Aktualisiert 21.03.2014 08:23

Letzte Chance an Uni

Anti-Schreibstau-Kurse für Lizentiatsmuffel

Sie gehören zu einer aussterbenden Gattung: Bis im Oktober müssen Liz-Studenten ihre Abschlussarbeit abgeben. Auch studierende Parlamentarier stehen deshalb unter Zeitdruck.

von
cbe

«Ihr Leiden hat nun ein Ende», schreibt die Universität Zürich in einem Newsletter an die Studenten, die noch im Lizentiatssystem eingeschrieben sind. Sie müssen sich bis im Herbst für ihren Studienabschluss anmelden und bis dahin alle Arbeiten einreichen. Seit 2006 ist eine Einschreibung fürs Liz-Studium nicht mehr möglich. Seither gilt an Schweizer Universitäten das sogenannte Bologna-System mit Bachelor- und Master-Stufe.

Doch es gibt sie noch, die Überbleibsel des Liz-Systems. Während die Studierenden an den meisten Schweizer Unis bereits ausnahmslos im Bologna-System studieren, gibt es an der Uni Zürich noch rund 1100 Liz-Studierende. Damit diese Langzeit-Studis doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, bietet ihnen die Uni Zürich Unterstützung an.

Unter dem Titel «Abgeben statt aufgeben» und «Gemeinsam gehts leichter» bietet sie verschiedene Workshops und Arbeitsgruppen an, die den Studenten dabei helfen sollen, einen allfälligen Schreibstau beim Verfassen ihrer Abschlussarbeit zu überwinden.

Die Kurse seien für Studierende gedacht, die sich beim Schreiben schwertäten oder unter Leistungsstress litten, sagt Uni-Sprecherin Nathalie Huber. Den Teilnehmern soll die Möglichkeit geboten werden, sich über ihre Probleme auszutauschen, sagt Schreibberaterin Alba Polo gegenüber der Uni-Zeitschrift «UZH News». Es gehe darum, alle Befürchtungen offenzulegen. Auch die Arbeitsorganisation und der richtige Einsatz von Pausen kommen zur Sprache.

«Weiss nicht, ob ich das unter einen Hut bringe»

Laut Nathalie Huber richten sich die Angebote an alle immatrikulierten Studenten, die sich am Ende ihres Lizentiatsstudiums befinden und die Liz-Arbeit noch nicht abgegeben haben. Dazu gehören auch die Nationalräte Cédric Wermuth und Balthasar Glättli. Sie versuchen seit Jahren, Politik, Beruf und Studium unter einen Hut zu bringen. Jetzt gilt es auch für sie ernst: Wollen sie einen Uni-Abschluss, müssen sie kräftig in die Tasten hauen. Denn die Deadline für die Einreichung ihrer Abschlussarbeiten ist im Oktober 2014.

«Ob es mir noch gelingt, meine Ämter mit den zeitlichen Erfordernissen des Studiums rechtzeitig unter einen Hut zu bringen, kann ich noch nicht sagen», sagt Balthasar Glättli (Grüne). Er studiert Philosophie, Linguistik und Neuere deutsche Literatur an der Universität Zürich. Daneben betreibt er mit Politbüro eine Einmann-Firma für Internetkampagnen. Sein Engagement als Nationalrat und die Zusatzbelastung als Fraktionspräsident stellten ihn vor eine grosse Herausforderung, so Glättli.

«Studium nicht abzuschliessen wäre dumm»

Optimistischer gibt sich SP-Nationalrat Cédric Wermuth: «Es ist mein Zeitplan, bis im Herbst meine Liz-Arbeit einzureichen.» Er studiert Politikwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Philosophie an der Universität Zürich. Wermuth ist überzeugt, dass er sein Studium rechzeitig abschliessen wird: «Es reicht.»

Für den früheren Juso-Präsidenten wäre es «dumm, nicht abzuschliessen». Als Nationalrat könne er alle vier Jahre abgewählt werden und irgendwann müsse er ja dann auch wieder zurücktreten: «Dann ohne Abschluss dazustehen ist brandgefährlich.»

«Jetzt ist es nur noch eine Fleissfrage»

Ein Kurs gegen Schreibstau ist für Cédric Wermuth kein Thema. Allerdings besuche er wie alle anderen das obligatorische Liz-Kolloquium. Er habe die Fragestellung und den Datensatz für seine Liz-Arbeit mit dem Titel «Das Kräfteverhältnis von kommunalen Exekutiven und Legislativen in der Schweiz» bereits zusammen: «Jetzt ist es nur noch eine Fleissfrage, das Ding niederzuschreiben.»

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