Letzigrund-Stadion: Anwohner fühlen sich wie in einem Kriegsgebiet
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Letzigrund-StadionAnwohner fühlen sich wie in einem Kriegsgebiet

Nach der Derby-Randale haben die Anwohner des Letzigrund-Stadions «die Schnauze voll» von den regelmässigen Ausschreitungen. Sie planen eine Petition.

von
wed

Fliegende Steine, brennende Pyros und Tränengas – am Samstag, 21. Februar, kam es bei einem Zürcher Derby im Letzigrund einmal mehr zu Ausschreitungen zwischen Fussballfans und der Polizei. Für die Anwohner rund um das Fussballstadion war es der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. «Wenn ich Pech habe, kann ich während Stunden nicht aus dem Haus oder überhaupt nach Hause an einem Spieltag», sagt eine Anwohnerin.

Früher habe sich das Ganze nur auf wenige Strassenteile konzentriert – «mittlerweile wird das ganze Quartier abgesperrt», so die Frau, die seit 33 Jahren im benachbarten Blüemliquartier wohnt. Die Polizei halte einen sogar auf, wenn man nur mit dem Hund spazieren gehen wolle. Ausserdem verlören die Liegenschaften an Wert, wenn ständig randaliert werde.

«Früher waren es ja nur die Spiele mit GC und Basel»

«Wir haben die Schnauze voll, dass sich unsere Nachbarschaft am Wochenende zu einem Kriegsgebiet verwandle», sagt die Frau. Sie werde deshalb das Gespräch mit weiteren Nachbarn sowie einem Anwalt suchen und an einer Petition arbeiten, damit die Stadt diese Situation endlich in den Griff kriege.

«Früher waren es ja nur die Spiele mit GC und Basel, aber mittlerweile herrscht nach jedem Fussballspiel Chaos.» Sie fordert einen konsequenteren Umgang mit den Chaoten. «Diese Saubannerzüge müssen von Beginn weg unterbunden werden.» Und sonst müsse halt das Stadion in die Agglomeration verlegt werden.

Touristengruppe konnte nicht zum Hotel

Beim Hotel Crown Plaza an der Badenerstrasse sieht man die Sache etwas weniger dramatisch: «Seit ich hier arbeite, hatten wir ein paar kleinere Sachen, aber keine derartigen Vorfälle», sagt Direktor Heinz Krähenbühl. Auch langjährige Mitarbeiter hätten besagten Samstag als Ausnahme empfunden und die Polizei sei stets kooperativ, was die An- und Wegfahrt der Gäste betrifft.

Glücklich sei man aber auch nicht: «Die Vorkommnisse waren definitiv geschäftsschädigend – eine japanische Touristengruppe kam nicht bis zum Hotel, weil grossräumig abgesperrt wurde und die Gäste mussten während mehrerer Stunden im Hotel bleiben», so Krähenbühl. Ausserdem seien auch sechs Scheiben kaputtgegangen, weil die Ausschreitungen unmittelbar vor der Hoteltüre stattfanden.

«Hotelgäste waren konsterniert»

«Die Gäste waren konsterniert, dass so etwas in der Schweiz überhaupt passieren könne», so Krähenbühl weiter. Auch hätten bereits Gäste vor ihrer Anreise angefragt, was da los gewesen sei. Krähenbühl hofft nun, dass es beim nächsten Derby nicht wieder so zu und her geht.

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