Aktualisiert 07.09.2015 14:56

Mailflut nach Sexskandal

Anonymer Hater terrorisiert Spiess-Hegglin

Die Grüne Partei Zug erhält Nachrichten mit gefälschtem Absender, in denen Jolanda Spiess-Hegglin aufs Übelste beleidigt wird. Gegen den Urheber wird ermittelt.

von
mme
1 / 6
Das Zuger Kantonsgericht befindet, dass der «Blick» die Persönlichkeitsrechte von Jolanda Spiess-Hegglin verletzt hat.

Das Zuger Kantonsgericht befindet, dass der «Blick» die Persönlichkeitsrechte von Jolanda Spiess-Hegglin verletzt hat.

zVg
Der «Blick» gehört zu Ringier AG. Dort kann man das Urteil nicht verstehen.

Der «Blick» gehört zu Ringier AG. Dort kann man das Urteil nicht verstehen.

Keystone/Walter Bieri
Am 18. Dezember 2014 sollen Spiess-Hegglin und SVP-Kantonalpräsident Markus Hürlimann an einer Feier Sex gehabt haben.

Am 18. Dezember 2014 sollen Spiess-Hegglin und SVP-Kantonalpräsident Markus Hürlimann an einer Feier Sex gehabt haben.

zVg

Die ersten Hass-Mails kamen kurz nach der ominösen Dezembernacht in der Zuger Schiff-Bar. Seither gehen via Online-Kontaktformular bei der Grünen Partei Zug immer wieder Hass-Mails ein, in denen Jolanda Spiess-Hegglin obszön beschimpft wird. Gelesen werden können diese Nachrichten von der Parteispitze, also auch von Co-Präsidentin Spiess-Hegglin.

«Werden nicht ruhn, bis Spiess abgetreten ist»

Letzten Mittwoch haben die Grünen wieder Post erhalten. Im Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, wird Spiess-Hegglin sexuell übel verunglimpft. In einem anderen Mail schrieb der Täter: «Wir werden nicht ruhn, bis Frau Jolanda Spiess-Hegglin abgetreten ist und sich von der politischen Bühne verabschiedet.»

Gezeichnet sind die Mails laut Spiess-Hegglin mit fiktiven Adressen oder in einigen Fällen von Personen, welche es im Kanton Zug tatsächlich gibt. Manche davon kenne sie persönlich. Schnell habe sich jedoch herausgestellt, dass nicht diese Personen selbst die Nachrichten verschickt haben, sondern dass ihre Namen widerrechtlich von einem unbekannten Täter benutzt wurden.

«Man will die Partei gegen mich aufbringen»

Dabei ging der Mail-Fälscher perfid vor: «Die Mails wurden im Namen von Personen aus vielen Gemeinden des ganzen Kantons verfasst. Es sollte so aussehen, als sei ganz Zug gegen mich», sagt Spiess-Hegglin. «Man will mich natürlich persönlich beleidigen, aber vor allem unsere Partei destabilisieren und gegen mich aufbringen. Die Parteileitung sollte wohl glauben, ich sei nicht mehr tragbar.»

Die Mails hat Jolanda Spiess-Hegglin archiviert und der Zuger Staatsanwaltschaft übergeben. Ein Anwalt, in dessen Namen ebenfalls ein Hass-Mail an sie verschickt worden sei, habe Anzeige gegen unbekannt eingereicht. Weiter sagt Spiess, dass IT-Ermittler der Behörden inzwischen herausgefunden hätten, wer die Mails unter falschem Namen verschickte.

Behörden bestätigen die Ermittlung

Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, bestätigt entsprechende Ermittlungen. «Es läuft eine Untersuchung, die Täterschaft wurde aber noch nicht verhaftet.» Allenfalls liege hier der Tatbestand der Urkundenfälschung vor. Spiess-Hegglin ihrerseits kündigt an, ebenfalls Anzeige erstatten zu wollen.

Damit sind im Zuger Sex-Skandal nun mehrere Verfahren im Gange. Im wichtigsten geht es darum, ob die sexuelle Integrität von Spiess-Hegglin in der Schiff-Bar verletzt wurde. Sie geht nach wie vor davon aus, dass in der fraglichen Nacht K.-o.-Tropfen im Spiel gewesen sind.

Das zweite Verfahren hatte Markus Hürlimann (Ex-SVP-Präsident) angestrebt: Er zeigte Spiess-Hegglin wegen übler Nachrede und Verleumdung an. Auch diese Angelegenheit ist noch hängig.

Fehler gefunden?Jetzt melden.