04.04.2020 19:05

Klimawandel

Antarktis war einst warm genug für einen Regenwald

Dass es in der Antarktis keine Eisgletscher, sondern Regenwälder gab, ist nur schwer vorstellbar. Doch genau das soll nun bewiesen worden sein.

von
jil
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Experten sollen herausgefunden haben, dass die Antarktis in der Kreidezeit...

Experten sollen herausgefunden haben, dass die Antarktis in der Kreidezeit...

Keystone/Felipe Trueba
...mit einem Regenwald bedeckt war.

...mit einem Regenwald bedeckt war.

Keystone/Victor R. Caivano
Im Westen der Antarktis wurde gemäss dem «Guardian» in Pflanzenmaterial auf dem Meeresboden ein Beweis gefunden, welcher dies bestätigt.

Im Westen der Antarktis wurde gemäss dem «Guardian» in Pflanzenmaterial auf dem Meeresboden ein Beweis gefunden, welcher dies bestätigt.

Keystone

Während der Kreidezeit, die vor rund 145 Millionen Jahren begann und vor etwa 66 Millionen Jahren endete, war die Antarktis viel wärmer als heute – und zum Teil von Regenwald bedeckt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Mittwoch in der Fachzeitschrift «Nature» publiziert wurde.

Die Forscher der Universitäten Göteborg, Leicester und Dublin entnahmen im Februar und März 2017 für ihre Studie Bohrproben aus dem Schelf des westlichen Teils der Antarktis. Ihr Fazit: Das Pflanzenmaterial, das in den Proben enthalten war, deute darauf hin, dass die Temperaturen zur Kreidezeit höher gewesen sein könnten, als man bisher angenommen hatte.

Forscher sind von These überrascht

CT-Scans des rund 90 Millionen Jahre alten Sedimentkerns zeigten unberührte Proben von Waldboden, Pollen, Sporen und sogar Wurzelsystemen, die so gut erhalten waren, dass die Forscher Zellstrukturen identifizieren konnten. Insgesamt fand das Team Hinweise auf mehr als 65 verschiedene Pflanzenarten.

Sogar die Forscher selbst zeigten sich von ihrer neuen These überrascht. «Wir wussten nicht, dass das Klima während der Kreide so extrem war», sagte Dr. Johann Klages vom Alfred-Wegener-Institut in Deutschland und Mitautor der Studie gegenüber dem «Guardian». «Es zeigt uns, was Kohlendioxid alles kann.»

Untersuchungen für zukünftigen Klimawandel wichtig

Wenn die These der Forscher stimmt, dann betrug die Durchschnittstemperatur in der Kreide etwa 12 bis 13 Grad Celsius. Selbst das Wasser habe die angenehme Temperatur von etwa 20 Grad gehabt. Dass es ein solches Gebiet in unmittelbarer Nähe des Südpols gegeben haben sollte, sei nur unter Gewissen Umständen möglich, sagt ein Forscher. «Die Treibhausgaskonzentration müsste höher gewesen sein als bisher angenommen, und die Landoberfläche hätte mit Vegetation bedeckt sein müssen.»

Dr. James Bendle, ein Experte für organische Geochemie an der Universität von Birmingham, sagte gegenüber dem «Guardian», dass die Untersuchung des antarktischen Ökosystems für das Verständnis des vergangenen und zukünftigen Klimawandels von enormer Bedeutung sei. «Die unverminderte Nutzung fossiler Brennstoffe könnte die Kohlendioxidkonzentration zu Beginn des nächsten Jahrhunderts auf ein Niveau bringen, das dem vor 90 Millionen Jahren ähnelt.»

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