Affäre Thorberg: Anstellungs-Verfahren wird untersucht
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Affäre ThorbergAnstellungs-Verfahren wird untersucht

Die Affäre Thorberg zieht weitere Kreise. Nun wird auch das Verfahren, das 2011 zur Anstellung von Georges Caccivio geführt hatte, unter die Lupe genommen.

Nach der Freistellung von Thorberg-Direktor Georges Caccivio wird nun auch dessen Anstellungsverfahren von einer externen Fachperson überprüft.

Es sei ihm ein Anliegen, dass die Rolle aller Beteiligten umfassend geklärt werde, teilte der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser am Dienstag mit.

Die externe Untersuchung wird von Benjamin Brägger, Lehrbeauftragter für Strafvollzugsrecht an den Universitäten Bern und Lausanne, geleitet.

Brägger wird beauftragt, nicht allein die Führungsfähigkeit der Anstaltsleitung zu überprüfen. Er soll zusätzlich untersuchen, ob das Auswahlverfahren, das 2011 zur Ernennung des Thorberg-Direktors führte, den Ansprüchen genügte.

Mangel an nötiger Distanz zu den Insassen

In der Affäre «Thorberg» jagen sich seit einigen Tagen die Ereignisse. Die Angelegenheit dampfte allerdings schon längere Zeit, wenn auch zunächst hinter verschlossenen Türen. Bereits im vergangenen Spätsommer wurden anonyme Vorwürfe gegenüber dem Anstaltsdirektor laut. Dieser soll gegenüber Insassen nicht die nötige Distanz gewahrt haben.

Zunächst liess Käser die Vorhalte intern untersuchen und stiess «auf gewisse Schwächen», wie er es nannte. Interne Massnahmen sollten Abhilfe schaffen.

Ende Januar drangen die Vorwürfe dann aber an die Öffentlichkeit. Zunächst war die Rede davon, Caccivio sei mit zwei Häftlingen per Du gewesen und habe sie möglicherweise bevorzugt behandelt. Bald war auch die Rede davon, Caccivio habe Kontakte ins Drogensexmilieu gehabt und einen entsprechende Hinweis darauf aus einem Dossier entfernt.

Externe Untersuchung angeordnet

Als Medienschaffende Käser mit ihren Recherchen konfrontierten, ordnete Käser am vergangenen Donnerstag eine externe Untersuchung der Vorwürfe an. In den folgenden Tagen wurden immer neue Vorwürfe publik. So soll Caccivio unter anderem auch einem Insassen, Spross einer Künstlerfamilie, ein Bild abgekauft haben.

Käser stellte sich zunächst hinter Caccivio, am Montag war der Gefängnisdirektor dann nicht mehr zu halten und Käser verfügte die vorübergehende Einstellung im Amt, wie dies im Fachjargon heisst. Caccivio musste also seinen Posten räumen.

Kritik am Auswahlverfahren

Doch damit war die Affäre noch nicht ausgestanden. Unterdessen wurde auch Kritik an Caccivios Anstellungsverfahren laut. Einer, der Zweifel äusserte, war der ehemalige, langjährige Thorberg-Direktor Hans Zoss, der Vorgänger von Caccivio.

Mit Bezug auf das Anstellungsverfahren sagte Zoss am Dienstag in einem Interview der Zeitung «Der Bund»: «Ich hatte damals ein schlechtes Gefühl.»

Im Raum steht der Vorwurf, der für die Anstellung zuständige Chefbeamte, Martin Kraemer, habe Caccivio zwei besser qualifizierten Bewerbern vorgezogen. «Es entsteht nach wie vor der Eindruck, dass dieses Bewerbungsverfahren nicht sauber gelaufen ist», wird Zoss im Interview zitiert.

Chefbeamter im Fokus

Damit geriet nun auch der fürs Anstellungsverfahren zuständige Chef des Amtes für Freiheitsentzug und Betreuung, Martin Kraemer, ins Schussfeld. Die von Käser angeordnete, externe Untersuchung soll jetzt auch das Anstellungsverfahren Caccivios unter die Lupe nehmen.

Georges Caccivio übernahm das Amt des Direktors 2011 von Zoss. Caccivio war vor seiner Ernennung unter anderem sechs Jahre als Stabschef im Amt für Freiheitsentzug und Betreuung tätig.

Die Strafanstalten Thorberg auf einem Felsen hoch über Krauchthal BE verfügen über rund 180 Plätze und dienen dem geschlossenen Vollzug von Strafen und Massnahmen. Rund 120 Mitarbeiter sind auf dem «Thorberg» tätig. (sda)

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