Aktualisiert 18.07.2019 09:44

«Sie kotzen alles voll»Anwohner haben genug von Guggen-Party im Dorf

Der Cherus in Gelterkinden lockte dieses Jahr über 6000 Besucher ins Oberbaselbiet. Anwohner machen jetzt mit einer Petition gegen den Event mobil.

von
jes
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Seit sieben Jahren folgt auf die Gelterkinder Fasnacht der Cherus. Die Veranstaltung, die inzwischen rund 6000 Besucher anzieht, steht bei einigen Anwohnern des Dorfes nun heftig in der Kritik.

Seit sieben Jahren folgt auf die Gelterkinder Fasnacht der Cherus. Die Veranstaltung, die inzwischen rund 6000 Besucher anzieht, steht bei einigen Anwohnern des Dorfes nun heftig in der Kritik.

cherusgaelti.ch
«Das Fest hat Ausmasse angenommen, die die Toleranz der Anwohner überfordert», erklärt Petitionärin Vreni Weber-Thommen.

«Das Fest hat Ausmasse angenommen, die die Toleranz der Anwohner überfordert», erklärt Petitionärin Vreni Weber-Thommen.

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Anwohner müssten ihre Vorplätze nach dem Fest von Erbrochenem und Urin reinigen. «Viele benehmen sich daneben, kotzen alles voll und zerstören fremde Gärten», schreibt einer auf Facebook, wo der Event nun kontrovers diskutiert wird.

Anwohner müssten ihre Vorplätze nach dem Fest von Erbrochenem und Urin reinigen. «Viele benehmen sich daneben, kotzen alles voll und zerstören fremde Gärten», schreibt einer auf Facebook, wo der Event nun kontrovers diskutiert wird.

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Jeden Samstag nach der Gelterkinder Fasnacht ist es soweit – seit sieben Jahren läutet der Cherus den Abschluss der Fasnacht ein. Es ist die mittlerweile grösste Guggen-Party im Baselbiet. Rund 6000 Besucher strömten dieses Jahr an den Anlass, an dem über 30 Guggen-Formationen auftraten. Doch jede Feierlichkeit hat ihre Begleiterscheinungen.

Von diesen haben einige Gelterkinder jetzt genug. Eine Petition, die von 362 Anwohnern unterschrieben wurde, fordert, dass der Cherus kleiner und nur noch unter strengen Auflagen bewilligt wird. «Das Fest hat Ausmasse angenommen, die die Toleranz der Anwohner überfordert», erklärte Petitionärin Vreni Weber-Thommen gegenüber dem SRF «Regionaljournal».

Besonders stosse sie sich an den Begleiterscheinungen des «Massenbesäufnisses». Anwohner müssten ihre Vorplätze nach dem Fest von Erbrochenem und Urin reinigen. «Viele benehmen sich daneben, kotzen alles voll und zerstören fremde Gärten», schreibt einer auf Facebook, wo der Event nun kontrovers diskutiert wird.

«Jedes Jahr grösser, länger und lauter»

Ein Leserbrief, der im April in der Sissacher «Volkstimme» veröffentlicht wurde, brachte den Stein rund um den Cherus ins Rollen. Der Anlass sei «jedes Jahr grösser, länger und lauter» geworden, heisst es darin. Der Brief schloss mit dem Aufruf, «dem Cherus den Garus» zu machen. Die Folge war die Petition, die nun am 15. Juli dem Gemeinderat von Gelterkinden übergeben wurde.

Anstatt wie bis zuletzt 34 Guggen, sollen beim Cherus des nächsten Jahres nur noch 15 Guggen zugelassen werden. Konzerte wolle man nur noch bis 24 Uhr genehmigen, Beizenbetrieb und Freinacht bis 1 Uhr. Elektronisch verstärkte Musik gehöre nach der Meinung der Petitionäre ganz verboten. Darüber hinaus beharre man auf einem «ökologisch verantwortbaren Abfallkonzept».

OK-Präsident enttäuscht von Anwohnern

Stephan Béhé, Präsident des Organisationskomitees des Guggenkonzerts hat Verständnis für die Anliegen der Kritiker: «Wir nehmen diese sehr ernst», sagt er auf Anfrage. Darum sei er auch über die Darstellung der Sachlage enttäuscht: «Jedes Jahr suchen wir sowohl vor, als auch nach dem Cherus das Gespräch mit den Anwohnern, damit allfällige Anliegen zur Sprache kommen. Darum sind wir davon ausgegangen, dass die Kommunikation funktioniert.»

Der Abfallproblematik sowie dem Urinieren auf öffentlichem und privaten Gelände könne man mit Anpassungen im Konzept entgegenwirken, ist er sich sicher. Verschiedene Lösungsansätze seien dort bereits im Gespräch.

Die Beschränkung der Anzahl teilnehmender Guggen sei hingegen ein Problem: «15 Guggen, das ist einfach nicht der Cherus Gaelti. Unser Motto sind Tradition und Brauchtum, wir wollen die ganze Palette und Vielfalt der Guggenkultur zeigen», so Béhé. Auch der Verzicht auf verstärkte Musik sei illusorisch: «Was wäre das denn für ein Fest?»

«Es geht um einen einzigen Tag»

Ein Blick auf Facebook zeigt: Die Veranstaltung erfreut sich einer grossen Beliebtheit. Die Guggenmusik-Fans zeigten sich von der Petition sichtlich enttäuscht: «Leider leben wir in einer Welt von Miesmachern», schreibt ein User in einem Kommentar.

Zwar räumen einige ein, dass die Grösse der Veranstaltung die Gemeinde vor Herausforderungen stelle. Viele Stimmen betonen aber, dass der Cherus zeitlich begrenzt sei: «Wir reden hier von einem Tag pro Jahr», findet etwa ein User. Eine Userin spricht in diesem Zusammenhang von «Spiessbürgern».

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