ÖV wireless: Ansturm auf Basler Wifi-Trams

Aktualisiert

ÖV wirelessAnsturm auf Basler Wifi-Trams

Tausende Tramfahrer nutzen bereits den neuen Wifi-Service im Baselbiet. Die Verkehrsbetriebe wollen Internet bald flächendeckend anbieten. Davon können andere Städte nur träumen.

von
Adrian Müller

Auf dem Arbeitsweg die neusten News abrufen, nach dem Einkaufen unterwegs das Konzertticket runterladen: In Trams und Bussen zu surfen wird immer beliebter. Und das Datenvolumen immer grösser. Nun reagieren die Baselland Transporte BLT: Seit dem 9. Februar fahren zehn knallgelbe Tango-Trams als Gratis-Hotspot mit drahtlosem Internet durch das Baselbiet.

Ansturm auf Gratis-Wifi

Der neue Service findet grossen Anklang: «Innert weniger Tage haben sich 4700 Fahrgäste registriert. Das Kundenbedürfnis ist klar vorhanden», frohlockt BLT-Direktor Andreas Büttiker.

Bei den BLT surfen in den Stosszeiten bis 25 Personen gleichzeitig im fahrenden Tram - fast doppelt so viele wie erwartet. Aufgrund der grossen Nachfrage verdoppeln die BLT noch diese Woche die Anzahl Router in den Fahrzeugen. «Die Technik ist günstig, ausgereift und funktioniert einwandfrei», freut sich Büttiker, der auf der Fahrt ins Büro gerne auf seinem Tablet surft.

Es sind gerade die Benutzer der boomenden iPads und Co., welche der BLT-Chef im Visier hat. Dies weil die Tablets oftmals über kein 3G-Modul verfügen, das zum mobilen Surfen notwendig ist. «Mit Wifi bieten wir den Fahrgästen eine klare Komfortsteigerung und einen Mehrwert im Vergleich zum Auto.»

Ehrgeizige Ziele

Mit dem Start des Wifi-Angebotes haben die kleinen BLT die grosse, baselstädische BVB ausgebremst. Dort beginnt im März in einem grünen Combino-«Drämmli» mit einen Pilot-Betrieb das Wifi-Zeitalter. Die Basler haben ehrgeizige Pläne: «Wir wollen das erste städtische ÖV-Unternehmen der Schweiz sein, das flächendeckend Wifi in Tram und Bus anbietet», sagt BVB-Marketingleiter Stefan Schaffner zu 20 Minuten Online. Das Angebot im Dreiländereck richte sich insbesondere an Touristen, Grenzgänger und junge Fahrgäste: «Es gilt, mit attraktiven Zusatzdienstleistungen die Jungen bereits früh für den ÖV zu gewinnen und so von einem späteren Umstieg aufs Auto abzuhalten. Und etwa Touristen von Roaming-Fallen fernzuhalten.»

Zürich winkt ab

Das Tram-Wifi ist für die BLT laut Büttiker kostenneutral: Zusätzliche Werbeflächen in und auf eineinhalb Tango-Trams decken die jährlichen Betriebskosten für alle 19 mit Wifi ausgerüsteten Fahrzeuge. Mittelfristig wollen die BLT auch die älteren Trams mit drahtlosem Internet nachrüsten.

Die beiden Basler Verkehrsbetriebe schlagen punkto Wifi ein forsches Tempo an. Anders sieht es in Bern, Genf und Zürich aus. Dort ist drahtloses Internet im ÖV schlicht «kein Thema».

So funktionierts

Baselbieter Pendler können das Wifi mittels Eingabe eines per SMS angeforderten Codes freischalten. Dann loggen sich die Geräte automatisch ein. Die BLT haben gewisse pornografische und extremistische Webseiten gesperrt und speichern die Surfdaten zwei Wochen lang. Die BLT bieten das Wifi in Zusammenarbeit mit der Firma Livesystems AG an, welche auf Softwarelosungen im offentlichen Verkehr spezialisiert ist.

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