Aktualisiert 10.08.2017 18:08

Zwischennutzung KlybeckquaiAnwohner verlieren Kampf gegen Eventhallen

Das Appellationsgericht hat entschieden: Auf dem zwischengenutzten Areal am Klybeckquai dürfen drei Eventhallen gebaut werden. Die Rekurrenten wollen den Entscheid vors Bundesgericht ziehen.

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rob/sda
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Holzhallen statt Kies-Brache: Der zwischennutzende Verein Shift Mode kämpft seit Jahren um die Baubewilligung für drei Eventhallen. Das Appellgericht gab am Donnerstag nun grünes Licht.

Holzhallen statt Kies-Brache: Der zwischennutzende Verein Shift Mode kämpft seit Jahren um die Baubewilligung für drei Eventhallen. Das Appellgericht gab am Donnerstag nun grünes Licht.

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Anwohner wehrten sich gegen den geplanten Bau. Sie befürchten stärkere Lärmemissionen und ein höheres Verkehrsaufkommen in Zusammenhang mit künftig stattfindenden Partys.

Anwohner wehrten sich gegen den geplanten Bau. Sie befürchten stärkere Lärmemissionen und ein höheres Verkehrsaufkommen in Zusammenhang mit künftig stattfindenden Partys.

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An vorderster Front kämpft Martin Brändli von der Wohngenossenschaft Klybeck. «Wir werden vors Bundesgericht ziehen. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig», sagt er nach Urteilsverkündung.

An vorderster Front kämpft Martin Brändli von der Wohngenossenschaft Klybeck. «Wir werden vors Bundesgericht ziehen. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig», sagt er nach Urteilsverkündung.

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Mit lädiertem Regenschirm stapfte Gerichtspräsident Claudius Gelzer am Donnerstagmorgen durch den Kies. Anberaumt war ein Rundgang durch das Ex-Migrol-Areal am Klybeckquai, wo sich der Verein Shift Mode mit den Anwohnern seit Jahren im Clinch befindet. 2014 wollten die Zwischennutzer drei Holzbauten, die als Event-Hallen genutzt werden sollen, auf der Brache platzieren. Die Bewilligung hatte der Verein, der bis Ende 2019 am Klybeckquai bleiben darf, im Sack. Die Anwohner befürchten massive Lärmemissionen und ein Verkehrschaos und legten Rekurs ein, der bis vors Appellationsgericht weitergezogen wurde.

Nach dem Augenschein und emotionalen Plädoyers fällte Richter Gelzer wenige Stunden später im Trockenen das Urteil: «Der Rekurs wird abgewiesen». Die Rekurrenten, allen voran Genossenschafter Martin Brändli, hatten zuvor dargelegt, wie sie um ihre Nachtruhe fürchten. Nebst Musikbeschallung würde der Verkehr durch zukünftige Veranstaltungen, die am Wochenende bis um 4 Uhr morgens andauern dürften, und aufgrund der schlechten ÖV-Anbindung massiv zunehmen. «Man muss das Quartier vor zusätzlichen Emissionen schützen», so Brändli. Schon jetzt würden Lärmbegrenzungen den Tag hindurch auf dem Rangierbahnhof überschritten.

Anwohner nicht miteinbezogen

Dem Verein wirft er deshalb eine «Laisser-Faire-Haltung» vor. Generell kritisiert Brändli, dass die Anwohner erst mit dem Bauentscheid von dem Projekt erfahren hätten. «Gesuche oder Pläne haben wir keine zugeschickt bekommen.» Damit sei das rechtliche Gehör verletzt worden. Die Anwohner hätten ein Recht auf Mitwirkung. «Dieses wurde missachtet.»

Die Gegenseite widersprach Brändli. «Das Baugesuch ist per Post versendet worden», kontert Tina Wirz von der Baurekurskommission, vor welcher die Rekurrenten 2016 abgeblitzt waren. Die Zwischennutzer haben sich in regem Austausch mit dem Quartierbewohnern befunden. Ausserdem sei das provisorische Projekt laut Planungsamt zonenkonform.

Gericht weist Rekurrenten klar ab

"Unsere Projektidee überzeugte die Behörden", sagt Zwischennutzerin Katja Reichenstein von Shift Mode. Es ginge darum, eine ganzjährige Bespielung des Areals zu garantieren. In den letzten drei Jahren musste man jedoch auf spannende Veranstaltungen verzichten, da die Räumlichkeiten dafür fehlten. Zum Lärm sagt sie: «Die Hallen sind in einem Bogen angeordnet, um den Lärm Richtung Wohnquartier zu dämmen. Zwei der Hallen sind ausserdem schallisoliert.»

Das Appellationsgericht folgte der Argumentation von Shift Mode: Erstens sei das provisorische Projekt zonenkonform, zweitens sei die Verkehrsfrage angesichts des eher urbanen Zielpublikums lösbar, und drittens seien die Lärmschutzvorschriften in den Plänen korrekt umgesetzt.

«Wir werden Rekurs vors Bundesgericht ziehen müssen»

Nach der Verhandlung ist Martin Brändli verunsichert. Trotzdem ist für ihn klar:« Wir werden den Rekurs vors Bundesgericht weiterziehen müssen.» In letzter Instanz hofft er doch noch auf einen Umschwung. Man werde nun die Anwältin konsultieren und sich in der Genossenschaft besprechen.

Katja Reichenstein bereitet das keine grossen Sorgen. Ein weiteres Verfahren stehe ihnen nicht im Weg, bauen könne man trotzdem. Ob es soweit kommt, habe jetzt der Kanton zu entscheiden: «Die Hallen werden nur gebaut, wenn wir eine fünfjährige Verlängerung erhalten.» Nur so könne man die Bauten amortisieren. Froh über das Urteil sei sie natürlich trotzdem. Aber auch erschöpft: «Es ist hart, wenn du ehrenamtlich für ein Projekt für die ganze Stadt kämpfst und dir so viele Steine in den Weg gelegt werden.»

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