Aktualisiert

SprengsatzAnschlag auf Bundeswehr in Afghanistan

Einen Tag nach dem von der Bundeswehr angeforderten NATO-Luftangriff in Afghanistan mit bis zu 72 Toten sind bei einem Selbstmordanschlag nahe Kundus sechs Menschen verletzt worden. Der französische Aussenminister Bernard Kouchner kritisierte den Luftangriff vom Freitag als «grossen Fehler».

Kouchner betonte am Samstag in Stockholm, er wolle keine Schuld zuweisen, forderte aber eine gründliche Untersuchung. Der Luftangriff «ist eine der Grausamkeiten des Krieges», sagte Kouchner. EU-Aussenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sprach von einer «grossen Tragödie». Der schwedische Aussenminister Carl Bildt erklärte, das tägliche Sterben in dem Konflikt müsse so stark wie möglich verringert werden.

Der Selbstmordanschlag vom Samstag ereignete sich laut Bundeswehr um 9.55 Uhr Ortszeit fünf Kilometer nordöstlich von Kundus. Der Attentäter habe mit einem Fahrzeug eine deutsche Kolonne angegriffen und einen Sprengsatz ausgelöst. Im nahe gelegenen Bundeswehrstützpunkt sei die Wucht der Explosion zu spüren gewesen, meldete dort ein Journalist der Nachrichtenagentur AP. Ein Fahrzeug wurde beschädigt. Bereits am Freitag war es zu einem Schusswechsel zwischen deutschen Soldaten und Aufständischen gekommen, als ein Untersuchungsteam den Ort des Luftangriffs überprüfte.

Die Bundeswehr hatte die NATO-Luftunterstützung nach einem Taliban-Überfall auf zwei ihrer Tanklastzüge angefordert, um einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr vorzubeugen, wie Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey erklärte. Der Bundeswehr zufolge wurden ausschliesslich 57 Aufständische getötet. Der Gouverneur der betroffenen Region, Mohammed Omar, gab die Zahl der Opfer dagegen mit mindestens 72 an. Etwa 30 von ihnen seien als Aufständische identifiziert worden. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen schloss die Möglichkeit ziviler Opfer nicht aus und kündigte eine gründliche Untersuchung an.

Zehnjähriger wollte Treibstoff abzapfen

Die Aufständischen hatten die beiden Tanklastzüge an einem vorgetäuschten Kontrollpunkt ungefähr sieben Kilometer südwestlich des Bundeswehrstützpunktes gekapert. Der Angriff eines US-Kampfjets erfolgte 40 Minuten später gegen 02.30 Uhr Ortszeit. Bei den zivilen Opfern handelte es sich der afghanischen Polizei zufolge um Personen, die Treibstoff aus den Lastwagen abgezapft haben sollen. Diese Angaben wurden am Samstag von einem verletzten Kind bestätigt.

Er sei entgegen der Anordnung seines Vaters losgezogen, um dort Treibstoff zu sammeln, sagte der zehnjährige Mohammad Schafi, der im Krankenhaus in Kundus behandelt wurde. Er habe dann plötzlich einen lauten Knall gehört und könne sich an nichts mehr weiter erinnern.

Polnischer Soldat getötet

US-General Stanley McChrystal zeigte sich wegen des Luftangriffs besorgt. McChrystal hatte sich bemüht, Einsätze aus der Luft und die Zahl ziviler Opfer zu reduzieren. Der General sprach nach US-Angaben mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai über den tödlichen Vorfall.

Im Osten Afghanistans wurde unterdessen ein polnischer Soldat getötet, wie das Verteidigungsministerium in Warschau am Samstag mitteilte. Fünf weitere wurden verletzt, als unter ihrem Fahrzeug eine Bombe explodierte. Seit März 2002 haben damit elf polnische Soldaten ihr Leben in Afghanistan verloren. (dapd)

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