Ukraine-Russland-Konflikt – Angst vor Krieg geht in Europa um – EU bereitet sich auf Flüchtlingsströme vor
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Ukraine-Russland-KonfliktAngst vor Krieg geht in Europa um – EU bereitet sich auf Flüchtlingsströme vor

Marschiert Russland in der Ukraine ein, verändert sich die Sicherheitslage der rund 41 Millionen Menschen in der Ukraine dramatisch. Die EU bereitet bereits Notfallpläne vor.

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In der Ukraine wären rund 41 Millionen Menschen von einem russischen Angriff betroffen.

In der Ukraine wären rund 41 Millionen Menschen von einem russischen Angriff betroffen.

AFP
Für den Fall eines Angriffs nur im Osten des Landes wird damit gerechnet, dass die meisten flüchtenden Menschen erst einmal im westlichen Teil der Ukraine Schutz suchen.

Für den Fall eines Angriffs nur im Osten des Landes wird damit gerechnet, dass die meisten flüchtenden Menschen erst einmal im westlichen Teil der Ukraine Schutz suchen.

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Als vermutlich wichtigstes Fluchtziel in der EU gelten das direkt an die Ukraine grenzende Polen, daneben aber auch Italien, Deutschland und Frankreich.

Als vermutlich wichtigstes Fluchtziel in der EU gelten das direkt an die Ukraine grenzende Polen, daneben aber auch Italien, Deutschland und Frankreich.

REUTERS

Darum gehts

  • In Europa wächst die Angst vor einem russischen Angriff auf die Ukraine.

  • Die EU rechnet mit einem Zustrom von Kriegsflüchtenden.

  • Ob auch die Schweiz zum Ziel von Flüchtenden wird, ist unklar.

Die EU bereitet sich für den Fall eines russischen Angriffs gegen die Ukraine auf einen möglichen Zustrom von Kriegsflüchtlingen vor. «Ja, wir arbeiten daran», sagte die für das Thema zuständige EU-Kommissarin Ylva Johansson am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz der Deutschen Presse-Agentur. Bereits seit einigen Wochen würden mit den Mitgliedsstaaten Notfallpläne erstellt – insbesondere mit denen, die unmittelbar an die rund 41 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zählende Ukraine grenzen.

Grundlage für die Vorbereitungen sind nach Angaben von Johansson unterschiedliche Szenarien, die basierend auf Informationen der Vereinten Nationen und Erfahrungen nach dem russischen Vorgehen gegen die Ukraine im Jahr 2014 erstellt wurden. Für den Fall eines Angriffs nur im Osten wird so zum Beispiel damit gerechnet, dass die meisten flüchtenden Menschen erst einmal im westlichen Teil der Ukraine Schutz suchen. Sie würden dann dort Unterstützung brauchen, sagte die Schwedin.

EU nennt keine Zahlen

Als vermutlich wichtigstes Fluchtziel in der EU nannte Johansson das direkt an die Ukraine grenzende Polen, daneben aber auch Italien, Deutschland und Frankreich. Nicht sagen wollte sie, mit wie vielen Kriegsflüchtenden in den unterschiedlichen Szenarien gerechnet wird.

Anhaltspunkte hatte allerdings bereits am Freitag US-Verteidigungsminister Lloyd Austin bei einem Besuch in Warschau gegeben. Seinen Angaben zufolge könnte allein Polen «Zehntausende von vertriebenen Ukrainerinnen und Ukrainern und anderen Menschen über seine Grenze strömen sehen, die versuchen, sich und ihre Familien vor den Schrecken des Krieges zu retten». Weitere direkte Nachbarländer der Ukraine in der EU sind die Slowakei, Ungarn und Rumänien.

Die Schweiz als Ziel für Flüchtende?

Wäre auch die Schweiz von einer Flüchtlingswelle betroffen? Diese Frage stellte 20 Minuten Nicolas Hayoz, Professor für Politikwissenschaft an der Uni Freiburg und Osteuropaspezialist: «Falls ein grosser Teil der Ukraine besetzt wird, müssen wir in der Schweiz mit einer riesigen Flüchtlingswelle rechnen.» Ein Blick in die Vergangenheit würde das beweisen: «Nach dem Prager Frühling 1968 hat die Schweiz etwa 11’000 Tschechoslowaken aufgenommen», sagt Hayoz.

Laurent Goetschel, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Basel und Direktor der Schweizerischen Friedensstiftung swisspeace, rechnet hingegen nicht damit, dass die Flüchtlingsströme die Schweiz erreichen: «Der Krieg in den osteuropäischen Gebieten der Ukraine, in Donezk und Lugansk, hat primär zu Vertreibungen innerhalb der Ukraine geführt.» Auch in politischer Hinsicht spiele die Schweiz wohl nur eine untergeordnete Rolle, so Goetschel: «Da die Schweiz weder EU-Mitglied ist, noch der Nato angehört und neutral ist, wird sie sich zurückhalten.»  

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(DPA/job)

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