Anhaltendes Blutbad im Irak
Aktualisiert

Anhaltendes Blutbad im Irak

Mindestens 48 Menschen kamen in der Nähe von Bagdad bei einem Anschlag auf eine schiitische Trauerfeier ums Leben. Im US-Parlament wurde ein Antrag auf einen sofortigen Abzug der Truppen abgelehnt.

In Abu Saida nahe von Bagdad raste ein Attentäter mit seinem Auto in ein Zelt, in dem Schiiten eine Trauerzeremonie für einen Geistlichen abhielten. Mindestens 35 Menschen starben und 50 wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Erst am Vortag hatten Selbstmordattentäter zwei schiitische Moscheen attackiert. Dabei starben mindestens 73 Menschen.

In der Hauptstadt Bagdad explodierten am Samstag zwei Autobomben innert 90 Minuten. Die schwerere der beiden Detonationen richtete auf einem belebten Markt im Viertel Dschisr Dijala ein Blutbad an. Laut Innenministerium war die Bombe in einem parkierten Auto versteckt. 13 Menschen kamen um, etwa 15 wurden verletzt.

Die zweite Explosion, die offenbar einer Polizeipatrouille galt, tötete niemanden. Sie verletzte drei Polizisten und zwei Zivilisten.

In der Stadt Bakuba starben zwei Polizisten und ein Zivilist an einer Strassensperre der Polizei. Laut Behörden hatten bewaffnete Männer die Sperre in der Nähe eines Spitals überfallen und um sich geschossen.

Mubarak ruft zu Verständigung auf

In Kairo begann am Samstag ein dreitägiges Vorbereitungstreffen für eine irakische Versöhnungskonferenz. Vertreter der irakischen Volksgruppen wollten über Wege für eine Versöhnung von Sunniten, Schiiten und Kurden beraten.

Die Konferenz soll um den Jahreswechsel unter der Schirmherrschaft der Arabischen Liga stattfinden. Ägyptens Präsident Husni Mubarak sagte, eine Verständigung der Volksgruppen sei eine «unverzichtbare Vorbedingung» für einen Abzug der USA aus dem Irak.

US-Demokraten ausgetrickst

Einen sofortigen Abzug der US-Truppen lehnte das US- Repräsentantenhaus am Freitag (Ortszeit) ab. In einem parlamentarischen Schachzug zwang die republikanische Mehrheit die oppositionellen Demokraten auf ihre Seite.

In ihrem Antrag formulierten die Republikaner gegen ihre Überzeugung die Aufforderung, der Einsatz im Irak müsse «sofort» beendet werden. In dieser Schärfe war der Antrag auch für viele Demokraten nicht annehmbar. Die Resolution wurde mit 403 zu drei Stimmen bei sechs Enthaltungen abgelehnt.

Mit ihrem knapp formulierten Text durchkreuzten die Republikaner einen differenzierteren Antrag des demokratischen Abgeordneten John Murtha, der sich für einen schnellstmöglichen Truppenabzug ausgesprochen hatte.

«Kein militärischer Sieg möglich»

Murtha stimmte schliesslich selbst gegen die verschärfte Resolution. Unter dem donnernden Applaus der Abgeordneten bekräftigte der dreifach dekorierte Vietnamveteran, der Irak lasse sich nicht «militärisch gewinnen». Eine Lösung gebe es nur auf politischer Ebene.

Präsident George W. Bush wies einen baldigen Abzug zurück. «Wir werden die Terroristen im Irak bekämpfen, und wir werden weiterkämpfen, bis wir den Sieg errungen haben», sagte Bush am Samstag vor US-Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Osan in Südkorea.

(sda)

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