Terrorgefahr – Anschläge des «Islamischen Staates» innert der nächsten Monate befürchtet

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TerrorgefahrAnschläge des «Islamischen Staates» innert der nächsten Monate befürchtet

Eine ernste Warnung aus dem Pentagon an den US-Kongress: In Afghanistan formiert sich der Terror und erstarken gefährliche Gruppen.

von
Ann Guenter
In den USA geht die Sorge vor Terroranschlägen um: In Afghanistan erstarken der IS-K und auch die al Qiadia nach Abzug der westlichen Truppen (im Bild: das Weisse Haus in Washington).

In den USA geht die Sorge vor Terroranschlägen um: In Afghanistan erstarken der IS-K und auch die al Qiadia nach Abzug der westlichen Truppen (im Bild: das Weisse Haus in Washington).

Reuters

Darum gehts

  • In Afghanistan erstarkt der Zweig der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS-K).

  • Das Pentagon befürchtet Anschläge des IS-K innerhalb der kommenden sechs Monate.

  • Gewarnt wird auch vor einem «möglichen Zusammenwirken der ehemals verfeindeten al Qaida und des IS».

In Afghanistan bekämpfen sich die Taliban und der dortige Zweig des «Islamischen Staates», IS-K. Seit der Machtübernahme der Radikalislamisten und dem Abzug der USA aus dem Land gibt es regelmässig Anschläge und Tote.

In den USA betrachtet man die Entwicklung mit Sorge. Die Befürchtung ist nicht nur, dass Afghanistan – wie in der Vergangenheit mit der al Qaida – zu einem Rückzugsort und zur Hochburg des internationalen Terrors wird. Die US-Geheimdienste sind offenbar auch zur Einschätzung gelangt, dass der IS-K innerhalb von nur sechs Monaten in der Lage sein wird, die Vereinigten Staaten anzugreifen.

Es sei davon auszugehen, dass dies das erklärte Ziel des IS-K sei – anders als die radikalislamischen Taliban, die an internationalen Anschlägen kein Interesse haben, sagte Colin Kahl vor dem US-Kongress. Der hochrangige Politberater erklärte, dass noch nicht klar sei, ob die Taliban den IS-K erfolgreich bekämpfen und in den Griff kriegen würden. Kahl zufolge steht dem IS-K ein Kader von einigen Tausenden Kämpfern zur Verfügung.

Angriffe der Al Qaida als weitere Sorge

Vor dem Kongress warnte der hohe Pentagon-Beamte zudem vor einem Wiedererstarken der al Qaida. «In ein oder zwei Jahren könnte die al-Qaida wieder in der Lage sein, Angriffe ausserhalb Afghanistans gegen die Vereinigten Staaten vorzunehmen». Es gelte, wachsam zu sein.

Nahost- und Terrorexperte Guido Steinberg sieht sogar eine noch grössere Gefahr, die aus Afghanistan droht: «Ein mögliches Zusammenwirken der ehemals verfeindeten al Qaida und des IS». Zusammen mit anderen afghanischen, pakistanischen, usbekischen, tadschikischen und uigurischen Gruppen könnte am Hindukusch ein neues Epizentrum des internationalen Terrorismus entstehen.

Gefahr droht auch aus Syrien

Steinberg warnt: «Insgesamt handelt es sich um zwischen 10’000 und 20’000 Kämpfer, die schon allein numerisch das Potenzial haben, neue starke Organisationen hervorzubringen.»

Das gelte nicht nur für Afghanistan, sondern auch für Syrien, wo der syrische Zweig der al Qaida, die Terrororganisation Haiʾat Tahrir ash-Sham (HTS), der IS und kleinere jihadistische Gruppen zusammen «wahrscheinlich sogar über mehr als 20’000 Kombattanten verfügen, die eines Tages auch wieder im Ausland eingesetzt werden können.»

Auch im Irak hat sich der IS längst zurückgemeldet. Bei einem Terroranschlag nahe der Stadt Al-Mukdadija nordöstlich von Bagdad starben heute, Mittwoch, bei einem Anschlag mindestens elf Menschen. Augenzeugen und Sicherheitskreise sagten, dass IS-Kämpfer schweres Feuer eröffnet und willkürlich auf Häuser gezielt hätten.

Wer ist der IS-K?

Der IS hatte im Jahr 2014 ehemalige Veteranen der berüchtigten pakistanischen Terrorgruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) abgeworben - jene Terrorgruppe, die 2011 in die Entführung eines Schweizer Paars involviert war (der Zürcher Regisseur Michael Steiner hat das Drama verfilmt). Zusammen mit einem ganzen Kontingent aus Mitgliedern weiterer pakistanischer Terrormilizen leisteten sie IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi den Treueschwur.

Ein Jahr später, 2015, kündigte der IS seine Ausdehnung auf die «Region Khorasan» an. Diese umfasst historisch gesehen Teile des heutigen Irans, Zentralasiens, Afghanistans und Pakistans. Der IS-K war so geboren, der zentralasiatische Zweig des «Islamischen Staates». Bis heute soll der IS-K seine Befehle aus den IS-Kernländern Irak und Syrien erhalten. Wer mehr wissen will, kanns hier nachlesen.

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