Medikamenten-Mangel: Antibiotika: Bund muss Notreserven anzapfen
Aktualisiert

Medikamenten-MangelAntibiotika: Bund muss Notreserven anzapfen

Nach Krebsmedikamenten werden auch Antibiotika knapp. Der Bund musste bereits die Pflichtlager öffnen. Nun sollen die Pharmamultis in die Pflicht genommen werden.

von
L. Hanselmann

Der Medikamenten-Mangel spitzt sich zu: Nach Krebsmedikamenten kommen Spitäler und Apotheken auch kaum mehr an gewisse Antibiotika. Der Bund musste deshalb im Juli sogar die Pflichtlager für Medikamente öffnen, wie die «Nordwestschweiz» am Montag berichtete.

Lange kann er die Notlage aber nicht überbrücken. Die bereits deutlich verringerte Reserve könnte gegen Winter, wenn viele Leute krank werden, aufgebraucht sein. «Mit den Pflichtlagern lässt sich ein Ausfall während rund drei Monaten kompensieren», sagt Ueli Haudenschild vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung.

Pharmamultis sollen Versorgung sicherstellen

Die Lage ist laut Andreas Bitterlin vom Unispital Basel insbesondere bei Krebsmedikamenten prekär. «Wir gehen nicht davon aus, dass es dieses Jahr deutlich besser wird.»

SP-Gesundheitspolitikerin Bea Heim hat nun den Bundesrat beauftragt, zu prüfen, ob die Armeeapotheke wichtige Medikamente selbst herstellen könnte. «Oder man würde die Pharmamultis dazu verpflichten, die Versorgung sicherzustellen – auch wenn es für sie nicht mehr rentiert.»

«Man muss jetzt reagieren»

Vorbild könnte Japan sein, wo der Staat die Arznei-Produktion lange mitfinanzierte. Enea Martinelli vom Verein der Amts- und Spitalapotheker (GSASA) ist aber skeptisch: «Die Pharmafirmen würden die kleinen Schweizer dann wohl einfach liegen lassen.»

Aber auch er sagt: «Man muss jetzt reagieren.» Erste Gespräche zwischen GSASA, BWL und dem Bundesamt für Gesundheit haben bereits stattgefunden.

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