Aktualisiert 24.02.2016 07:00

DSI

«Angst treibt die Wähler an»

Das Hakenkreuz-Plakat im Zürcher und Genfer HB sorgt für rote Köpfe. Allerdings nicht bei jenen, die damit gemeint sind.

von
rah

Erst twitterte es BDP-Präsident Martin Landolt, dann hing es am Montag auf neun Grossbildschirmen am Zürcher Hauptbahnhof: Ein Schweizerkreuz, dessen Enden zu einem Hakenkreuz verlaufen. Bei den SBB sind rund 30 Beschwerden eingegangen, in den Kommentarspalten der Medien empören sich die Leser.

Für Kampagnen-Spezialist Peter Metzinger überschreiten die Gegner der Durchsetzungsinitiative eine Grenze. Ursprünglich sei es das Markenzeichen der SVP gewesen, Anliegen überspitzt und provokativ zu formulieren. Ihre Gegenspieler hätten gut daran getan, sich ebenfalls einer einfachen Sprache zu bedienen. Das sei ihr gelungen mit der Abrissbirne, die auf einer Schweizer Flagge die Helvetia zerschmettert. Oder mit den Springerstiefeln, die auf SP-Plakaten das Bundeshaus zerstören. Allerdings bestehe zwischen diesen Sujets und dem Hakenkreuz ein Unterschied: «Sie entlarven ein gewisses Gedankengut deutlich – ohne aber die eigene Klientel vor den Kopf zu stossen.» Im schlimmsten Fall könne dies dazu führen, dass sich Leute aus dem eigenen Lager enthalten oder bisher Unentschlossene aus Protest Ja stimmten.

Kritik aus dem eigenen Lager

Auch Flavia Kleiner vom NGO-Komitee gegen die Durchsetzungsinitiative distanziert sich vom Plakat: «Das geht zu weit. Das Hakenkreuz ist historisch vorbelastet.» Es gebe genügend sachliche Argumente gegen die Durchsetzungsinitiative. Das habe ihr Komitee mit der Abrissbirne gezeigt: «Eine Annahme der DSI würde tatsächlich die Grundpfeiler der Schweiz zerstören – wie Rechtsstaat, Demokratie und Wohlstand.»

SVP-Werber Alexander Segert wurde bekannt, weil er schwarze Schafe aus der Schweiz kicken liess und eine Schweiz voller raketenartiger Minarette darstellte. Er sagt: «Die Hakenkreuz-Werbung ist ein laienhafter Versuch, mit Provokation Aufmerksamkeit zu erzielen.» Das funktioniere aber nur, wenn es für die Zielgruppe einen Zusammenhang zwischen der Provokation und dem politischen Sachverhalt gebe. «Und das ist hier offensichtlich nicht der Fall, denn die Schweiz wird bei einer Annahme der Durchsetzungs-Initiative nicht dem Faschismus verfallen.»

Dem widerspricht Politologe Louis Perron: «Das Plakat ist nicht inhaltsleer.» Seine Botschaft sei, «dass die Durchsetzungsinitiative einen Automatismus brächte, bei dem vor dem Gesetz nicht mehr alle gleich wären». Politkampagnen müssten Emotionen wecken: «Im US-Wahlkampfjargon sagt man: Angst, Hoffnung und Wut treiben die Menschen an.» Zudem besage das Lehrbuch im Polit-Marketing, dass man auf Ende der Kampagne nochmals zuspitzen soll. «Das macht das Hakenkreuz.» Dass einzelne Personen angewidert auf solche Aktionen reagieren, könne jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Hinter dem provokativen Sujet steckt der Werber Parvez Sheik Fareed. Er wollte mit dem stilisierten Hakenkreuz auf die Zwei-Klassen-Justiz der DSI hinweisen, wie er gegenüber «Persoenlich.com» sagte.

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