Aktualisiert 05.04.2013 11:11

Hacker-AttackeAnonymous macht Kim zur Sau

Internet-Aktivisten attackieren Nordkoreas Regierung und verunglimpfen den Diktator. Und die Hacker wollen keine Ruhe geben, bis Kim Jong-Un zurücktritt.

von
dsc
Anonymous-Aktivisten aus Südkorea (Logo) und anderen Ländern legen sich mit Diktator Kim Jong-Un an. (Screenshot flickr)

Anonymous-Aktivisten aus Südkorea (Logo) und anderen Ländern legen sich mit Diktator Kim Jong-Un an. (Screenshot flickr)

Anonymous hat eine neue Operation zur Befreiung Nordkoreas gestartet: #OpNorthKorea. In einer beim anonymen Text-Dienst Pastebin.com veröffentlichten Mitteilung stellen die Internet-Aktivisten weitreichende Forderungen.

Das Land solle sein Atomwaffenprogramm und die damit verbundenen Drohungen einstellen. Ausserdem müsse Diktator Kim Jong-Un sofort zurücktreten. Nordkorea solle eine freie direkte Demokratie werden - also quasi das politische System der Schweiz einführen. Schliesslich wird auch noch eine der Grundforderungen von Anonymous geäussert: Die Bürger des kommunistischen Landes sollten freien und unzensierten Zugang zum Internet erhalten.

Dass Nordkorea die halbe Welt mit seinen Atomraketen bedrohe, sei nicht hinnehmbar. Anonymous halte nun mit einer eigenen Machtdemonstration dagegen. Die unbekannten Hacker behaupten, sie seien mit lokaler Unterstützung in diverse staatliche Netzwerke eingedrungen und hätten Daten entwendet. «Zuerst löschen wir eure Daten, dann löschen wir eure miese diktatorische Regierung aus.»

Webseiten verunstaltet

An dieser Stelle ist anzumerken, dass viele nordkoreanische Webseiten von China aus betrieben werden, die eigene Infrastruktur gilt als marode. Ob Anonymous tatsächlich auf Hilfe vor Ort zurückgreifen kann, ist fraglich.

Angeblich ist es den Hackern gelungen, die für Propagandazwecke benutzte Internet-Plattform www.uriminzokkiri.com zu knacken. Als Beweis für den Datendiebstahl wurden E-Mail-Adressen und Passwörter von Internet-Nutzern veröffentlicht. Anonymous bezeichnet die Veröffentlichung als Kollateralschaden. Auch andere staatlich kontrollierte Webseiten seien am Wochenende lahmgelegt worden. Zudem wurden die offiziellen Twitter- und Flickr-Profile gehackt und provozierende Mitteilungen veröffentlicht, wie der US-Blog The Next Web berichtet.

Porno- und Katzenbilder

Sollte Diktator Kim Jong-Un nicht einlenken, würden weitere, massivere Angriffe gegen die abgeschottete Internet-Infrastruktur geführt. Dies wurde über das Twitter-Profil @Anonsj angekündigt. Um das erfolgreiche Eindringen in die geschützten Netzwerke zu beweisen, wollen die Aktivisten Porno- und Katzenbilder einschleusen.

Die nordkoreanische Bevölkerung wird aufgefordert, aktiv zu werden und sich gegen das Regime aufzulehnen. In der Anonymous-Mitteilung heisst es: «Habt keine Angst vor uns, wir sind keine Terroristen, sondern die guten Jungs aus dem Internet.»

Staatliche Hacker

Bei ihrem Kampf gegen das Regime müssen die Aktivsten auch gegen die Hackerarmee von Kim Jong-Un mit angeblich mehreren tausend Mitgliedern antreten. Zudem sind die Internet-Verbindungen langsam und instabil, was Angriffsversuche erschwert.

Nordkorea steht selbst im Verdacht, Attacken auf den Nachbarstaat Südkorea auszuüben. So wurden im vergangenen März mehrere Websites von Banken, Behörden und Medien angegriffen.

Unter dem Anonymous-Label haben sich Aktivisten in der Vergangenheit immer wieder gegen diktatorische Staaten gewendet. So wurden der arabische Frühling von massiven Hackerangriffen begleitet und auch im Syrien-Konflikt hat Anonymous Partei für die Aufständischen ergriffen. Bei den Angriffen auf staatliche Stellen kommt jeweils auch die populärste Waffe zum Einsatz: Bei DDoS-Attacken werden Server durch viele gleichzeitige Aufrufe in die Knie gezwungen.

Diktator mit Schweineohren

Hacker haben offenbar die offiziellen Kanäle der nordkoreanischen Führung in mehreren sozialen Netzwerken geknackt. Vier Kurzmitteilungen mit dem Wort «gehackt» wurden am Donnerstag über das Twitter-Konto der Regierung, @uriminzok, veröffentlicht. Ein fünfter Tweet lautete «Tango Down», was im Militärjargon für die Ausschaltung eines Feindes steht.

Ein Link führte schliesslich weiter auf die Regierungsseite beim Bilderdienst Flickr. Auch dort hatten sich Hacker offenbar Zugang verschafft: Auf der Seite waren Inhalte zu sehen, die stark von dem üblichen Propagandamaterial der Regierung abwichen, unter anderem ein Steckbrief von Staatschef Kim Jong Un, auf dem dessen Gesicht mit Schweineohren und -nase entstellt war. Ein Bild zeigte eine schwarze Fläche auf der in weissen Buchstaben eine Referenz an die Hackergruppe «Anonymous» geschrieben stand.

Nordkorea führt seit 2010 unter dem Namen «uriminzokkiri» offizielle Konten bei Twitter, Flickr und YouTube.

(ap)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.