Daten-Friedhof: Angst, die Whatsapp-Gruppe zu verlassen?
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Daten-FriedhofAngst, die Whatsapp-Gruppe zu verlassen?

Sie haben sich noch immer nicht aus dem Chat verabschiedet? Allein aus Pietätsgründen in einer Whatsapp-Gruppe zu bleiben, ist auch keine Lösung. Ein Experte rät zum Handeln.

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Whatsapp-Gruppen, zu denen man nichts mehr beizutragen hat? Das kennen wir alle.

Whatsapp-Gruppen, zu denen man nichts mehr beizutragen hat? Das kennen wir alle.

Doch was tun? Gruppe verlassen oder doch lieber stummschalten?

Doch was tun? Gruppe verlassen oder doch lieber stummschalten?

Tritt man kommentarlos aus der Gruppe aus, könnte das andere vor den Kopf stossen. Auch ist mit gehässigen Reaktionen zu rechnen.

Tritt man kommentarlos aus der Gruppe aus, könnte das andere vor den Kopf stossen. Auch ist mit gehässigen Reaktionen zu rechnen.

Einen Gruppenchat in Whatsapp zu verlassen, ist kinderleicht: Wählen Sie einfach den Button «Gruppe verlassen» – und schwupp können die anderen die Konversation ohne sie weiterführen. Doch ganz so einfach ist es in der Realität nicht immer: Es gibt Gruppen, die man sich einfach nicht zu verlassen getraut – weil man befürchtet, damit ein ungewolltes Statement abzusenden oder andere Mitglieder vor den Kopf zu stossen.

So ergeht es etwa Luisa (22): «Wenn ich aus der Gruppe meiner ehemaligen Schulfreundinnen, mit denen ich heute gar nichts mehr zu tun habe, austrete, kündige ich irgendwie offiziell die einst so innige Freundschaft.» Das bringt sie nicht übers Herz und lässt den Chat lieber vor sich hin gammeln.

«Ich kassierte gehässige Reaktionen»

Auch Matthias (35), der an den Wochenenden jeweils arbeitet, möchte schon lange eine Outdoor-Gruppe verlassen. Sonntag für Sonntag wird er mit unzähligen Ausflugsbildern zugespamt: «Doch ich weiss, sie würden es persönlich nehmen – da muss ich einfach durch.»

Derweil überlegt Ronja (26), den Chat mit ihrem Ex-Freund und dessen Geschwistern zu verlassen. Manuel (49) hingegen hat den Schritt aus einer ihm lästig gewordenen Gruppe gewagt. Und tatsächlich: «Ich kassierte schliesslich diverse gehässige Reaktionen von beleidigten Gruppenmitgliedern», erzählt er.

Heimlich abschleichen, geht nicht

Um solche Situationen zu vermeiden, kommen Whatsapp-Nutzern mit Fluchtgedanken die Funktionen Archivieren und Stummschalten entgegen. Doch auch ein Whatsapp-Gruppen-Friedhof, bestehend aus zig ungenutzten Chats, kann lästig sein.

Sollte man also nicht besser dazu stehen, nicht mehr mitlesen und dazugehören zu wollen? Denn eigentlich ist eine Unterhaltung in einer Whatsapp-Gruppe nichts anderes als eine Konversation mit Bekannten an einem Fest, von der man sich auch jederzeit entfernen kann.

«Nicht ganz», meint Medienpädagoge und Digitalexperte Philippe Wampfler. Bei Whatsapp könne man sich leider nicht unbemerkt aus dem Staub machen: «Es ist ein klares Kommunikationssignal und hinterlässt für alle eine sichtbare Spur.»

«Datenfriedhof gehört dazu»

Vielen sei es unangenehm, öffentlich eine Art Desinteresse zu zeigen, sagt Wampfler. Und rät trotz allem zu Mut: «Offenheit ist in einem solchen Fall wohl am besten.» So solle man sich mit einer kurzen Begründung verabschieden und ohne schlechtes Gewissen den «Gruppe verlassen»-Knopf drücken.

Wer für den Satz «Ich möchte hier nicht mehr Mitlesen, weil ...» dann doch zu wenig Mut habe, dem rät Wampfler zum Stummschalten. Denn: «Ein Datenfriedhof gehört heutzutage dazu.» Eine völlig aufgeräumte Datenwelt sei mittlerweile sowieso unmöglich. Die digitalen Daten würden auch nicht unnötig Speicherplatz beanspruchen. Gar könne es eines Tages vielleicht wieder von Vorteil sein, auf alte Konversationen zurückgreifen zu können.

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