Basel: Angst vor dunklen Parkhäusern – Hälfte der Lichter bleibt zum Stromsparen aus

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BaselAngst vor dunklen Parkhäusern – Hälfte der Lichter bleibt zum Stromsparen aus

Im Kanton Basel-Stadt wird die Beleuchtung in Tiefgaragen heruntergefahren, um Energie einzusparen. Beim Gedanken an schlechter ausgeleuchteten Einstellhallen ist aber nicht allen wohl.

von
Steve Last
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Die Hälfte der Lichter bleibt zum Stromsparen dunkel. Werden die Parkhäuser dadurch gefährlicher?

Die Hälfte der Lichter bleibt zum Stromsparen dunkel. Werden die Parkhäuser dadurch gefährlicher?

20min/Alexia Mohanadas
Die Massnahme wird in den öffentlichen Parkhäusern des Kantons Basel-Stadt umgesetzt, um einer Strommangellage vorzubeugen.

Die Massnahme wird in den öffentlichen Parkhäusern des Kantons Basel-Stadt umgesetzt, um einer Strommangellage vorzubeugen.

20min/Alexia Mohanadas
Gegenüber «Prime News» äussern Personen die Befürchtung, dass die schlechteren Lichtverhältnisse zu mehr Kriminalität führen.

Gegenüber «Prime News» äussern Personen die Befürchtung, dass die schlechteren Lichtverhältnisse zu mehr Kriminalität führen.

20min/Alexia Mohanadas

Darum gehts

  • Stromsparmassnahmen sorgen in Basel für dunklere Parkhäuser.

  • Mit der Massnahme sind aber nicht alle zufrieden. 

  • Einige befürchten im schlechteren Licht mehr Kriminalität.

Im Angesicht einer drohenden Strommangellage wird in den öffentlichen Parkhäusern des Kantons Basel-Stadt die Beleuchtung reduziert. Das hat das Nachrichtenportal «Prime News» herausgefunden und sich von Immobilien Basel-Stadt bestätigen lassen. Die Beleuchtung werde um 40 bis 50 Prozent reduziert, wovon man sich eine Energieeinsparung von 15 Prozent erhoffe. Wie viel es tatsächlich bringt, wisse man noch nicht.

 Zwei Personen, die regelmässig Basler Parkhäuser nutzen, äussern ihre Befürchtungen. Menschen fühlen sich aus verschiedenen Gründen in Parkhäusern unwohl. Dass nun die Lichter in den unterirdischen Autolagern heruntergedreht werden, verstärke dieses Gefühl zusätzlich. Auch LDP-Grossrätin  Annina von Falkenstein findet, Stromspar-Massnahmen dürfen nicht auf die Kosten des Sicherheits-Empfindens der Menschen gehen.

Laut Barbara Neidhart von Immobilien Basel-Stadt seien die Sicherheitsstandards in Parkhäusern weiterhin «sehr hoch», nicht zuletzt aufgrund der fast flächendeckenden Videoüberwachung, wie sie gegenüber dem Portal sagt.

Darum können Parkhäuser der Horror sein

Im Autoland USA setzt man sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich damit auseinander, wie man Parkhäuser sicherer macht. Das ganze heisst CPTED (Crime Prevention Through Environmental Design; auf Deutsch Verhinderung von Kriminalität durch Design der Umgebung). Wenig überraschend kommen diverse Studien zum Schluss, dass Beleuchtung ein entscheidender Faktor ist.

Schon allein um in einem engen Bereich, wo viele Autos manövrieren, Unfälle zu verhindern, ist es wichtig, dass die Lichtverhältnisse gut sind. Aber das Licht spielt auch im Hinblick auf Kriminalität und das Sicherheitsempfinden eine wichtige Rolle. So kam das US-Justizdepartement bereits 1996 zum Schluss, dass die schlechten Sichtverhältnisse in Parkhäusern kritisch sind. In einer Fallstudie wurden durch bessere Beleuchtung etwa Einbruchdiebstähle in Autos massiv reduziert.

Das «Handelsblatt» hält unter Berufung auf das Landeskriminalamt Hamburg (D) fest: «Tiefgaragen und Parkhäuser sind nicht nur für Frauen Paradebeispiele für Angsträume. ‹Insbesondere Tiefgaragen haben eine erhebliche psychologische Wirkung auf den Menschen. Die unterirdische Bauweise bedingt zumeist das Fehlen von natürlichen Lichtquellen. Sie werden häufig nur ungern und möglichst kurzzeitig aufgesucht›.»

Ist die Gefahr also nur in meinem Kopf?

Sind Parkhäuser also absolut sicher? Nein, das sind sie nicht. Im Januar 2019 wurde etwa in Genf ein Mann nach einem Streit in einem Parkhaus erstochen. Auch in Parkhäusern werden Verbrechen verübt. Delikte gegen Leib und Leben oder die sexuelle Integrität bilden aber die Ausnahme, wenn man sich Zahlen aus den USA anschaut, wo das entsprechend untersucht wurde. Viel öfter kommt es vor, dass in Autos eingebrochen wird oder es zu Vandalismus kommt.

Dass die Basler Parkhäuser wegen der reduzierten Beleuchtung plötzlich zu Gewalt-Hotspots werden, kann natürlich nicht im Voraus ausgeschlossen werden, ist aber unwahrscheinlich. Möglich ist, dass Delikte dort zunehmen, was man aber erst wissen wird, wenn es so weit ist. Sehr wahrscheinlich ist, dass sich Menschen bei schlechteren Lichtverhältnissen noch weniger wohlfühlen.

Wie fühlst Du dich in Parkhäusern?

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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