Tierquälerei?: Anzeige wegen Löwen-Nummer des Circus Royal

Aktualisiert

Tierquälerei?Anzeige wegen Löwen-Nummer des Circus Royal

Die Stiftung für das Tier im Recht hat den Circus Royal bei der Staatsanwaltschaft St. Gallen angezeigt – die Löwennummer des Zirkus sei gesetzeswidrig.

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So wirbt der Circus Royal mit seiner Löwen-Nummer auf Youtube.

So wirbt der Circus Royal mit seiner Löwen-Nummer auf Youtube.

Circus Royal
Die Löwen müssen Männchen machen...

Die Löwen müssen Männchen machen...

Circus Royal
... und von Podest zu Podest springen.

... und von Podest zu Podest springen.

Circus Royal

Die Löwen im Circus Royal müssen von Podesten zu Podesten springen, Männchen machen, herumrennen – alles Dinge, die die Tiere in ihrer Würde herabsetzt und übermässig instrumentalisiert, findet die Stiftung Tier im Recht (TIR). Sie verlangt die sofortige Einstellung der «gesetzeswidrigen Löwennummer».

Sie hat bei der Staatsanwaltschaft St. Gallen eine Strafanzeige eingereicht, wie Geschäftsleiter Gieri Bolliger zu 20 Minuten sagt. «Für uns liegt ein schwerer Verstoss gegen das Tierschutzgesetz vor.» Tiere in ihrer Würde zu verletzen, sei per Gesetz verboten und nur erlaubt, wenn menschliche Interessen überwiegen würden. «Also zum Beispiel im Schlachthof oder bei Tierversuchen.»

«Angst vor der Peitsche»

Im Circus Royal diene das Vorführen der Wildtiere lediglich der Unterhaltung und den finanziellen Interessen des Zirkus. Demonstriert werde in erster Linie die Machtposition des Menschen über wilde Tiere. Bolliger: «Es ist deutlich zu sehen, wie sie Angst vor der Peitsche und dem Stock haben: Für uns ist deutlich zu sehen, dass sie darauf konditioniert sind.»

«Die fragwürdige Tiernummer» impliziere, dass der Mensch als herrschende Spezies alles unterwerfen und beliebig dominieren könne und dürfe, schreibt die Organisation in einer Mitteilung. Bolliger sagt: «Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Anzeige Erfolg haben und der Zirkus verurteilt wird, da für uns die Beweislage klar ist.»

«Geht ihnen nur um Aufmerksamkeit»

Zirkus-Direktor Oliver Skreinig wehrt sich gegen die Vorwürfe der Stiftung: «Genau über diese Tiere wurde von einem TV-Sender eine Doku gedreht und ihr Verhalten wurde unter anderem mit Stresstests untersucht.» Dabei habe sich gezeigt, dass die Tiere zu keinem Zeitpunkt erhöhtem Stress ausgesetzt seien.

Er schaue der Untersuchung der Behörden gelassen entgegen. «Es ging der Stiftung nur um Aufmerksamkeit und das ist ihnen offenbar gelungen.» Das Geschäft mit dem Tierschutz sei neben der Religion eines der einträglichsten, so Skreinig.

Müsste Reiten verbieten

Skreinig nervt, dass mit der Würde des Tieres argumentiert wird. «Natürlich ist der Dompteur in der Manege das Alphatier – das ist bei jeder Mensch-Tier-Beziehung nicht anders.» Wenn man den Gesetzesartikel so auslegen wolle, müsse man in der Folge auch allen Menschen verbieten, auf Pferden zu sitzen. «Wird da mit dieser Logik nicht auch das Tier zum Vergnügen des Menschen erniedrigt?» Ob Wildtiere in Zirkussen noch zeitgemäss seien, solle jeder Mensch für sich selbst entscheiden dürfen.

In 30 Ländern verboten

Tierschützer verlangen seit längerem, dass in der Schweiz Wildtiere im Zirkus verboten werden. Gemeinsam mit ProTier und Vier Pfoten hat die Stiftung für das Tier Anfang Jahr eine entsprechende Petition lanciert. Laut TIR haben bereits mehr als 30 Länder Verbote für alle oder bestimmte Tierarten in Zirkussen erlassen.

Die Nationalrätin Isabelle Chevalley (Grünliberale) hat vergangenes Jahr eine Motion zur Festlegung der in Zirkussen zulässigen Tierarten eingereicht. Der Bundesrat hat sie aber zur Ablehnung empfohlen. Es bestünden keine objektiven Kriterien für ein Verbot einzelner Wildtierarten und jede Haltung müsse immer das Wohl der Tiere berücksichtigen. Die Minimalanforderungen bezüglich Wildtierhaltung in der Schweiz seien zudem sehr viel detaillierter als in anderen Ländern.

Weisse Löwen sorgen für Unmut

Nicht nur die Löwen-Nummern des Circus Royals sorgen bei Tierschützern für erhitzte Gemüter. Am Dienstag versandte der Verein Vier Pfoten eine Medienmitteilung, in der der Zirkus wegen der Zucht von Weissen Löwen an den Pranger gestellt wird. So heisst es etwa: «Die Ursache für ihre Weissfärbung ist ein mutiertes Gen, welches gemeinsam mit anderen unnatürlichen Eigenschaften auftritt.» Und es geht noch weiter: «Gerade weil solche Tiere so selten sind, werden für die Zucht häufig miteinander verwandte Tiere verpaart und damit sämtliche Folgen von Inzucht in Kauf genommen.» Aus solchen Verpaarungen würden weisse Nachkommen zudem häufig unter Fehl- oder Missbildungen und organischen Schäden leiden. «Eine künstliche Zucht von weissen Löwen ist sowohl aus Tierschutz- als auch aus Artenschutzsicht abzulehnen», so Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten Schweiz.

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