Auf Teneriffa vom Vater entführt - Anna (1) und Olivia (6) sind verschwunden – Spur führt nach Afrika
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Auf Teneriffa vom Vater entführtAnna (1) und Olivia (6) sind verschwunden – Spur führt nach Afrika

Die spanische Polizei sucht fieberhaft nach zwei kleinen Mädchen, die von ihrem Vater entführt wurden. Derzeit stehen zwei Thesen im Vordergrund.

von
Karin Leuthold
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Die kleine Anna sitzt auf dem Schoss ihrer älteren Schwester Olivia: Beide Mädchen sind seit dem 27. April 2021 auf der spanischen Insel Teneriffa verschwunden.

Die kleine Anna sitzt auf dem Schoss ihrer älteren Schwester Olivia: Beide Mädchen sind seit dem 27. April 2021 auf der spanischen Insel Teneriffa verschwunden.

Bild SOS Desaparecidos
Ihr Vater Tomás Gimeno gilt als mutmasslicher Entführer. Er ist zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

Ihr Vater Tomás Gimeno gilt als mutmasslicher Entführer. Er ist zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

Bild SOS Desaparecidos
Der Vater hatte den Nachmittag mit seinen Töchtern in der Familienfinca in der Ortschaft Candelaria verbracht. Am Abend brachte er sie aber nicht wie vereinbart zur Mutter zurück.

Der Vater hatte den Nachmittag mit seinen Töchtern in der Familienfinca in der Ortschaft Candelaria verbracht. Am Abend brachte er sie aber nicht wie vereinbart zur Mutter zurück.

Screenshot La Vanguardia

Darum gehts

  • Seit einer Woche fehlt von Anna (1) und Olivia (6) jede Spur.

  • Auch der Vater Tomás Gimeno (37) ist verschwunden.

  • Er ist zur internationalen Fahndung ausgeschrieben, denn alles deutet darauf hin, dass er seine Töchter kidnappte und mit ihnen nach Afrika gereist sein könnte.

Als ihre Töchter am letzten Dienstagabend nicht zurückkamen, hatte Beatriz Zimmermann aus Teneriffa sofort ein ungutes Gefühl. Anna (1) und Olivia (6) hatten den Nachmittag bei ihrem Vater verbracht so wie das bei der Trennung abgemacht worden war. Doch es war 21 Uhr und Tomás Antonio Gimeno (37) hatte sich nicht gemeldet. Ihr Instinkt hatte recht: Wenig später erhielt Beatriz Z. doch noch eine Nachricht von ihrem Ex: «Du wirst die Mädchen nie wieder sehen. Weder sie noch mich.» Seither fehlt vom Vater und den Kindern jede Spur.

Die Mutter erstattete Anzeige bei der Guardia Civil, die als erstes nach Candelaria fuhr, zur Finca des mutmasslichen Entführers. Die Gimenos sind eine wohlhabende Familie auf der spanischen Insel. Tomás Gimeno wird allerdings von Nachbarn als «ein schwieriger Typ» beschrieben, mit dem sie oft Konflikt hatten, wie sie «La Vanguardia» erzählten. Als die Beamten niemand zuhause antrafen, gingen sie zum Hafen: Gimeno ist ein leidenschaftlicher Segler. Sein Schiff war aber weg.

Er lud mehrere «Gepäckstücke» auf sein Schiff

Bilder einer Überwachungskamera zeigen, dass er gegen 21.30 Uhr seinen Audi A3 beim Parkplatz abstellte und drei «Gepäckstücke» sowie mehrere Koffer in das Schiff lud und dann abreiste. Auf den Aufnahmen sind die Mädchen allerdings nicht zu sehen. Um 23.30 Uhr kehrte der Vater zurück, fuhr mit seinem Wagen zur nächsten Tankstelle, um einen Akku für sein Handy zu kaufen. Dabei traf er auf eine Patrouille der Polizei, die ihn aufmerksam machte, dass er die Ausgangssperre missachte. Tomás Gimeno wirkte «nervös und angespannt», sagten später die befragten Polizisten.

Der Vater kehrte zum Hafen zurück, liess sein Handy im Büro des Nachtwächters aufladen und reiste schliesslich um 00.30 Uhr mit seinem Schiff ab. Gegen zwei Uhr verschickte er mehrere Whatsapp-Nachrichten an Familie und Freunde. Sie lesen sich wie Abschiedsnachrichten, der 37-Jährige gab zu verstehen, dass er sich das Leben nehmen wird. Die Guardia Civil schrieb Tomás Antonio Gimeno inzwischen zur internationalen Fahndung aus.

Am Tag vor der Abreise hob er 70’000 Euro ab

Am vergangenen Mittwochnachmittag entdeckte die Küstenwache das verlassene Schiff des Vaters im Meer, etwa sechs Kilometer von der Küste bei der Ortschaft Güímar entfernt. An Bord befand sich niemand, die Polizei fand aber Blutspuren auf dem Schiff und den Autositz der sechsjährigen Olivia im Wasser.

Die Ermittler haben nun zwei Thesen in diesem mysteriösen Fall: Tomás Gimeno könnte seine Kinder über Bord geworfen haben und sich dann das Leben genommen haben oder auf ein anderes Schiff gewechselt haben. Letztere These wird dadurch gestützt, dass der Mann am Tag vor seiner Abreise 70'000 Euro aus seinem Bankkonto abgehoben hatte, wie die Zeitung «ABC» berichtet.

«Wir vermuten, dass der Vater auf hoher See in ein anderes Schiff umgestiegen ist und nach Afrika segelte. Vielleicht hat er vor, von dort aus bis zu einem weiteren Kontinent zu reisen», sagt Joaquín Amills von der Organisation «SOS Desaparecidos» zum Portal 20 Minutos. Die Hilfe von Komplizen schliesst er nicht aus. Denn wer sein Handy aufladen lasse, habe nicht die Absicht, sein Leben zu beenden, glaubt Amills.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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