Sinovac und Sinopharm - Ansteckungen und Tote nach vollständiger Impfung – wirken Chinas Impfstoffe wirklich?
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Sinovac und SinopharmAnsteckungen und Tote nach vollständiger Impfung – wirken Chinas Impfstoffe wirklich?

Millionen Menschen sind mit chinesischen Impfstoffen gegen das Coronavirus geimpft worden. Doch in Asien kommen immer mehr Zweifel an deren Wirksamkeit auf.

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In Thailand und Indonesien erkrankten Hunderte von Angestellten im  Gesundheitswesen erneut an COVID-19, während 32 verstarben – obwohl sie mit einem der beiden Vakzine aus China  vollständig geimpft waren . 

In Thailand und Indonesien erkrankten Hunderte von Angestellten im Gesundheitswesen erneut an COVID-19, während 32 verstarben – obwohl sie mit einem der beiden Vakzine aus China vollständig geimpft waren .

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Thailand erlebt derzeit die bislang heftigste Corona-Welle. Das Gesundheitssystem droht unter dem Druck der täglichen Neuinfektionen zu kollabieren. 

Thailand erlebt derzeit die bislang heftigste Corona-Welle. Das Gesundheitssystem droht unter dem Druck der täglichen Neuinfektionen zu kollabieren.

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Derweil steht Thailands Regierung wegen der Beschaffung von Corona-Impfstoffen in der Kritik.

Derweil steht Thailands Regierung wegen der Beschaffung von Corona-Impfstoffen in der Kritik.

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In Thailand und Indonesien gehören die chinesischen Impfstoffe Sinopharm und Sinovac zu den festen Bestandteilen im Kampf gegen das neue Coronavirus; Millionen wurden damit bereits geimpft. Jetzt aber haben beide Länder angekündigt, in Zukunft andere Impfstoffe zu verwenden.

Thailand setzt dabei auf den Impfstoff von AstraZeneca, der fortan bei der Zweifachimpfung zur Spritze mit Sinovac dazukommt. Mitarbeitende im Gesundheitswesen, die bereits vollständig mit den chinesischen Vakzinen geimpft wurden, sollen sich zum dritten Mal impfen lassen, mit einem anderen Impfstoff, wie die BBC schreibt.

Neuansteckungen und Tote im Gesundheitswesen

In Indonesien sieht es ähnlich aus. Vollständig mit Sinovac oder Sinopharm geimpfte Personen im Gesundheitswesen erhalten zusätzlich das Moderna-Vakzin.

Sobald die Sinovac-Bestände aufgebraucht seien, werde man auf BionTech/Pfizer wechseln, gab auch die Regierung in Kuala Lumpur, Malaysien, bekannt.

Die Massnahmen folgen auf Berichte, wonach Hunderte von Angestellten im thailändischen und indonesischen Gesundheitswesen an COVID-19 erkrankt und 32 sogar verstorben sind – obwohl sie vollständig mit einem der beiden chinesischen Vakzine geimpft waren.

Der indonesische Tourismus-Minister versicherte zwar gegenüber der BBC, dass der Sinovac-Impfstoff «sehr effektiv» sei. Doch dass sowohl Thailand als auch Indonesien jetzt auf einen weiteren, nicht chinesischen Impfstoff setzten, verdeutliche, dass deren Regierungen wegen der Wirksamkeit des chinesischen Vakzins besorgt seien, sagt Dale Fisher von der Weltgesundheitsorganisation WHO der BBC.

Noch gebe es rund um den Fall des erneut erkrankten Pflegepersonals in Thailand und Indonesien zu wenig Informationen, es müssten aber unbedingt Untersuchungen aufgenommen werden, fordert er.

Schlag für Chinas Impfdiplomatie?

Ob es auch in China, wo 630 Millionen eine erste Spritze erhalten haben, unter den vollständig Geimpften zu erneuten Ansteckungen kam, ist unklar. Berichte darüber gibt es BBC zufolge keine. Auch wie viele Chinesen und Chinesinnen mittlerweile die zweite Dose erhalten haben, ist nicht bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass die epidemiologische Lage in China aber grundsätzlich unter Kontrolle ist.

Asien ist der grösste Abnehmer von Chinas Impfstoffen: 30 Länder haben diese entweder eingekauft oder Impfspenden von Peking erhalten. Entsprechend wichtig ist die Region für Pekings Impfdiplomatie.

Chinas Eifer, seine Impfstoffe zu verkaufen oder zu spenden, zeige, wie Peking dass Narrativ um die Pandemie ändern und von der Tatsache ablenken wolle, dass die Ansteckungen zunächst in Wuhan entdeckt wurden. «Daneben will man sich als wissenschaftliche Hochburg präsentieren», sagt China-Experte Ian Chong von der «National University of Singapore».

Die Entscheidungen Thailands und Indonesiens neben den chinesischen auch einen «westlichen» Impfstoff im Kampf gegen das neue Coronavirus zu nehmen, «könnte das Bild des Erfolges durchlöchern und die Seifenblase über die Effektivität chinesischer Impfstoffe platzen lassen, was wiederum die technische Leistungsfähigkeit Chinas in Frage stellt», so Chong.

Misstrauen und anti-chinesische Ressentiments

In Thailand ist die Bevölkerung verunsichert – und verärgert (Bildstrecke). Viele würden der Regierung vorwerfen, sich zu lange auf die chinesischen Vakzine fokussiert zu haben, sagt Arm Tungnirun von der Universität Chulalongkorn. «Die Ablehnung gegenüber Sinovac nimmt zu, viele nehmen an, dass es gegen Corona nicht wirksam ist. Es gibt viel Misstrauen gegenüber der eigenen Regierung, das Impfthema ist enorm politisiert worden.»

Auch in Indonesien wächst der Unmut, während Impfskepsis und Verpolitisierung zunehmen. So schreibt die BBC: «Längst machen religiöse Führer und Verschwörungstheoretiker in den sozialen Medien mobil gegen das Impfen – und verbinden ihre Botschaften mit anti-chinesischen Ressentiments.»

Sinovac und Sinopharm

«Sie retten dennoch viele Leben»

In weltweiten Studien zeigten die inaktivierten Virusimpfstoffe von Sinovac und Sinopharm lediglich eine Schutzwirkung von 50 bis 79 Prozent. Dennoch seien sie hochwirksam, geht es darum, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern, so die BBC. Dass es dennoch unter vollständig Geimpften zu neuen Ansteckungen und sogar zu Todesfällen komme, dürfte mehrere Ursachen haben, meint Epidemiologe Benjamin Cowling von der Universität Hong Kong.

Angefangen damit, dass die Wirkung der beiden chinesischen Impfstoffe zeitlich begrenzt seien. So halbierten sich die Anzahl Antikörper bei zweimal mit Sinovac Geimpften nach 40 Tagen, wie eine thailändische Studie festhält.

Die brüchig erscheinende Wirksamkeit könnte auch auf die ansteckendere Delta-Variante zurückgehen, die in 60 Prozent der jüngsten Fälle in Indonesien und 26 Prozent der Fälle in der thailändischen Hauptstadt Bangkok nachgewiesen wurde.

Vorläufige Studien deuten laut Epidemiologe Cowling darauf hin, dass inaktivierte Virusimpfstoffe wie die von Sinopharm und Sinovac einen um 20 Prozent geringeren Schutz gegen die Delta-Variante bieten könnten als gegen das Originalvirus.

«Kein Impfstoff kann COVID-19-Infektionen vollständig verhindern», so Cowling. Und obwohl die chinesischen Impfstoffe «nicht zu 100 Prozent wirksam sind, retten sie dennoch viele Leben».

(gux)

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