Zürich-Wollishofen: Anwohner decken Rote Fabrik mit Klagen ein
Publiziert

Zürich-WollishofenAnwohner decken Rote Fabrik mit Klagen ein

Anwohner gehen seit Jahren gegen die Rote Fabrik und das Ziegel oh Lac mit Lärmklagen vor: Ihr letzter Triumph dürfte viele Besucher wenig erfreuen.

von
rad
«Es scheint, als handelten sie aus reinem Eigeninteresse. Sie behindern die Rote Fabrik, wo es nur geht», sagt Katharina Prelicz-Huber, grüne Gemeinderätin und Vorstandsmitglied der IG Rote Fabrik, über die Kläger. Diese prozessieren seit Jahren gegen die Rote Fabrik und dessen Restaurant Ziegel oh Lac.

«Es scheint, als handelten sie aus reinem Eigeninteresse. Sie behindern die Rote Fabrik, wo es nur geht», sagt Katharina Prelicz-Huber, grüne Gemeinderätin und Vorstandsmitglied der IG Rote Fabrik, über die Kläger. Diese prozessieren seit Jahren gegen die Rote Fabrik und dessen Restaurant Ziegel oh Lac.

Keystone/Christian Beutler

Die Rote Fabrik mit dem zugehörigen Restaurant Ziegel oh Lac am Zürichsee in Wollishofen ist besonders im Sommer ein beliebtes Ziel. Doch die Idylle wird zunehmend getrübt. Seit Jahren herrscht ein erbitterter Rechtsstreit zwischen den Betreibern der Roten Fabrik – der Stadt – und Anwohnern. Die Kläger bewohnen vier Villen in der Nachbarschaft. Einer von ihnen ist selbst Anwalt und führt die Prozesse, so der «Tages-Anzeiger».

Zurzeit läuft ein Rekurs betreffend die Renovation von Räumen, die vor fünf Jahren durch ein Feuer zerstört wurden. Laut Kläger würde die geplante neue Fassade das kantonal geschützte Industriedenkmal zu stark verändern, so der Einwand. Bis eine endgültige Entscheidung getroffen wird und somit allenfalls die Baubewilligung erfolgt, könnten laut «Tages-Anzeiger» noch Jahre vergehen.

«Sie behindern die Rote Fabrik, wo es nur geht»

Jüngst hatten die Kläger jedoch einen Triumph zu verzeichnen: Die Gartenwirtschaft des Ziegel oh Lac hatte in den letzten Jahren Platz für 166 Personen. Jahrelang habe das Restaurant viel zu viele Festbänke aufgestellt, so der Anwalt, der die Kläger vertritt: «Fast 240 Leute hatten Platz, ich habe gezählt, dreimal mehr als erlaubt.» Nun steht fest: Die Sitzplatzbelegung im Aussenbereich muss von 166 Plätzen um 70 Plätze verringert werden. Der Belegungsplan von 1984 sieht maximal 96 Aussensitzplätze vor.

Über die Jahre hinweg wurde jedoch die Bestuhlung der Gartenwirtschaft gewechselt, sodass Festbänke statt normale Tische aufgestellt wurden. Das bedeutete bisher: mehr Platz für Gäste, ohne sich jedoch räumlich vergrössern zu müssen. Das wurde dem Ziegel oh Lac zum Verhängnis. Laut «Tages-Anzeiger» wurde dem Restaurant vergangenen Herbst eine Busse wegen Überwirtung auferlegt.

Ein «verhältnismässiger Betrieb» am See – wie vor 20 Jahren

Doch nicht nur Renovationsarbeiten und die Sitzplatzbelegung in der Gartenwirtschaft des Ziegel oh Lac liessen die Anwohner prozessieren: Auch zwei Sonnenschirme wurden vor Jahren zum Stein des Anstosses. Grund: Die Schirme würden den Seeuferweg versperren, somit mehr Besucher anlocken, wodurch sich wiederum eine höhere Lärmbelastung entwickeln würde. Das Gericht lehnte diese Klage jedoch ab.

Katharina Prelicz-Huber, grüne Gemeinderätin und Vorstandsmitglied der IG Rote Fabrik, sagt: «Es scheint, als handelten sie aus reinem Eigeninteresse. Sie behindern die Rote Fabrik, wo es nur geht.» Sie vermutet, dass es den Nachbarn um mehr gehe: «Am See lassen sich Luxuswohnungen gut verkaufen, je ruhiger, desto teurer.» Der Anwalt der Klägerschaft hält dagegen: Verhinderer seien sie nicht und auch mit einem «verhältnismässigen Betrieb» am See – so wie vor 20 Jahren – hätten sie kein Problem – nur eben keine «Übernutzung».

Deine Meinung