Aktualisiert 06.03.2019 21:57

Stadt Zürich

Anwohner rätseln über diese Rostkarre

Ärger bei den Anwohnern über ein rostiges Fahrzeug in der blauen Zone. Die Polizei kann nichts tun, wenn sie rechtmässig parkiert sind.

von
tam
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Das rostige Fahrzeug steht im Zürcher Stadtkreis 9 auf einem Parkplatz in der blauen Zone. Eine gültige Anwohnerparkkarte liegt hinter der Frontscheibe.

Das rostige Fahrzeug steht im Zürcher Stadtkreis 9 auf einem Parkplatz in der blauen Zone. Eine gültige Anwohnerparkkarte liegt hinter der Frontscheibe.

Leser-Reporter
Ein Anwohner stört sich daran:  «Da versperrt jemand mit einem offensichtlich kaputten Fahrzeug einen Parkplatz. Warum handelt die Polizei nicht?»

Ein Anwohner stört sich daran: «Da versperrt jemand mit einem offensichtlich kaputten Fahrzeug einen Parkplatz. Warum handelt die Polizei nicht?»

Leser-Reporter
Ein ähnlicher Fall am Stauffacherquai: «Bis vor einigen Tagen klemmte eine Busse unter dem Scheibenwischer. Jetzt ist eine gültige Anwohnerparkkarte hinterlegt», sagt ein Leser-Reporter.

Ein ähnlicher Fall am Stauffacherquai: «Bis vor einigen Tagen klemmte eine Busse unter dem Scheibenwischer. Jetzt ist eine gültige Anwohnerparkkarte hinterlegt», sagt ein Leser-Reporter.

Leser-Reporter

Der Rost ist nicht zu übersehen. Es macht den Anschein, als ob das Fahrzeug den Parkplatz in der blauen Zone im Stadtzürcher Kreis 9 schon lange nicht mehr verlassen hat. «Seit Monaten steht die Rostkarre auf dem Parkfeld und wird nicht bewegt», sagt ein 33-Jähriger, der im Quartier wohnt. Wie lange die «schrottreife Karre» schon dort steht, kann er nicht genau sagen – «es kann gut schon ein Jahr sein».

Er bezweifelt, dass das Fahrzeug noch fahrtüchtig ist, obwohl die Nummernschilder noch hängen und eine gültige Anwohnerparkkarte hinterlegt ist. «Bei Regen tropft die Rost-Sauce auch auf den Boden und fliesst dann in die Kanalisation.» Der Leser-Reporter stört sich an diesem Zustand: «Da versperrt jemand mit einem offensichtlich kaputten Fahrzeug einen Parkplatz. Warum handelt die Polizei nicht?»

Gültige Parkerlaubnis und Kontrollschild

Ein anderer Leser-Reporter kommt auf seinem Arbeitsweg jeden Tag am Stauffacherquai an einem Auto vorbei, das ebenfalls seit Monaten nicht bewegt wird: «Bis vor einigen Tagen klemmte eine Busse unter dem Scheibenwischer. Jetzt ist eine gültige Anwohnerparkkarte hinterlegt.»

Bei der Stadtpolizei Zürich heisst es auf Anfrage, dass Fahrzeuge nicht einfach so abgeschleppt werden dürfen. «Verfügen die Fahrzeuge über ein Kontrollschild sowie eine gültige Parkerlaubnis, ist das Parkieren rechtmässig», sagt Sprecher Michael Walker. Als Parkerlaubnis kommt etwa eine Anwohnerparkkarte infrage. Diese berechtigt dazu, in einem bestimmten Gebiet in blauen Zonen zeitlich unbegrenzt zu parkieren.

24 herrenlose Autos im Jahr 2018

Fahrzeuge ohne Kontrollschilder dagegen können von Gesetzes wegen abgeschleppt werden, wie Walker sagt. Bei fehlender Parkerlaubnis versuche die Polizei, den Halter zu kontaktieren. «Das ist aber oft schwierig, was auch zum Zustand der Fahrzeuge passt. Sie sind meist defekt oder mit Abfall gefüllt.»

Stehe ein Fahrzeug länger als zehn Tage ohne gültige Parkkarte in der blauen Zone, lasse es die Polizei abschleppen. 2018 wurden insgesamt 24 solche herrenlose Autos abgeschleppt und grösstenteils verschrottet. «Diese Zahl ist seit Jahren rückläufig», sagt Walker.

Fahrtauglichkeit der Rostkarre ist unklar

Ebenfalls möglich ist, dass die Polizei eine Meldung ans Strassenverkehrsamt macht, wenn die Beamten an einem Fahrzeug sicherheitsrelevante Mängel feststellen – wie etwa ein Riss in der Bremsscheibe oder nach einem Unfall, wenn die Airbags ausgelöst wurden. «Aufgrund der vorliegenden Fotos kann man aber nicht beurteilen, ob solche Mängel hier vorliegen», erklärt Walker.

Ob das Fahrzeug wirklich fahruntauglich ist, ist unklar. Beim Zürcher Strassenverkehrsamt heisst es, dass man aufgrund des Amtsgeheimnisses dazu nichts sagen kann. Es lasse sich auch nicht einfach so feststellen, ob ein Fahrzeug noch fahrtauglich ist. «Wir müssten das Fahrzeug prüfen, um das abschliessend zu beurteilen», sagt Sprecher Severin Toberer.

Jedes zweite Jahr zur Kontrolle

Der Halter wird wohl spätestens in zwei Jahren zu dieser Kontrolle antraben müssen. «Wenn das Fahrzeug ein Lieferwagen oder Wohnmotorwagen ist, muss es alle zwei Jahre in die Kontrolle.» Grundsätzlich müssten Fahrzeuge so beschaffen und jederzeit so unterhalten sein, dass die Verkehrsregeln befolgt werden können und dass Fahrer, Mitfahrende und andere Strassenbenützer nicht gefährdet und die Strassen nicht beschädigt werden. Dass die Polizei Meldungen machen kann, bestätigt Toberer: «Solche Fälle haben wir regelmässig.»

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