Ostschweizer Massnahmenzentren: Anti-Folter-Gruppe bemängelt enge Zellen
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Ostschweizer MassnahmenzentrenAnti-Folter-Gruppe bemängelt enge Zellen

Zu wenig Platz für Häftlinge, zu strikte Besuchsregelungen: So das Fazit der Anti-Folter-Kommission über die Massnahmenzentren Bitzi im Kanton St. Gallen und Kalchrain im Thurgau.

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taw
Die Anti-Folter-Kommission kritisiert die Gefängniszellen im Massnahmezentrum Bitzi. Häftlinge hätten zu wenig Platz.

Die Anti-Folter-Kommission kritisiert die Gefängniszellen im Massnahmezentrum Bitzi. Häftlinge hätten zu wenig Platz.

Die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF) hat im vergangenen Jahr die beiden Massnahmezentren Bitzi und Kalchrain genauer unter die Lupe genommen und gewisse Änderungen gefordert. Die Umsetzung liegt allerdings beim Kanton.

Massnahmenvollzug nur in deutscher Sprache

Im Massnahmenzentrum Bitzi im Kanton St. Gallen sind Straftäter untergebracht, die zu therapeutischen Massnahmen verurteilt wurden. Ziel ist die Reintegration in die Gesellschaft. Dieses Modell lobt die Anti-Folter-Kommission zwar, gleichzeitig wird aber kritisiert, dass sich das Angebot nur an deutschsprachige Personen richtet.

Wie Joe Keel, Leiter Justizvollzug des Kantons St.Gallen gegenüber dem «Regionaljournal SRF» sagt, sei man sich dessen bewusst - ändern liesse sich das aber nicht. «Massnahmevollzug bedeutet, dass man sich sprachlich intensiv mit dem Täter auseinandersetzt. Das setzt voraus, dass man sich verständigen kann», so Keel. Entsprechende Fachleute, die zahlreiche Sprachen sprechen, gebe es laut Keel in der Schweiz nicht und es wäre schlicht und einfach zu teuer.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die zu engen Gefängniszellen im geschlossenen Vollzug. Laut Keel läuft ein Projekt zur Überprüfung der Infrastruktur.

Zu restriktive Besuchsregelung

Ähnlich wie im Bitzi ist auch im Kalchrain im Kanton Thurgau das Ziel die Wiedereingliederung der jungen Männer in die Gesellschaft.

Hier kritisiert die Kommission die restriktive Besuchsregelung, die ihrer Meinung nach gelockert werden muss. Der Kanton Thurgau wird eine solche jedoch nicht vornehmen, wie Stefan Felber, Generalsekretär des Thurgauer Justizdepartemens, auf Anfrage des «Regionaljournal SRF» sagt. «Unsere Besuchsregelung erachten wir als sinnvoll. Sie hat sich bewährt. Eine gewisse Abschottung vom Umfeld tut auch gut.»

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