Ebikon: Anwohner ärgern sich über Touristen-Ansturm
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EbikonAnwohner ärgern sich über Touristen-Ansturm

Die Gemeinde Ebikon wird derzeit von chinesischen Touristen überrannt. Grund: das Maxime, ein günstiger China-Take-away mitten im Zentrum. Der Gemeindepräsident will nun handeln.

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Eine Gruppe chinesischer Touristen tummelt sich vor dem Take-away.

Eine Gruppe chinesischer Touristen tummelt sich vor dem Take-away.

20 Minuten/as
Der Parkplatz hinter dem Restaurant ist mit Reisecars besetzt.

Der Parkplatz hinter dem Restaurant ist mit Reisecars besetzt.

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Um das Verkehrschaos in Grenzen zu halten, wurden extra Parkplatzeinweiser (Mann mit gelbem Shirt) für die Cars eingestellt.

Um das Verkehrschaos in Grenzen zu halten, wurden extra Parkplatzeinweiser (Mann mit gelbem Shirt) für die Cars eingestellt.

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Freitagmittag gegen 12.30 Uhr: Vier Reisecars kommen nacheinander an der Zentralstrasse in Ebikon an. Es steigen mehrere Dutzend chinesische Touristen aus und begeben sich hastig zum Take-away-Restaurant Maxime. Beim Parkplatz vor der Lokalität herrscht wegen der Cars innert kürzester Zeit ein Verkehrschaos. Ein extra dafür angestellter Parkplatzeinweiser versucht, die Situation zu retten und die Carchauffeure an einen anderen Ort zu lotsen, damit hinter den Reisebussen kein grösserer Stau entsteht.

Die Meinung über die vielen chinesischen Gäste sind geteilt: Was für den Wirt des Imbisslokals eine Freude ist, ist für die Quartierbewohner eher eine unangenehme Situation. Anwohner klagten über zunehmenden Lärm, grosse Abfallmengen und ein Verkehrschaos, wie der «Blick» berichtete. Einige sprachen sogar von pinkelnden und spuckenden Gästen. Eine Anwohnerin beschreibt die Situation noch etwas detaillierter: «Es ist nicht auszuhalten: Die Chinesen drängeln, werfen Abfall auf den Boden und spucken einfach an die Wände. Wir haben ein Chaos hier im Quartier, das einfach störend ist.»

Doppelt so viele Gäste wie im Vorjahr

Was ehemals ein Quartiercafé war, ist heute ein günstiger China-Take-away: «Das Menü gibt es bei uns bereits ab fünf Franken», so der 38-jährige Geng Wei, Geschäftsführer des Maxime. Während der Hochsaison herrscht im Restaurant ein regelrechtes Gedränge: «In dieser Zeit bedienen wir täglich rund 600 Gäste», sagt Wei. Auch er selbst wurde vom Touristenansturm überrascht, denn «dieses Jahr verpflegen wir mehr als doppelt so viele Leute wie im letzten Sommer».

Eine Kontrolle bei so vielen Gästen sei für Wei einfach unmöglich. Er nimmt seine Landsleute jedoch auch etwas in Schutz: «Es gibt bei uns – wie in jeder anderen Kultur auch – einige Leute, die sich unmöglich benehmen», sagt Wei gegenüber dem «Blick». Die Schweiz sei aber laut Wei nicht ganz unschuldig an der bestehenden Situation: «Die Schweiz holt Massen von Chinesen ins Land, doch vorbereitet ist sie nicht. Etwa fehlen genügend Toiletten und Parkplätze.» So sei es kein Wunder, dass es auch zu Unmut komme.

Gemeindepräsident will handeln

CVP-Gemeindepräsident Daniel Gasser (48) ist vom momentanen Zustand alles andere als begeistert: «Die Situation ist untragbar», so Gasser gegenüber dem «Blick». Der Betrieb habe laut Gasser eine Grösse erreicht, die nicht zu tolerieren sei. «Die Gästezahl muss massiv sinken, oder die Betreiber müssen einen anderen Standort suchen», sagt Gasser weiter.

Wei will nun mit den Gemeindeverantwortlichen zusammensitzen, um gemeinsam eine geeignete Lösung zu finden. Der Geschäftsführer habe bisher bereits auf das Problem reagiert: Er hat mehrere Parkplatzeinweiser für die Reisecars angestellt, damit vor dem Lokal kein so grosses Verkehrschaos mehr herrscht. Weitere Massnahmen sollen laut Wei noch folgen: Reiseleiter sollen etwa ihren Gästen schon im Reisebus die in der Schweiz geltenden Benimmregeln beibringen.

Nicht das einzige Problem

Touristen bereiten an mehreren Orten Sorgen – nicht nur einigen Einheimischen, sondern auch gewissen Institutionen. So mussten etwa die Rigi-Bahnen mit Piktogrammen neu auf eine korrekte Benutzung der WCs hinweisen. Aber auch für den Verkehr im Stadtzentrum von Luzern kann es ab und an zu gefährlichen Situationen kommen, wenn die Touristen etwa für ihre Selfies bei Rot mitten auf die Strasse stehen.

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