Nein zu Verbot von Homo-Heilungen: «Antwort des Bundesrats macht uns sprachlos»
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Nein zu Verbot von Homo-Heilungen«Antwort des Bundesrats macht uns sprachlos»

Basel-Stadt und Nationalräte wollen ein bundesweites Verbot für Homo-Heilungen. Der Bundesrat ist dagegen, obwohl es nachweislich Fälle in der Schweiz gibt.

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Umstrittene Konversionstherapien für Homosexuelle sind in der Schweiz immer noch legal. (Symbolbild)

Umstrittene Konversionstherapien für Homosexuelle sind in der Schweiz immer noch legal. (Symbolbild)

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Auf eine Anfrage aus dem Grossen Rat hin will sich die Regierung des Kantons Basel-Stadt dafür einsetzen, dass die Behandlungen verboten werden.

Auf eine Anfrage aus dem Grossen Rat hin will sich die Regierung des Kantons Basel-Stadt dafür einsetzen, dass die Behandlungen verboten werden.

Keystone/Georgios Kefalas
Die Zürcher BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti fordert auch ein Verbot auf Bundesebene.

Die Zürcher BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti fordert auch ein Verbot auf Bundesebene.

Keystone/Alessandro Della Valle

Die Regierung des Kantons Basel-Stadt verurteilt in einer Stellungnahme Behandlungen, die zum Ziel haben, Menschen von Homosexualität zu «heilen». Zudem will sie sich auf Bundesebene für ein Verbot einsetzen, weil ein solches im Strafrecht voraussichtlich eine «wichtige Signalwirkung» hätte.

Auch Stadtentwickler Lukas Ott unterstützt diese Haltung: «Ein Verbot würde den Behörden den Auftrag geben, solche Machenschaften zu untersuchen, und es würde Sanktionen ermöglichen, die es heute nicht gibt», sagt er gegenüber der «bz Basel».

Kein Erfolg, viele Schäden

Die Regierung begründet ihr Ziel damit, dass keine seriöse Studie bisher nachgewiesen habe, dass sich die sexuelle Orientierung von Menschen durch Therapiemassnahmen ändern lasse. Hingegen gebe es eine grosse Anzahl von Untersuchungen, die von schädlichen Nebenwirkungen wie Depressionen, Angstzuständen und Suizidalität berichteten.

Was sich in diesem Zusammenhang hinter dem Wort Therapie verbirgt, ist oft mit viel Leid verbunden. Erst kürzlich geriet EVP-Ständeratskandidatin Elisabeth Augstburger wegen Aussagen über die Heilbarkeit von Homosexualität in die Schlagzeilen. Als 20 Minuten sie mit den Details solcher Behandlungen konfrontierte, ruderte Augstburger zurück.

Bundesrat will kein Verbot

Ein Verbot von «Homo-Heilungen» an Kindern und Jugendlichen auf Bundesebene wird demnächst im Nationalrat bearbeitet. Rosmarie Quadranti (BDP) will mittels einer im Juni eingereichten Motion den Bundesrat damit beauftragen, Konversionstherapien zu verbieten.

In der Zwischenzeit hat sich der Bundesrat zum Begehren geäussert. Die Antwort der Landesregierung lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen: Die vorhandenen Mechanismen seien ausreichend, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Zudem sei es nicht möglich, die Therapien zu verbieten, weil es keine bereichsspezifischen Gesetzgebungen gebe, in die das Verbot integriert werden könne. Deshalb hat der Bundesrat die Motion zur Ablehnung empfohlen.

Es herrscht Sprachlosigkeit

«Ich bin sprachlos, dass der Bundesrat noch immer keinen Handlungsbedarf erkennt», sagt Roman Heggli, Sprecher der LGBTIQ-Organisation Pink Cross Schweiz. Auch er ist der Meinung, dass ein Verbot eine wichtige symbolische Bedeutung hätte. «Vor allem Eltern, die überlegen, ihr Kind in eine solche Therapie zu schicken, wüssten dann, dass sie etwas Falsches tun», sagt er.

Dass das Gesetz nirgends unterzubringen sei, glaub Heggli nicht. Stattdessen attestiert er dem Bundesrat mangelnden politischen Willen: «Der Entscheid ist wohl den mehrheitlich konservativen Machtverhältnissen geschuldet», so Heggli.

Es gibt Fälle in der Schweiz

Heggli verweist auf einen Fall in Küssnacht am Rigi SZ. Die Zeitschrift «Gesundheitstipp» war im April bei einem «Schwulen-Heiler» bei einer Therapiesitzung anwesend und gab Einblick in seine Praktiken.

Daraufhin verfasste die Gruppe Queerpuzzles, die sich unter anderem für homosexuelle Jugendliche einsetzt, einen offenen Brief Regierung des Kantons Schwyz. Sie verlangt darin, dass dem Mann die Berufsausübungsbewilligung entzogen wird. Damit solche Fälle nicht mehr passieren, hofft Heggli, dass die Motion Quadranti trotz bundesrätlichem Nein im Parlament angenommen wird.

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