«Butterfly Effect»: Anonymer verschenkt Hunderternötli auf Zug-WC

Aktualisiert

«Butterfly Effect»Anonymer verschenkt Hunderternötli auf Zug-WC

Eine Leserin findet einen Brief und 100 Franken im Zug. Unterschrieben ist mit «Butterfly Effect». Die Idee eines unheilbar kranken Amerikaners hat die Schweiz erreicht.

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Auf dem Ablagebrett in der Zug-Toilette lagen dieser blaue Zettel und eine Hunderternote.

Auf dem Ablagebrett in der Zug-Toilette lagen dieser blaue Zettel und eine Hunderternote.

Leser-Reporter/Sara

Als Leserin Sara Mutzner am Samstag im Zug von Sargans nach Rorschach unterwegs war und zur Toilette ging, traute sie ihren Augen nicht. Auf dem Ablagebrett lag ein blauer Zettel, auf dem in Englisch stand: «Hallo, wenn du es brauchst, dann nimm es und teile es mit Menschen, die du liebst. Denk daran: Nichts ist wertvoller als das Leben.» Unterschrieben war der Brief mit «Butterfly Effect». Darunter lag eine Hunderternote.

«Ich musste zweimal hinschauen. Zuerst konnte ich nicht glauben, was ich da sah», sagt die 20-jährige Churerin zu 20 Minuten. Der Zettel habe direkt neben dem Lavabo gelegen. «Ich habe ihn durchgelesen und dachte: ‹Wer macht so etwas?›» 100 Franken seien schliesslich nicht nichts.

«Ich glaube, das war jemand, der verstanden hat, dass Geld allein nicht glücklich macht», sagt Mutzner. Sie selbst habe es nicht gebraucht und deswegen liegen lassen. Sie hoffe sehr, jemand habe es mitgenommen, der es wirklich nötig hatte.

Güte verbreiten

Der «Butterfly Effect» hat offenbar auch die Schweiz erreicht. Hinter dem Ausdruck steckt ursprünglich die Theorie, dass ein Schmetterling auf einer Seite der Welt mit seinen Flügeln schlägt und damit auf der anderen Seite der Welt einen Wirbelsturm auslöst. Nur geht es hierbei darum, dass jemand mit einer guten Tat weitere gute Taten bewirkt.

Die Idee stammt ursprünglich von Chris Rosati. Beim Amerikaner wurde 2011 die unheilbare Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose diagnostiziert. Seither versucht er, in der wenigen Zeit, die ihm noch bleibt, Güte zu verbreiten.

Afrikanische Dorfbewohner bedanken sich

Er testete sein Projekt zunächst in einem Restaurant in Durham und drückte zwei Mädchen je 50 Dollar in die Hand. Kurze Zeit später erhielt er ein E-Mail mit Bildern von Menschen, die in einem afrikanischen Dorf Schilder hochhielten, auf denen stand: «Chris Rosati, vielen Dank für das Verbreiten von Güte.»

Die beiden Mädchen sagten, sie hätten es kaum fassen können, als ein Fremder ihnen einfach je 50 Dollar geschenkt habe. «Wir wollten damit etwas Gutes tun», sagt die 10-jährige Anna zu cbsnews.com. Das Dorf in Sierra Leone kannten sie bereits, weil ihr Vater dort einst gearbeitet hatte. Mit den 100 Dollar spendierten sie den Bewohnern ein Fest, damit sie ihren Sieg über die Ebola-Krankheit feiern konnten.

«Wie blöd bist du eigentlich?»

«Ich wusste nichts vom ‹Butterfly Effect›», sagt Sara Mutzner. Die Idee gefalle ihr aber sehr. Vor allem, wenn es wirklich eine Kettenreaktion auslöse, in der immer weiter Gutes getan werde. Einige ihrer Freunde hätten sie auch gelobt für ihre Grosszügigkeit, das Geld im WC zu lassen. «Andere fragten natürlich: ‹Wie blöd bist du eigentlich?›» Sie bereue es aber nicht, auf die 100 Franken verzichtet zu haben. Sie sagt: «Irgendjemand wird etwas Gutes damit tun, davon bin ich überzeugt.»

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