Aktualisiert 24.02.2020 12:05

Corona-Epidemie in ItalienAnna sitzt im abgesperrten Codogno fest

Aus dem abgeriegelten Codogno in Italien berichtet eine junge Frau von der «schlimmen Situation». Doch die Bewohner verhielten sich vorbildlich.

von
Filippo Zanoli
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Anna ist in Codogno eingeschlossen.

Anna ist in Codogno eingeschlossen.

Tio.ch
Wie ihr ergeht es zurzeit 16'000 weiteren Bewohnern.

Wie ihr ergeht es zurzeit 16'000 weiteren Bewohnern.

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Geschäfte seien am Sonntag geschlossen gewesen, berichtet sie.

Geschäfte seien am Sonntag geschlossen gewesen, berichtet sie.

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Ein anscheinend normaler Sonntag, gleich wie alle anderen. Anna* nimmt das Auto, um zum Einkaufen zu fahren. Die Strassen sind halbleer, es sind kaum Passanten unterwegs. Die wenigen, die unterwegs sind, haben eine Atemschutzmaske an.

Sie kommt zu einem Supermarkt, aber der ist geschlossen. Davor stehen zwei Autos der Carabinieri. «Ich war besorgt, habe aber nicht angehalten. Ich habe das Auto gewendet und bin zurückgefahren», erzählt uns die junge Frau aus Codogno. Sie ist wie die anderen 16'000 Einwohner von den Behörden «festgesetzt» worden.

Im Kontakt per Whatsapp und Facebook

«Ich habe gehört, dass in Castel Pusterlengo noch irgendetwas offen ist, aber ich wollte nicht bis dorthin fahren», erklärt sie weiter. Die Einwohner von Codogno stehen in engem Kontakt über Whatsapp und Facebook: Es ist ein ständiges Hin und Her von Nachrichten, Links zu Artikeln und Zeugnissen aus erster Hand.

Eine Meldung bestätigt, dass Codogno ab Sonntagnachmittag isoliert wurde. Dasselbe heisst es auch von den anderen Kommunen, die bereits unter Quarantäne stehen. «Wer drin ist, bleibt drin, und wer draussen ist, bleibt draussen.» Sie erzählt: «Wie hätten wir überhaupt den Einkauf machen sollen? Ich habe Glück, dass mir nicht das Wasser bis zum Hals steht und ich noch ein paar Vorräte im Haus habe. Es ist besser, nach Hause zu gehen.»

Am Montag sollen die Supermärkte eigentlich wieder aufmachen. «Man soll normal einkaufen können.» Normal, soweit das möglich ist. «Uns wurde gesagt, dass wir Menschenansammlungen meiden sollen. Auf dem Heimweg wollte ich noch zur Apotheke, aber da war eine so lange Schlange, dass ich weitergefahren bin.»

«Es ist eine schlimme Situation»

Nach Hause, wo Anna laut den Behörden die nächsten 14 Tage bleiben soll. Wer eigentlich zur Arbeit müsste, wird automatisch, ohne ärztliches Attest, krankgeschrieben.

«Ich arbeite in Lodi und werde zwei Wochen nicht ins Büro gehen können. Das ist eine wirklich schlimme Situation für mich», erzählt sie uns niedergeschmettert. «In einer Stadt zu leben, in der man nicht hinausdarf, ist man sehr eingeschränkt und hat ständig Angst, krank zu werden. Das Coronavirus ist, nach dem, was erzählt wird, keine Lappalie. Einige sagen, das sei wie eine Grippe. Das stimmt aber nicht. Vor allem für die, die schon gesundheitliche Probleme haben.»

Vorbildliches Verhalten

Für alle, die glauben, dass sie krank sind, gibt es klare Anweisungen: «Du musst die 112 anrufen, dann wird ein Test gemacht. Wenn der positiv ist, nehmen sie dich mit und liefern dich ins Krankenhaus ein.» Und die berühmten Atemmasken? «Wir sind angewiesen, sie zu tragen, aber man findet keine mehr. Glücklicherweise haben einige von uns noch welche von ausserhalb besorgen können.»

Obwohl die Angst und der Stress gross sind, verhalten die Codognesi sich vorbildhaft. «Alle halten sich an die Anweisungen der Behörden, es gibt sehr viel gegenseitiges Verständnis und Solidarität. Das ist sehr schön. Wir sind auf niemanden wütend», sagt sie mit Blick auf den 38-Jährigen, der das Virus nach Codogno gebracht hat. «Das hätte jedem passieren können. Im Gegenteil, wir machen uns Sorgen und hoffen, dass es ihm bald wieder gut geht.»

*Name der Redaktion bekannt

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