Guantánamo: Anwalt: Die Uiguren sind keine Gefahr
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GuantánamoAnwalt: Die Uiguren sind keine Gefahr

Die zwei Guantánamo-Häftlinge, die der Kanton Jura möglicherweise aufnehmen will, seien keine Gefahr für die Schweiz, sagt deren Anwältin Elizabeth Gilson. Sie kontert damit die Warnungen der Chinesen an die Schweiz.

Die beiden uigurischen Brüder seien keine Terroristen, sondern zu Unrecht in Pakistan verhaftet worden.

China übe massiven Druck auf die Schweiz aus, damit sie die beiden nicht bei sich aufnehme, sagte Gilson in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «24 heures» vom Dienstag. «Ich habe noch nie eine solch unverhohlene und öffentliche Einflussnahme gesehen.»

Diesen diplomatischen Druck kriege nicht nur die Schweiz zu spüren, sondern zahlreiche Länder, die sich bereit erklärt hätten, uigurische Guantánamo-Häftlinge aufzunehmen. Doch Peking verfüge über «keinen einzigen Beweis», dass ihre beiden Mandanten einer Terrorgruppe angehörten, sagte Gilson.

Ende 2008 hatte ein US-Bundesrichter die Freilassung der insgesamt 22 Uiguren auf Guantánamo angeordnet und erklärt, die Männer seien irrtümlicherweise in dem Gefängnis inhaftiert. 15 Uiguren wurden inzwischen von anderen Ländern aufgenommen; nach China kehrte keiner zurück.

Die Uiguren stellen die muslimische Mehrheit in der autonomen chinesischen Provinz Xinjiang. Gemäss Amnesty International befindet sich die uigurische Bevölkerung dort in einer ähnlichen Situation wie die Bevölkerung im Tibet: Auch die Uiguren hätten jahrzehntelange Diskriminierung und Unterdrückung der Chinesen erdulden müssen.

Die beiden Brüder wünschten sich nur, «in Frieden zu leben und in der Schweiz oder einem anderen europäischen Land zu arbeiten», sagte Gilson weiter. Aber nach Guantánamo wagten sie es nicht mehr zu hoffen: «Seit acht Jahren sagt man ihnen, dass sie freikommen werden.»

(sda)

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