Annan verabschiedet sich mit mahnenden Worten
Aktualisiert

Annan verabschiedet sich mit mahnenden Worten

Mit einem bewegenden Bekenntnis zu den Vereinten Nationen als der «einzigen Antwort auf eine gespaltene Welt» hat sich UNO-Generalsekretär Kofi Annan ein letztes Mal an die politische Spitze der Völkergemeinschaft gewandt.

Bei der Eröffnung der diesjährigen Generaldebatte der UNO- Vollversammlung in New York lobte der scheidende UNO-Chef am die «beachtlichen Erfolge» der Weltorganisation in den zehn Jahren seiner Amtszeit.

Gleichzeitig räumte er ein, dass die Vereinten Nationen bei den drei grössten Herausforderungen an die Welt, der globalen Sicherheit, wirtschaftlichen Entwicklung und Achtung der Menschenrechte in aller Welt, bisher keine Fortschritte erzielen konnten.

Grösste Herausforderung

Annan bezeichnete den Nahost-Konflikt als eine der grössten Herausforderungen für die internationale Sicherheit. «Kein anderer Konflikt ist derart stark symbolisch und emotional aufgeladen selbst für Menschen weitab des Schlachtfeldes», sagte Annan vor fast neunzig Staats- und Regierungschefs.

Auch die Bemühungen zur Lösung anderer Konflikte wie im Irak und in Afghanistan würden durch den schwelenden Nahost-Konflikt beeinträchtigt, sagte Annan weiter.

Frankreichs Staatschef Jacques Chirac sprach sich für eine neue Nahost-Konferenz nach dem Vorbild der Madrider Friedenskonferenz von 1991 aus. Er forderte in seiner Rede das so genannte Nahost- Quartett, bestehend aus EU, den USA, der UNO und Russland, auf, unverzüglich mit den Vorbereitungen für eine derartige Konferenz zu beginnen.

US-Präsident George Bush rief zu einer Demokratisierung des Nahen Ostens auf. In der Region beginne eine «glänzende Zukunft» Fuss zu fassen, sagte Bush in der Generaldebatte als erster Redner nach Annan.

Dialog mit Iran

Im Atomstreit mit dem Iran forderte Bush Teheran auf, das Streben nach Atomwaffen aufzugeben. Er bezeichnete die Führung des Landes als grösstes Hindernis auf dem Weg der iranischen Bevölkerung zu einer besseren Zukunft. Zugleich versicherte Bush, die USA strebten weiter eine diplomatische Lösung an.

Auch Chirac wiederholte in seiner Rede, dass dem Dialog mit Teheran der Vorzug zu geben sei. Am Vortag hatte Chirac als erster hochrangiger europäischer Vertreter die von den USA geforderten UNO- Sanktionen gegen den Iran zum jetzigen Zeitpunkt ausdrücklich abgelehnt.

Lob für Annan

Bush bedachte den auf Ende Jahr aus dem Amt scheidenden UNO- Generalsekretär Kofi Annan trotz aller Differenzen mit höchstem Lob. Bei einem Mittagessen der politischen Spitzengäste am Rande der Generaldebatte rief Bush die Teilnehmenden auf, ihr Glas zu erheben auf Annan, der zehn Jahre einen «exzellenten Dienst» an der Spitze der Staatengemeinschaft geleistet habe.

Auch Bundespräsident Moritz Leuenberger fand lobende Worte für Annan. In seiner «inhaltlich fantastischen Rede» habe Annan auch die Anliegen der Schweiz auf den Punkt gebracht, was die Herausforderungen der heutigen Zeit betreffe. Diese müssten global von allen gemeinsam bewältigt werden, sagte Leuenberger der SDA.

Kein Land könne globale Herausforderungen wie Terrorismus, Drogenhandel, Abwanderung von Arbeitsplätzen oder Umweltkatastrophen alleine bewältigen, unterstrich Leuenberger in seiner Rede vor der Vollversammlung. Er plädierte für eine starke UNO, in der sich alle Staaten an die Regeln halten.

(sda)

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