Strafgericht BS: Anwalt soll Mandanten massiv abgezockt haben
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Strafgericht BSAnwalt soll Mandanten massiv abgezockt haben

Ein 45-jähriger Basler Anwalt stand am Montag vor Gericht, weil er Geld seiner Klienten veruntreut haben soll. Der Mann war hoch verschuldet.

von
jd
Der 45-jährige Anwalt stand am Montag wegen mehrfacher Veruntreuung vor dem Gericht.

Der 45-jährige Anwalt stand am Montag wegen mehrfacher Veruntreuung vor dem Gericht.

Der Angeklagte präsentierte sich am Montag vor dem Strafgericht als gebrochener Mann. «Es ist sehr schwierig für mich, das alles zu reflektieren», sagte er dem Gericht. Im Zeitrahmen von 2003 bis 2009 soll er laut Anklageschrift rund 70'700 Franken und 29'400 Euro von Klienten unrechtmässig zum eigenen Nutzen verwendet haben.

Fünf Mandate seien nicht korrekt abgerechnet worden, wobei der Beschuldigte bei seinen Betrügereien jeweils unterschiedlich vorgegangen sei. So soll er Geldbeträge für die Tilgung seiner Schulden benutzt haben statt sie treuhänderisch zu verwalten. Akontozahlungen seien fälschlicherweise in seine Tasche geflossen und er habe Parteientschädigungen für sich beansprucht, anstatt sie seinen Mandanten zu überweisen.

Aus wirtschaftlicher Not gehandelt

Der ehemalige selbstständige Anwalt konnte beruflich keine Erfolge erzielen und kämpfte zeitweise mit Schuldenbergen von 200'000 Franken. Gemäss seinem amtlichen Verteidiger hatte ihn diese missliche Lage dazu veranlasst, die Beträge zu veruntreuen: «Die Tat erfolgte schlicht aus wirtschaftlicher Not, nicht aus Bösartigkeit», sagte er.

Wohin die grossen Summen flossen, die der Angeklagte jeweils in Tracnhen bar vom Bankautomaten abhob, wurde dem Gericht während der gesamten Verhandlung nicht ganz ersichtlich. Mehrmals betonte er, den Überblick über seine beruflichen und privaten Geldflüsse verloren zu haben. Er gab zu, dass er von Businessplänen keine Ahnung habe und seine gesamte geschäftliche Dokumentation lückenhaft sei. «Ich habs nicht extra schlecht gemacht», sagte der Basler, der mittlerweile nicht mehr als Anwalt tätig ist und seinen Lebensunterhalt mit Rechtsberatungen und Rechtskunde-Unterricht verdient.

Anwalts-Rolle ausgenutzt

Die Staatsanwältin kritisierte in ihrem Plädoyer das Vorgehen des Mannes scharf: «Dem Anwalt kommt eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zu.» Dieses habe der Angeklagte aus gänzlich egoistischen Gründen missbraucht. «Er hat Mandanten wissentlich und willentlich geschädigt», führte sie aus und sprach dem Angeklagten eine hohe kriminelle Energie zu. Sie forderte eine teilbedingte dreijährige Freiheitsstrafe, wovon er ein Jahr im Gefängnis absitzen müsste.

Der Verteidiger bestritt, dass sich sein Klient an allen fünf Mandaten zu Unrecht bereicherte habe. Er habe nicht sauber abgerechnet und Buch geführt, was nun nicht gegen ihn ausgelegt werden könne. So habe er teils Anspruch auf die Summen gehabt, da er übermässig beansprucht wurde – er könne diesen Aufwand heute bloss nicht mehr aufzeigen. «Er hat nicht seine Unschuld nachzuweisen, sondern das Gericht seine Schuld.» Eine Freiheitsstrafe von zwölf bis 18 Monaten sei angemessen.

Am Dienstagnachmittag wird das Urteil verkündet.

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