Reaktionen zur Kundgebung: Anti-Kapitalisten hielten Bern in Atem
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Reaktionen zur KundgebungAnti-Kapitalisten hielten Bern in Atem

Eine Gruppe von 100 Personen sind am Samtag lautstark Bern gezog. Die Stadträte Jimy Hofer und Roland Jakob wurden mit Pfefferspray attackiert. Jakob erstattete Anzeige.

Die Demonstranten behinderten in der Innenstadt von Bern unter anderem den öffentlichen Verkehr.

Die Demonstranten behinderten in der Innenstadt von Bern unter anderem den öffentlichen Verkehr.

Rund 100 Personen haben am Samstagnachmittag in Bern lautstark gegen den Kapitalismus demonstriert. Sachbeschädigungen gab es zwar keine. An der unbewilligten Kundgebung wurden aber zwei Berner Stadträte mit Pfefferspray attackiert.

Betroffen waren der Fraktionschef der SVP Stadt Bern, Roland Jakob, sowie der parteilose Jimy Hofer. Hofer hatte sich den Demonstrierenden mitten auf der Strasse entgegenstellt, wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Dies sei gleich am Anfang der Kundgebung beim Bollwerk geschehen.

«Dann kamen vier vermummte Kundgebungsteilnehmer auf mich zu und nebelten mich ein», sagte Hofer. Gleich danach habe er nichts mehr gesehen. Die Polizei spricht in ihrer Mitteilung von Pfefferspray, Hofer geht jedoch von einer Attacke mit Tränengas aus. Nach dem Vorfall musste er zur Kontrolle ins Inselspital gefahren werden.

SVP-Stadtrat Jakob stellte sich etwas später neben den Demonstrationszug, als dieser von der Heiliggeistkirche losgezogen war. «Dann beschimpfte mich einer der Vermummten», sagte Jakob.

Er habe diesen daraufhin aufgefordert, die Maske abzunehmen. Darauf habe ihn ein anderer Kundgebungsteilnehmer mit Pfefferspray attackiert. Jakob hat eine Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Die Kantonspolizei Bern, bestätigte auch diesen Vorfall, ohne Details bekanntzugeben. Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) verurteilte die Vorfälle. Solche Übergriffe seien nicht tolerabel, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Er hoffe, dass die Verantwortlichen gefasst werden.

An der Demonstration kam es zu einigen Personenkontrollen, wie die Kantonspolizei Bern mitteilte. Drei Personen wurden angehalten und für kurze Zeit auf eine Wache gebracht. Die Polizei hielt sich nach eigenen Angaben mit einem grösseren Aufgebot im Hintergrund.

Ohrenbetäubende Kundgebung

Die meisten Teilnehmer der Kundgebung waren schwarz gekleidet und vermummt. Sie hatten zudem Schutzbrillen und Helme bei sich. Der Demonstrationszug war zwar nicht gross, dafür laut: Immer wieder feuerten die Kundgebungsteilnehmer ohrenbetäubende Petarden ab.

Die Bengalfackeln nebelten mitunter die Gassen der Altstadt mit dichtem Rauch ein. Untermalt wurde das Ganze mit dröhnender Musik aus den Lautsprechern eines Kleinbusses der Demonstrierenden. Auch der öffentliche Verkehr wurde teilweise behindert.

Auf einem grossen Transparent stand das Motto der Demonstration: «In Bewegung bleiben, Kapitalismus abschaffen.» Der Demonstrationszug stoppte mehrmals mitten in der Berner Altstadt. Dann hielt einer der Teilnehmer jeweils eine Rede via Megaphon.

Die Kundgebung fand noch während der Öffnungszeiten der Geschäfte in der Berner Innenstadt statt. Dementsprechend waren besonders viele Passanten unterwegs. Zahlreiche Schaulustige blieben stehen und beobachteten das Treiben in der Berner Altstadt.

Die Demonstrierenden beendeten ihre Kundgebung nach fast zwei Stunden in der Reitschule. Zur Demonstration aufgerufen hatte die Antikapitalistische Kampagne (Antika).

Unterschiedliche Reaktionen

Die Stadtberner CVP lobte in einer Mitteilung vom Sonntag die Deeskalationsstrategie ihres Sicherheitsdirektors und der Polizei. Trotz pyroschwingender Demonstranten sei es nicht zu Ausschreitungen oder nennenswerten Komplikationen gekommen.

Das sieht die Stadtberner FDP anders. Sie kritisiert in einer Mitteilung, die rot-grüne Stadtregierung habe einer Hand voll Chaoten Privilegien zugestanden, von denen normale Bürger nur träumen könnten. (sda)

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