Super League: Was, wenn der FC Zürich am 1. Mai im Joggeli Meister wird?
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Politiker fordert VerschiebungAngst vor Krawallen – was, wenn der FCZ am 1. Mai in Basel Meister wird?

FC Basel gegen FC Zürich ist immer ein Hochrisikospiel. Wenn der FCZ in Basel Meister werden kann, umso mehr. Wenn dann auch noch die üblichen 1.-Mai-Ausschreitungen dazukommen, könnte es kritisch werden.

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Szenen, die bleiben: FCZ-Meistertorschütze Iulian Filipescu prügelt sich 2006 mit platzstürmenden FCB-Fans.

Szenen, die bleiben: FCZ-Meistertorschütze Iulian Filipescu prügelt sich 2006 mit platzstürmenden FCB-Fans.

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Kurz davor: Zürich schnappt Basel mit einem Tor in der 93. Minute des letzten Spieltages die Meisterschaft weg.

Kurz davor: Zürich schnappt Basel mit einem Tor in der 93. Minute des letzten Spieltages die Meisterschaft weg.

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Zürcher Freude, im Hintergrund Ausschreitungen: Meistertrainer Lucien Favre (r.) herzt Stürmer Alhassane Keita.

Zürcher Freude, im Hintergrund Ausschreitungen: Meistertrainer Lucien Favre (r.) herzt Stürmer Alhassane Keita.

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Darum gehts

  • Ausgerechnet in Basel könnte der FC Zürich den Meistertitel in trockene Tücher bringen.

  • Als der FCZ 2006 im Joggeli Meister wurde, kam es in und ums Stadion zu Ausschreitungen.

  • Auch heuer sind ähnliche Krawalle zu befürchten, und teils offenbar bereits angekündigt.

  • Dass das Ganze am 1. Mai stattfindet, könnte die Polizei vor Kontingentprobleme stellen.

Es wird ziemlich genau 16 Jahre her gewesen sein: Durch sein Stürchel-Tor in der legendären 93. Minute schnappt FCZ-Abwehrhüne Iulian Filipescu dem FC Basel Sekunden vor Meisterschaftsende den Titel weg. Das sportliche Spektakel ist historisch, die anschliessenden Bilder im Basler St. Jakob-Park ein trauriges Stück Schweizer Fussball-Geschichte: Unzählige FCB-Fans stürmen den Platz, versuchen gewaltsam, die Zürcher Party zu stören. Mittendrin in den wilden Nordwest-Szenen: Torschütze Filipescu, der sich persönlich gegen die Invasion der Muttenzerkurve verteidigte.

Nun, bleiben die Spitzenteams im eigentlich bereits entschiedenen Spitzenkampf im Gleichschritt, wird der FC Zürich wohl am 1. Mai die Meisterschaft ins Trockene bringen – und das ausgerechnet im Joggeli. Aus diversen Basler Fankreisen heisst es bereits, man werde die Feierlichkeiten mit allen Mitteln zu verhindern versuchen. Ausschreitungen ums Stadion sind anzunehmen, eine Eskalation im Inneren des Basler Fussballtempels wahrscheinlich. Und das am Tag der Arbeit, an dem die Polizei gewöhnlich bereits viel zu tun hat.

Politiker fordert Verschiebung

Hinzu kommt: Es werden noch mehr FCZ-Fans kommen als zu den letzten Rotblau-Heimspielen gegen Zürich. So teilten die Basler mit, dass es einen vergrösserten Sektor für die FCZ-Fans geben wird, der sich über mehrere Sektoren erstreckt. «Betroffene Fans mit Saison-/ und Einzelkarten in den entsprechenden Sektoren wurden bereits separat über diese Massnahme informiert», so der Club, der weiter mitteilt, dass das Joggeli ausnahmsweise bereits zwei Stunden vor Anpfiff der Partie öffnet.

Joël Thüring, SVP-Grossrat von Basel-Stadt, hat eine klare Meinung. Der 38-Jährige meint gegenüber 20 Minuten: «Ich verstehe nicht, dass solch ein Hochrisiko-Spiel am 1. Mai stattfindet. Ich wäre dafür, dass die Partie am Samstag ist.» Den 1. Mai könne man schliesslich nicht verschieben – ein Fussballspiel hingegen schon. Ausserdem warnt Thüring: «Und es ist ja auch nicht irgendein Tag der Arbeit. Es ist der erste 1. Mai nach Corona. Da wird die Polizei alle Hände voll zu tun haben.» 

Basler Polizei ist bereit

Der SVP-Mann hat also eine klare Meinung. Doch was meint die Kantonspolizei Basel-Stadt selbst dazu? Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es: «Selbstverständlich ist sich die Kantonspolizei Basel-Stadt bewusst, dass dieses Szenario eintreten kann.» Schliesslich beurteile die Kapo die Lage vor jedem planbaren Ereignis und somit auch bei Fussballspielen. Und weiter: «In einer polizeilichen Lagebeurteilung sind auch Eventualplanungen für mögliche Lageentwicklungen oder den Eintritt von Ereignissen enthalten.» Aus taktischen Gründen könne man hierzu aber keine genaueren Angaben machen.

Es bleibt aber anzunehmen: Die Polizei ist auf diverse Szenarien vorbereitet. Aber ob man dafür an einem 1. Mai überhaupt genügend Kapazität hat? «Die Kantonspolizei Basel-Stadt kann auf die Unterstützung des Polizeikonkordats Nordwestschweiz zurückgreifen. Man kann davon ausgehen, dass wir für diesen Tag genügend Kräfte bereitgestellt haben», so das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Mit einer Verschiebung des Spiels rechne man nicht.

Helvetiaplatz am 1. Mai

Auch die Stadt Zürich wird an jenem Tag gewappnet sein. Schliesslich steht nach einem allfälligen Titelgewinn in Basel eine Party in der FCZ-Heimat an. Und diese würde traditionsgemäss wohl auf dem Zürcher Helvetiaplatz stattfinden. Also genau da, wo am 1. Mai normalerweise linksextreme Demonstranten und Sondereinheiten der Stapo aufeinander losgehen. Ekstatische Fussballfans, der Schwarze Block und jede Menge Polizei: Ob diese Mischung gut kommt?

«Natürlich sind wir uns der Lage bewusst», sagt die Stadtpolizei Zürich auf Anfrage von 20 Minuten. Man werde die spezielle Konstellation selbstverständlich in die Lagebeurteilung einfliessen lassen. Aber auch hier könne man aus taktischen Gründen betreffend Aufgebot keine Angaben machen. Und weiter: «Stand jetzt wissen wir nichts von einer möglichen Verschiebung.»

Grünes Licht bleibt bestehen

Eine Verschiebung ist auch auf Seiten der Liga nicht vorgesehen, man stünde aber mit allen Beteiligten in engem Kontakt. Beim FC Basel bläst man ins gleiche Horn. Rotblau teilt gegenüber 20 Minuten mit: «Der Umstand, dass das Spiel gegen den FC Zürich am 1. Mai stattfindet, ist allen Parteien seit längerem bekannt. Die Partie bekam seitens der Basler Kantonspolizei aber von Beginn weg grünes Licht für die Durchführung.»

Eigentlich bleibt so für alle Beteiligten zu hoffen, dass Zürich bereits in der Woche zuvor (Heimspiel gegen Sion) oder dann eine Woche später (Auswärtsspiel in St. Gallen) Meister wird. Aus Zürcher Sicht wäre sicherlich ein Heimspiel attraktiver. Denn auch den letzten Titel 2009 feierte man spontan auf fremdem Terrain – nach einem 1:0-Sieg am 35. Spieltag in Bellinzona. 

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(sih/nih)

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