Angst vor französischem Tschernobyl
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Angst vor französischem Tschernobyl

Nach dem Bekanntwerden von gravierenden Sicherheitsmängeln an Frankreichs Atomkraftwerken haben Umweltschützer die sofortige Stilllegung aller Reaktoren gefordert.

Die Pariser Atomaufsichtsbehörde ASN hatte zuvor Fehler im Notkühlsystem der vom Staatskonzern EdF betriebenen Atomkraftwerke bekannt gegeben. Das Problem betrifft nach Angaben der französischen Experten alle Druckwasserreaktoren weltweit.

Nun müssten «unverzüglich Massnahmen zur Sicherheit der Bevölkerung» getroffen werden, forderte das Netzwerk zum Atomausstieg «Sortir du Nucléaire» - sonst drohe ein «französisches Tschernobyl».

Nach Angaben der ASN prüft der staatliche Stromkonzern EdF derzeit, wie das Problem behoben werden kann. EdF werde bis Ende April mitteilen, welche Massnahmen ergriffen werden können. Änderungen sollten dann ab kommendem Jahr umgesetzt werden.

Diese Übergangsfrist kritisierten die Atomkraftgegner als «unverantwortlich». Schon ein leichtes Erdbeben könne die Leitungen des Primärkreislaufes brechen lassen, betonte «Sortir du Nucléaire». Falle dann auch noch das Notkühlsystem aus, seien ein Schmelzen des Reaktorkerns und damit ein «französisches Tschernobyl» nicht auszuschliessen.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Freiburg wies darauf hin, dass das elsässische Kernkraftwerk Fessenheim besonders betroffen sei. Der vor über 30 Jahren in Betrieb genommene Meiler am Oberrhein ist Frankreichs ältester Druckwasserreaktor.

EdF habe bestätigt, dass die ältesten Reaktoren «besonders gefährdet» seien, weil sie über schwächere Filteranlagen verfügten, betonte ein Sprecher des BUND. In Frankreich erzeugen derzeit 58 Atomreaktoren 78 Prozent des Stroms - dieser Anteil ist höher als in allen anderen Industrieländern.

(sda)

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