SVP-Shootingstars: Anita Borer ist nicht die neue Natalie Rickli
Aktualisiert

SVP-ShootingstarsAnita Borer ist nicht die neue Natalie Rickli

Was der Zürcher SVP mit Natalie Rickli 2007 gelang, will sie heuer mit Anita Borer wiederholen: Eine Newcomerin in den Nationalrat hieven. Doch Borer ist nicht Rickli.

von
Ronny Nicolussi
Parallelen aber auch grosse Unterschiede: Die SVP-Politikerinnen Anita Borer und Natalie Rickli.

Parallelen aber auch grosse Unterschiede: Die SVP-Politikerinnen Anita Borer und Natalie Rickli.

Die Überraschung hielt sich in Grenzen. Dass die Zürcher SVP-Leitung erneut einer jungen Politikerin einen Spitzenplatz auf ihrer Nationalratsliste einräumen würde, war erwartet worden. Dass es Anita Borer aus Uster sein würde, ebenfalls. Das Stimmvolk wählte die 24-jährige Senkrechtstarterin aus Uster im Frühling als praktisch unbeschriebenes Blatt in den Zürcher Kantonsrat. Der «Blick» feiert sie bereits als neue «SVP-Prinzessin».

Gleich wie vor vier Jahren die Winterthurerin Natalie Rickli, erhält sie nun die Chance vom zweiten Listenplatz in den nationalen Wahlkampf zu starten – direkt hinter Christoph Blocher. Zwar muss dieser Entscheid in zwei Wochen noch von den SVP-Delegierten genehmigt werden. Opposition dürfte es jedoch keine geben.

Womit hat sich Borer diese Chance verdient? Politische Erfahrung kann es nicht sein. Anders als die damals 30-jährige Rickli, die vor ihrer Wahl in den Nationalrat über Jahre im Winterthurer Stadtparlament politisierte, und dort als Aushängeschild und Wortführerin fungierte, hatte Borer vor Wochenfrist noch nie ein Parlament von innen gesehen. Erst am Montag nahm sie als Kantonsrätin und gleichentags als Nachrückerin im Gemeinderat von Uster zum ersten Mal an einer Sitzung teil.

Steile Karriere in der Partei

Mehr Erfahrung konnte Borer in den letzten Jahren innerhalb der SVP-Strukturen sammeln. Politikinteressierten ist sie als Präsidentin der Jungen SVP des Kantons Zürich ein Begriff. Der Jungpartei trat sie 2006 bei und stieg innert vier Jahren vom Mitglied zur Parteisekretärin, Vizepräsidentin und Präsidentin auf. Zudem sitzt sie seit einem Jahr in der Parteileitung der Zürcher Kantonalpartei.

Ihre politischen Schwerpunkte setzt Borer laut Angaben auf ihrer Homepage in den Bereichen Wirtschaft, Sicherheit und Bildung. In letzterem Bereich hat sie als Studienabbrecherin an der Pädagogischen Hochschule Zürich besondere Erfahrungen sammeln können. Dabei habe sie gemerkt, dass «neue Reformen, die bewiesenermassen nicht zielführend sind», den Verwaltungsapparat aufbauschten.

«Es bleibt nur wenig, um zu leben»

Seit 2008 studiert Borer Kommunikation an der Hochschule für Wirtschaft Zürich und arbeitet als Kundenberaterin bei der Zürcher Kantonalbank. Nicht deshalb schreibt sie jedoch auf ihrer Homepage: «Haben Sie sich auch schon gefragt, wo Ihr Geld hinfliesst?» Vielmehr will die Jungpolitikerin damit sagen, dass ein Grossteil des Einkommens heute dem Staat abgeliefert werden müsse. Sie kommt zum Schluss: «Um leben zu können, bleibt oft nur wenig übrig.»

Schlanker Staat, verfehlte Bildungspolitik, Ausnützung der Sozialwerke, Ausländerkriminalität: Die Themen, über die sich die 24-Jährige bisher in wenigen Referaten und Leserbriefen öffentlich äusserte, decken sich eins zu eins mit der Parteilinie. Manchmal schiesst Borer aber auch über ihr Ziel hinaus. Um die Ausnützung der Sozialwerke zu illustrieren, baute sie im vergangenen Sommer folgenden, geschmacklosen Witz in ein Referat ein: «Mitten am Tag brennt ein Mehrfamilienhaus. Auf der untersten Etage wohnt eine Familie aus Marokko, auf der zweiten Etage eine Familie aus Algerien und auf der dritten Etage eine Familie aus der Schweiz. Nur eine Familie überlebt den Brand. Welche? Die Schweizer Familie. Warum? Die Eltern waren bei der Arbeit und die Kinder in der Schule.» Ob sie als Nationalratskandidatin weiterhin solche Witze erzählen will, bleibt unklar. Borer war am Mittwoch für 20 Minuten Online nicht erreichbar.

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