Somalier wurde laut Angaben der kanadischen Bundespolizei vom Sonntag bereits 2015 vom Geheimdienst vernommen. Damals sei es um «Ermittlungen zur Anschlagsgefahr durch jihadistisch radikalisierte Personen» gegangen, sagte Polizeikommissar Marlin Degrand auf einer Pressekonferenz.

Es hätten damals aber «nicht genug Beweise vorgelegen, um ihn wegen Terrorismus anzuklagen», sagte Degrand. «Der Verdächtige wurde nicht als Bedrohung für Kanada betrachtet.» Über seinen Asylantrag sei bislang noch nicht entschieden worden.

Trudeau spricht von «Terroranschlag»

Der Täter hatte am Samstagabend vor einem Stadion in Edmonton einen Polizisten angefahren und dann auf ihn eingestochen. Später verletzte er mit einem Miet-Transporter vier weitere Menschen. Nach seiner Festnahme wurde in seinem Auto eine Fahne der IS-Miliz gefunden. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau verurteilte den «Terroranschlag».

Nach Angaben des Polizeichefs der westkanadischen Stadt, Rod Knecht, handelte es sich mutmasslich um einen Einzeltäter. Dieser habe vor dem Stadion der 800'000-Einwohner-Stadt Edmonton während eines Footballspiels mit dem Auto eine Absperrung niedergerissen und einen Polizisten angefahren. Dieser sei mehrere Meter durch die Luft geschleudert worden.

«Ein etwa 30-jähriger Mann sprang dann aus dem Auto und begann wild auf den Polizisten einzustechen», erklärte Knecht. Der Angreifer sei anschliessend zu Fuss geflohen. Die Polizei richtete daraufhin Strassensperren ein.

Wenige Stunden später fuhr der Verdächtige mit einem Lieferwagen in zwei Gruppen von Fussgängern im Zentrum von Edmonton, nachdem er vor einer Verkehrskontrolle geflohen war. Vier Menschen wurden dabei verletzt.

Fahrer durch zerstörte Windschutzscheibe hinausgezogen

Bei der Verfolgungsjagd mit der Polizei verlor der Fahrer die Kontrolle über den Leih-Lkw, das Fahrzeug stürzte um. Der Fahrer sei durch die zerstörte Windschutzscheibe aus dem Laster hinausgezogen und in Handschellen fortgebracht worden, sagte die Augenzeugin Pat Hannigan der Zeitung «Edmonton Journal».

Bei dem Festgenommenen handele sich um einen Mann aus Edmonton, erklärte die Polizei. In seinem Auto sei eine Fahne der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefunden worden.

Polizei spricht von Terroranschlag

Kanadas Regierungschef Justin Trudeau zeigte sich «sehr besorgt und beunruhigt» über den Vorfall in Edmonton. Wie auch die Polizei sprach auch er von einem «Terroranschlag» und mahnte zu anhaltender Wachsamkeit gegenüber dem «Hass». Die Regierungschefin der Provinz Alberta, Rachel Notley, erklärte, in ihrer Provinz hätten Hass und Extremismus «keinen Platz».

Der Vorfall erinnerte an die islamistischen Lkw-Anschläge in jüngster Zeit, wie etwa in Barcelona, Nizza und Berlin. (chi/chk/sda)

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