Aktualisiert 20.08.2019 06:33

Risiko?Anja bleibt auch schwanger Veganerin

Anja Zeidler ist im fünften Monat schwanger. Die Influencerin hält an ihrer veganen Lebensweise fest. Und macht sich um die Gesundheit ihres Kindes keine Sorgen.

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Anja hat in den vergangenen Jahren eine Menge durchgemacht: Ihre Entwicklung vom Muskelmodel zum werdenden Mami gibts hier. <i>(Video: S. Brazerol)</i>

Anja, du bist im fünften Monat schwanger. Bleibst du bei der veganen Ernährung?

Ja. Als ich von meiner Schwangerschaft erfuhr, habe ich mich sofort mit Büchern zum Thema «Vegane Ernährung in der Schwangerschaft» eingedeckt. Ich bin jetzt schon eine kleine Expertin auf dem Gebiet.

Machst du dir keine Sorgen um die Entwicklung des Ungeborenen?

Dass eine vegane Schwangerschaft mit besonders vielen Risiken verbunden sein soll, ist für mich relativ. Gesund und ungesund gibt es in jeder Ernährungsform – bei Mischköstlern genau so wie bei Vegetariern oder Veganern.

Trotzdem raten Ärztinnen und Ärzte von einer veganen Ernährung während der Schwangerschaft ab. (Mehr dazu weiter unten.)

Leider gibt es noch zu wenige Studien zum Thema. Deshalb sind die Ärzte lieber vorsichtig mit Empfehlungen. Als Veganerin befasse ich mich generell stark mit dem Thema Ernährung. Ich weiss genau, in welchen Nahrungsmitteln ich welche Nährstoffe finde.

Lässt du deine Werte checken?

Ja. Die Stoffe, die jede Schwangere – egal, ob vegan oder nicht – speziell beachten muss, sind vor allem Jod, Eisen, Kalzium, B12, Omega-Fettsäuren und in den ersten Monaten Folsäure. Als Veganerin komme ich an all diese Stoffe, das beweisen meine Blutwerte.

Also alles entspannt?

Eine vegane Schwangerschaft hat sogar Vorteile! Das Risiko für Toxoplasmose ist äusserst gering, da ich keine tierischen Produkte esse, die mit Bakterien befallen sein könnten, die für das Ungeborene lebensgefährlich sein können. Ich muss nur bei der Reinigung der Katzenklos aufpassen – da könnte ich mir etwas einfangen.

Nimmst du Nahrungsergänzungsmittel zu dir?

Ich supplementiere jetzt erstmals Vitamin B12. In der Schwangerschaft will ich eine sichere Versorgung garantiert haben. Jod beziehe ich aus einem natürlichen Meersalz mit Meeresalgen, das ich zum Kochen verwende. Ausserdem nehme ich Omega-Fettsäuren aus Algen zu mir.

Verunsichern dich Storys, die man über Veganismus und Schwangerschaft hört – etwa, dass es Entwicklungsverzögerungen oder Missbildungen bei den Kindern geben kann?

Überhaupt nicht. Dass die Gesellschaft kritisch gegenüber veganer Ernährung eingestellt ist, ist für mich nichts Neues. Es braucht noch mehr Aufklärung auf dem Gebiet. Und dazu will ich auch beitragen.

Anja Zeidler zeigt ihren Babybauch

Die Influencerin ist im fünften Monat schwanger.
(Video: 20 Minuten/Instagram/Wibbitz)

Anja Zeidler zeigt ihren wachsenden Babybauch. (Video: Instagram/Wibbitz/20 Minuten)

Was sagt deine Frauenärztin?

Ich habe schon Extratests, die von der Kasse nicht übernommen werden, durchführen lassen und habe Stand jetzt exzellente Ergebnisse betreffend der Gesundheit unseres Kindes. Meine Frauenärztin ist mit den Untersuchungen mehr als zufrieden.

Das heisst, euer Kind entwickelt sich so weit bestens?

Das Baby ist quietschfidel. Und übrigens sehr aktiv in meinem Bauch! Im letzten Ultraschall haben wir es in einer Art Yoga-Pose gesehen.

Hast du mit deinem Freund Milan, der Fleisch isst, schon darüber geredet, ob euer Nachwuchs vegan aufwachsen soll?

Solange das Baby nicht selbst zu Essen greifen kann, wird es hauptsächlich von mir gefüttert. Im Fleisch hat es neben Protein und Eisen aber auch tierische Fette, Cholesterin, Hormone und nicht selten Antibiotika. Ich sehe nicht ein, wieso ich meinem Kind diese ungesunden Stoffe zufüttern soll – wenn ich Protein und Eisen auch aus pflanzlichen, natürlichen Quellen wie Hülsenfrüchten, dunkelgrünem Blattgemüse, Nüssen und Samen beziehen kann.

Also wird es ein Veganer-Kind.

Eines steht fest: Ich werde mein Kind, sobald es beim Essen selbst entscheiden kann, zu nichts zwingen.

Das heisst?

Wenn die Zeit reif ist, soll es selbst entscheiden dürfen. Und es darf auch schon vorher auf Kindergeburtstagen gerne mal nicht veganen Kuchen mitessen. Die Menge machts. Für zu Hause wird von mir aber die vegane Variante eingekauft.

Das sagt die Ärztin

«Grundsätzlich wird aus medizinischer Sicht von einer veganen Ernährung in der Schwangerschaft abgeraten», sagt PD Dr. med. Katharina Quack Lötscher von der Geburtshilfe des Unispitals Zürich. Wenn Schwangere dennoch daran festhalten, empfiehlt die Expertin «dringend zu einer sorgfältigen medizinischen Betreuung mit einer professionellen Ernährungsberatung».

Denn gerade die Nährstoffzufuhr ist für die Entwicklung des ungeborenen Kindes und für die Mutter während der Schwangerschaft entscheidend.

Veganerinnen müssten darauf achten, genug Proteine und Kalorien zu sich zu nehmen, so Quack Lötscher. In den allermeisten Fällen müssen Supplemente für Mineralstoffe und Vitamine eingesetzt werden. «Für Vitamin B12, Eisen, Jod, Kalzium und Vitamin D liegen gute Daten vor, dass bei einer Unterversorgung Probleme während der Schwangerschaft und/oder im späteren Leben von Mutter und Kind auftreten können.»

Das sagt die Hebamme

Katherina Albert, Hebamme MSc Midwifery, stuft eine Schwangerschaft in Kombination mit Veganismus unbedenklich ein. Doch: «Fundierte Kenntnisse betreffend eine ausgewogene Ernährung und die Supplementierung von Vitamin B12 sind unabdinglich. Lein- oder Hanföl bieten eine hochwertige und wichtige Quelle für Omega-3-Fettsäuren», so Albert.

Wer sich ausgewogen vegan ernähre, könne alle wichtigen Stoffe aufnehmen. «Eine vegane Ernährung ist daher für jede Lebensphase inklusive Schwangerschaft und Stillzeit bestens geeignet.»

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