Steven Zuber: «Angst ist ein schlechter Begleiter»

Aktualisiert

Steven Zuber«Angst ist ein schlechter Begleiter»

Seit Anfang Juli lebt und spielt Steven Zuber in Moskau. Am Sonntag bestreitet der 21-jährige ehemalige GC-Flügel mit ZSKA sein erstes Lokalderby gegen Lok Moskau.

von
Eva Tedesco

Die Partie vom 3. Spieltag in der Premier Liga ist seit Tagen ausverkauft. Rund 30'000 Zuschauer wollen das Spiel zwischen Lok Moskau und dem ZSKA im Lokomotiv-Stadion sehen. Auch Steven Zuber schaut voller Vorfreude auf das erste Lokalderby. Seit knapp drei Wochen ist der 21-jährige Winterthurer in der russischen Hauptstadt und hat sich bereits gut eingelebt, wie er 20 Minuten erzählt.

Steven Zuber, Sie sagen, dass Sie gerade vom Training kommen. Haben Sie einen Chauffeur in Moskau?

Steven Zuber: Seit ein paar Tagen habe ich eine möblierte Wohnung und mein eigenes Auto. Nein, ich fahre selber. Ausserdem liegt mein Appartement nur zirka zwanzig Minuten vom Trainingsgelände entfernt - ohne Stau gerechnet. Denn hier sind die Zeitangaben immer mit Vorsicht zu geniessen.

Finden Sie sich denn mit den Strassennamen und -schildern in kyrillischer Schrift zurecht?

Ich habe ein Navi in englischer Sprache und kann die Namen in unserer Schrift eingeben. Ich hoffe, dass ich so in rund drei Monaten das Alphabet so weit beherrsche, dass ich kyrillische Schrift lesen kann.

Haben Sie die Absicht russisch zu lernen?

Selbstverständlich. Sprachen interessieren mich sehr und es ist doch eine gute Gelegenheit eine Sprache zu lernen, wenn man im Land selber lebt. Ich bekomme bald einen Sprachlehrer und dann kann es losgehen.

In welcher Sprache wird in den Trainings gesprochen?

Wir haben zwei Übersetzer für Englisch und Spanisch und einen für Französisch, die für den Trainer simultan übersetzen. Das klappt sehr gut. Mit den meisten Mitspielern kann ich mich englisch unterhalten. Mit Seydou Doumbia, mit dem ich sehr viel zusammen bin, spreche ich französisch. Überhaupt verbringen wir sehr viel Zeit im Trainingszentrum des Klubs.

Wie muss man sich das vorstellen?

Unser Trainingszentrum liegt auf einem ehemaligen Militärgelände und ist nicht mehr ganz neu. Neben etlichen Plätzen befinden sich auf dem Gelände sechs Gebäude. Eines nur für die erste Mannschaft. Es gibt keine Kabine oder Garderobe, weil jeder Spieler ein eigenes Zimmer hat, wo er duschen kann. Vor dem Heimspiel übernachten wir auch hier. In einem zweiten Haus sind die Speiseräume für die Spieler und im Untergeschoss ist ein riesiger Fitnessbereich untergebracht. In einem weiteren ist alles auf Freizeit ausgerichtet: TV-Räume, Töggelikasten und Tischtennistische und vieles mehr. Dann ist auch noch die Nachwuchsakademie in einem der Häuser untergebracht. Was in den anderen beiden Gebäuden ist, habe ich noch nicht herausgefunden. Es ist hier wie eine eigene kleine Welt nur für uns Spieler.

Und das Niveau im Training?

Das war für mich die wohl grösste Umstellung: Es ist viel intensiver, schneller und von der individuellen Klasse anspruchsvoller. Bei GC haben wir in zwei Stunden drei Übungen gemacht. Hier sind es in eineinhalb Stunden acht Übungen. Vor allem kannst du dich im Training nie verstecken, musst immer voll bei der Sache sein. Das war bei GC schon anders, da konnte man ab und zu ein bisschen «Kraft sparen». (lacht)

ZSKA hat in den letzten drei Jahren rund 50 Millionen Euro in neue Spieler gepumpt. Allein im Mittelfeld konkurrenzieren sich an die 13 Profis um wenige Plätze. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Ich kann hier viel lernen, mich weiterentwickeln. Natürlich hätte ich mich auch für einen einfacheren Weg entscheiden können, aber ich will mich hier durchsetzen. Angst ist im Fussball ein schlechter Berater. Ich stelle mich der Herausforderung. ZSKA spielt nicht nur jedes Jahr um den Meistertitel mit, sondern ist auch für die Champions League qualifiziert. Ich konnte mit GC lange nicht international spielen. Aber jeder Spieler will in die Königsklasse. Was gibt es Schöneres, als sich mit den besten und grössten Spielern in Europa zu messen?

Und GC ist vergessen?

Ich habe viele gute Momente mit GC erlebt und Freunde gewonnen. Ich habe dem Verein viel zu verdanken. Dank GC bin ich überhaupt erst so weit gekommen. Ich habe regelmässig Kontakt mit Vero Salatic, der mir in meiner Karriere sehr viel geholfen hat und immer ein Ohr für Anliegen hat, aber auch mit Amir Abrashi und Daniel Pavlovic. Ich verfolge auch die Spiele meiner ehemaligen Kollegen noch. So habe ich mir im Internet den Match gegen St. Gallen und die zweite Halbzeit gegen Basel angeschaut. GC wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Im russischen Supercup am 13. Juli sind Sie für viele überraschend in der Startelf gestanden, obwohl Sie erst wenige Tage beim Klub waren. Seither haben Sie drei Partien in Folge auf dem Einsatzkonto. Wird man Sie auch am Sonntag in der Startformation sehen?

Das weiss ich noch nicht. Der Trainer hat die Aufstellung noch nicht bekannt gegeben. Aber natürlich hoffe ich, dass ich spielen werde. Ich freue mich auf mein erstes Stadtderby. Ich will mich dauerhaft in die Mannschaft kämpfen und jede Chance am Schopf packen, die ich bekomme.

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