Terror in Paris: Angst vor Spannungen in Frankreich steigt
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Terror in ParisAngst vor Spannungen in Frankreich steigt

Die Anschläge vom 13. November haben in Frankreich Wut geschürt. Wird sich diese Wut gegen alle Muslime richten?

von
nsa

Hätte Präsident François Hollande vor einigen Wochen im Parlament von einem «Feind im Innern» der französischen Gesellschaft gesprochen, wäre er laut der «New York Times» auf massiven Widerstand gestossen – besonders aus den Reihen seines eigenen Parti Socialiste.

Als er die gleichen Worte aber nach dem Anschlag vom 13. November gebrauchte, reagierten die Abgeordneten fast ausnahmslos mit Klatschen und dem Singen der Marseillaise. Selbst Marine le Pen, Anführerin des rechtsextremen Front National und eigentlich erbitterte Widersacherin von Hollandes Politik, hatte lobende Worte für den Präsidenten übrig. Die Gewalt hat die Franzosen näher zusammengebracht.

«Jeder ist verdächtig»

Gleichzeitig verschiebt sich die französische Politik auch gegen rechts. «Der Front National wird sicher wachsen», sagt Bernard Godard, Experte für die Beziehung zwischen Frankreich und seiner muslimischen Bevölkerung, zur NYT. Negative Gefühle gegenüber den fast 6 Millionen Muslimen im Land seien bisher meist verdeckt worden. Jetzt werde Islamophobie zunehmend salonfähig.

«Es gibt ein ernstzunehmendes Risiko, dass die öffentliche Meinung in Frankreich radikaler wird», sagt Godard. «Vielleicht werden die Leute den Islam in Frankreich bald nicht mehr in der Öffentlichkeit tolerieren.» Seit den Anschlägen ist es zu Spannungen zwischen Muslimen und anderen Franzosen gekommen. Auch die Polizei reagiert härter auf Muslime. «Jeder ist verdächtig», sagt Verkäufer Aykut Kasaroglu. Er sei auf dem Weg ins Fitnesscenter aufgehalten und kontrolliert worden.

«Der Front National ist nicht islamophob»

Anderer Meinung ist Nino Galetti, der Büroleiter der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung in Paris. «Hier ist knapp jeder Zehnte ein Muslim. Das sind viel grössere Dimensionen, als sie in Deutschland oder der Schweiz anzutreffen sind», sagt er zu 20 Minuten. Eine grundsätzlich islamophobe Stimmung könne er sich deshalb in Frankreich nicht vorstellen. «Die Leute haben so viel mit Muslimen zu tun. Wenn sie einkaufen, wenn sie einen Handwerker zu sich nach Hause bestellen. Eine Aufspaltung in Franzosen und muslimische Franzosen kann ich mir deshalb nicht gut vorstellen.»

Nicht zu unterschätzen sei auch die laizistische Tradition in Frankreich, die eine strenge Trennung zwischen Kirche und Staat vorsieht. «Man spricht hier nicht über Religion. Das ziemt sich nicht», sagt Galetti. Das mache einen grossen Unterschied zu Deutschland und der Schweiz aus. Selbst der rechtsextreme Front National ist laut Galetti nicht per se islamophob. «Der FN politisiert gegen Einwanderer und Kriminelle. Er will Jihadisten aus Syrien in Gewahrsam nehmen und Hassprediger ausweisen», sagt Galetti. Spezifisch islamfeindlich sei der FN aber nicht. «Dafür hat sich die Partei selbst viel zu weit von der Religion als solcher distanziert.»

Was er dafür ganz klar spüre, sei eine Betroffenheit, die über diejenige der Attentate auf «Charlie Hebdo» hinausgehe. «Die Redaktion des Satiremagazins hat bewusst provoziert. Auch wenn das keinen Anschlag rechtfertigt, hat sie sich damit zum Ziel für Extremisten gemacht. Jetzt haben die Terroristen aber ganz normale Franzosen angegriffen. Das hat den Schock in der Bevölkerung ungemein verstärkt.»

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