Aktualisiert 23.04.2012 13:47

Virologie

«Anthrax macht im Vergleich keine Angst»

Holländische Forscher haben aus Viren der Vogel- und Schweinegrippe ein Supervirus geschaffen. Nun wird befürchtet, dass dieses als Biowaffe missbraucht wird.

von
Lorenz Hanselmann
Das Vogelgrippe-Virus unter dem Mikroskop. (Keystone)

Das Vogelgrippe-Virus unter dem Mikroskop. (Keystone)

Das Virus von Ron Fouchier ist hochansteckend und tödlich – und könnte Millionen von Menschen dahinraffen. Dies lassen Tests im Labor befürchten. «Dieses Virus wird so leicht übertragen wie gewöhnliche Grippeviren», ­zitiert die FAZ den holländischen Virologen. Er will die Menschheit vorbereiten, falls ein solches Virus in der Natur entsteht: «Wir wissen nun, an welchen Impfstoffen wir forschen müssen.» Experten befürchten aber, dass das Hochrisikovirus vor allem eine Biowaffe ist. «Im Vergleich dazu ist Anthrax überhaupt nicht Angst einflössend», sagt Paul Keim, Vorsitzender des US National Science Advisory Board for Biosecurity (NSABB). Einen schlimmeren Organismus könne er sich nicht vorstellen.

Das NSABB muss nun entscheiden, ob Fouchiers Forschung veröffentlicht werden darf. Dann könnte theoretisch jeder das Virus nachbauen. «Schwierig ist das nicht, wenn man genug Geld, Know-how und ein modernes Labor hat», sagt der Berner Immunologe Beda Stadler. Gemäss Strategieexperte Albert Stahel wären vor allem Staaten am Virus als Biowaffe ­interessiert: «Jedes Land, das ein anderes auslöschen möchte, würde dieses Virus wollen.» Er warnt eindringlich davor, die Forschung zu publizieren. Auch Cédric Invernizzi vom Labor Spiez, dem Schweizerischen Institut für ABC-Schutz, mahnt zur Vorsicht: «Die Forscher müssen sich sehr genau überlegen, was sie wie veröffentlichen, um kein Rezept zu liefern, das Virus nachzukochen.»

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