06.02.2019 10:45

Vierfachmord von Rupperswil

Anwältin von Thomas N. bekommt weniger Geld

Das Obergericht Aargau hat der Verteidigerin des Vierfachmörders von Rupperswil das Honorar gekürzt. Für die Berufungsverhandlung kriegt sie 6000 Franken.

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In einem Rucksack, den die Polizei bei der Durchsuchung im Haus des Täters fand, fanden sich eine Pistole, Fesseln und Klebeband. (13. Mai 2016)

In einem Rucksack, den die Polizei bei der Durchsuchung im Haus des Täters fand, fanden sich eine Pistole, Fesseln und Klebeband. (13. Mai 2016)

Die Gerichtszeichnung zeigt Thomas N. zusammen mit Verteidigerin Renate Senn (rechts).

Die Gerichtszeichnung zeigt Thomas N. zusammen mit Verteidigerin Renate Senn (rechts).

epa/Walter Bieri
Das Bezirksgericht Lenzburg tagt in den Räumlichkeiten der Mobilen Polizei in Schafisheim – unweit des Tatorts in Rupperswil.

Das Bezirksgericht Lenzburg tagt in den Räumlichkeiten der Mobilen Polizei in Schafisheim – unweit des Tatorts in Rupperswil.

Yannick Wiget

Das Aargauer Obergericht hat im Fall des Vierfachmörders von Rupperswil das Honorar der amtlichen Verteidigerin für die Berufungsverhandlung deutlich reduziert. Der Verteidigerin sollen nur 27 Stunden statt wie gefordert 46 Stunden bezahlt werden.

Die Verteidigerin soll für ihre Arbeit mit 6000 Franken entschädigt werden, wie aus der schriftlichen Urteilsbegründung des Obergerichts hervorgeht. Die Zeitungen der CH Media zitierten am Mittwoch aus dem Urteil, das auch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt.

Gemäss Obergericht war die amtliche Verteidigerin mit dem Sachverhalt und den sich in tatsächlicher und rechtlichen Hinsicht stellenden Fragen bereits aus dem erstinstanzlichen Verfahren «bestens vertraut». Für das Verfahren vor Bezirksgericht Lenzburg betrug das Honorar 155'112 Franken und 60 Rappen.

Drei Stunden für Besprechung mit Mörder

«Eine neue Strategie ist nicht verfolgt worden», heisst es in der Begründung des Obergerichts. Die eingereichte Kostennote von insgesamt rund 46 Stunden sei «deutlich überhöht».

Ein Aufwand von 27 Stunden erscheine «angemessen». So gesteht das Obergericht der amtlichen Verteidigerin einen zeitlichen Aufwand von drei Stunden für «notwendige Besprechungen und Kontakte mit dem Beschuldigten» zu.

Mehrere Strafverteidiger kritisieren in den Zeitungen der CH Media die Honorarkürzung durch das Obergericht und warnen vor einer Zwei-Klassen-Justiz. Pflichtverteidiger würden darauf getrimmt, ihren Auftrag nur noch scheinbar zu erfüllen, wird der Solothurner Anwalt Konrad Jeker zitiert.

Im Berufungsverfahren vor Obergericht im Dezember ging es um die Frage der ordentlichen oder lebenslänglichen Verwahrung sowie um die Anordnung eines lebenslänglichen Tätigkeitsverbots. Das Obergericht bestätigte die ordentliche Verwahrung des 35-jährigen Schweizers. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Vierfachmörder hatte sich gegen diese Verwahrung gewehrt. Die lebenslängliche Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Mordes und verschiedener anderer schwerer Delikte hatte der Täter akzeptiert. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslängliche Verwahrung gefordert.

Genau geplante Tat

Der brutale Vierfachmord war genau geplant gewesen. Am 21. Dezember 2015 hatte sich der damals 32-Jährige mit einem gefälschten Schreiben Einlass in ein Einfamilienhaus in seiner Nachbarschaft in Rupperswil verschafft. Er hatte es vor allem auf den dort lebenden 13-jährigen Knaben abgesehen.

Unter Drohungen mit einem Messer brachte er den Buben, dessen Mutter, den noch schlafenden älteren Bruder und dessen Freundin in seine Gewalt. Er fesselte sie, verklebte ihnen die Münder und nahm ihnen die Handys weg. Die Mutter schickte er zum Geld abheben. Dann verging er sich aufs Schwerste an dem 13-Jährigen.

Anschliessend tötete er alle vier Personen, zündete das Haus an und ging weg. Kurz danach suchte er im Internet nach weiteren Knaben, spähte deren Familien aus und bereitete eine neuerliche Tat vor. Im Mai 2016 wurde der Mann in Aarau verhaftet. (sda)

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