Aktualisiert 31.03.2011 05:47

Atomdebatte

Angst vor AKW an der Grenze

Es ist uralt - und erdbebengefährdet: Die Regierung des Kantons Jura verlangt wie die Regierungen der beiden Basel die Abschaltung des Atomkraftwerks Fessenheim an der Grenze.

AKW Fessenheim.

AKW Fessenheim.

Das AKW Fessenheim berge Risiken, hielt die Regierung in einem Communiqué fest. Es sei das älteste französische Atomkraftwerk und liege in einem erdbebengefährdeten Gebiet in 60 Kilometer Luftlinie vom Kanton Jura. Im Interesse der Sicherheit der Bevölkerung müsse es stillgelegt werden, bis es gründlich untersucht sei.

Die Forderung der beiden Basel und des Jura soll dem französischen Minister und Präsidenten des Generalrats der Région Alsace, Philippe Richert, überreicht werden. Auch die jurassische Regierung ersucht zudem Bundesrätin Doris Leuthard, das Begehren bei ihrem nächsten Treffen mit Frankreichs Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet anzubringen.

Informelle Gespräche von Parlamentariern

Ein solches Treffen war für Freitag geplant, ist aber mit Hinweis auf eine kurzfristig anberaumte Auslandreise von Kosciusko-Morizet auf später verschoben worden, wie das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) am Mittwoch mitteilte. Kosciusko-Morizet soll Präsident Nicolas Sarkozy nach China und Japan begleiten.

Das AKW Fessenheim war am Mittwoch Gegenstand informeller Gespräche von schweizerischen und französischen Parlamentariern in Frankreich. Die Franzosen hätten die Schweizer vom Funktionieren der Anlage überzeugen wollen, wie SP-Ständerätin Liliane Maury Pasquier sagte. Sie steht der Delegation der Räte vor, die die Beziehungen mit dem französischen Parlament pflegt.

Mehrere Mitglieder der französischen Delegation sässen in der Aufsichtsdelegation des AKW, berichtete die Genferin. Und auch bei französischen Parlamentariern sei das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Kernkraft ins Wanken geraten. Einige hätten sich aus persönlicher Sicht für einen Ausstieg ausgesprochen - nach der Suche nach zufriedenstellenden Alternativen.

Auf Schweizer Seite sei die Abstimmung über die Zukunft des Atomkraftwerks Mühleberg BE ins Gespräch gebracht worden, sagte Maury Pasquier. Im Kanton Bern sprachen sich am 13. Februar die Stimmberechtigten für einen Mühleberg-Ersatz aus. Nach der Sistierung der Bewilligungsgesuche durch den Bund ist das Ja vermutlich Makulatur geworden.

Umweltorganisationen wollen Stilllegung

Die beiden Reaktoren des nur 35 Kilometer von Basel entfernten AKW Fessenheim sind 1977 und 1978 in Betrieb genommen worden. Die bei einem Erdbeben im Oberrheingraben auftretenden Kräfte im AKW seien bisher jedoch signifikant unterschätzt worden, hatte 2007 eine Studie im Auftrag der Kantone Basel-Stadt und Jura ergeben.

Die Stilllegung von Fessenheim fordern seit Jahren auch Umweltorganisationen im schweizerisch-französisch-deutschen Grenzgebiet. Die Zehnjahresinspektion des AKW dauert voraussichtlich bis 2012. Die Betreiberin Electricité de France will die Betriebserlaubnis um zehn Jahre verlängern lassen. (sda)

Fehler gefunden?Jetzt melden.