Aktualisiert 19.12.2006 23:12

Annan kritisiert zum Abschied die Bush-Politik

Mit Kritik an den USA hat sich UNO- Generalsekretär Kofi Annan aus dem Amt verabschiedet. Der «schlimmste Moment» seiner zehnjährigen Amtszeit sei der Irak- Krieg gewesen, sagte Annan.

Ein weiterer «schmerzhafter Moment» sei der Bombenanschlag auf die UNO-Mission in Bagdad gewesen, bei dem im Sommer 2003 insgesamt 22 Menschen starben. Dies erklärte Annan auf seiner letzten Medienkonferenz als UNO-Generalsekretär.

Er riet den USA dringend von einem militärischen Vorgehen gegen den Iran nach Vorbild des Irak-Kriegs ab. Dies wäre «katastrophal», sagte Annan. Der Streit um Irans Nuklearprogramm sei nur «auf dem Verhandlungsweg» zu lösen.

Als weitere negative Erinnerung an seine Amtszeit nannte Annan den Korruptionsskandal um das Irak-Programm «Öl gegen Lebensmittel». Er hoffe aber, dass der Skandal nicht die Errungenschaften der UNO etwa beim Schutz der Menschenrechte in den Schatten stelle, sagte der scheidende Generalsekretär.

Abgekühltes Verhältnis

Der aus Ghana stammende UNO-Diplomat Annan hatte sein Amt 1997 mit klarer Rückendeckung der USA angetreten. Das Verhältnis zwischen dem Generalsekretär und der Weltmacht verschlechterte sich in den vergangenen Jahren deutlich.

Vor allem Annans unablässige Kritik am Irak-Einsatz hatte die Beziehungen abkühlen lassen. Auch in Bezug auf den Umgang der USA mit Terrorverdächtigen und die geplante Reform der Weltorganisation bestanden deutliche Meinungsunterschiede.

Annan wird sein Amt offiziell zum Jahreswechsel abgeben. Er versprach am Dienstag, auch in Zukunft weiter gegen Armut, Menschenrechtsverstösse und die globale Erwärmung zu kämpfen.

Leben in Genf

Wenige Tage vor der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Ban Ki Moon erklärte Annan: «Ich gebe nicht einfach alles auf, nur weil ich ausscheide». Fragen zu seiner beruflichen Zukunft war der 68- jährige Spitzendiplomat aus Ghana bisher ausgewichen.

Erst einmal wolle er mit seiner Frau Nane «in den Untergrund gehen», hatte Annan über seinen Sprecher ausrichten lassen. Ob er sich danach weiter für die UNO einsetzen oder andere Organisationen unterstützen wird, habe er noch nicht entschieden. Ab 2007 wird das Ehepaar Annan in Genf leben. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.