Aktualisiert 21.09.2009 07:10

«Adwords»

Anzeigenkrieg im Netz

Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) ist empört. Denn ihre Gegner locken Google-Nutzer mit legalen und preiswerten Mitteln auf ihre Seite.

von
Henning Steier

Tom Cassee, Sekretär der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), staunte nicht schlecht, als er kürzlich den Namen seiner Organisation ins Google-Suchfeld auf der eigenen Webseite eingab. Denn neben den Treffern wurde eine Anzeige mit dem Text «Nein zur GSoA-Initiative für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten» eingeblendet. «Am Link darunter ist leicht erkennbar, dass man nach einem Klick auf der Website unserer Gegner, der Arbeitsgemeinschaft für eine wirksame und friedenssichernde Milizarmee (AWM), landet, was uns natürlich ärgert», sagte Cassee 20 Minuten Online.

Hintergrund des Ärgers ist Googles Werbeangebot AdWords. Grob verkürzt, können Kunden bestimmte Begriffe, so genannte «Keywords» kaufen, zu denen dann ihre Anzeigen eingeblendet werden, wenn jemand die entsprechenden Wörter in die Suchmaske eingibt. Wie im obigen Screenshot zu sehen ist, hat die Arbeitsgemeinschaft für eine wirksame und friedenssichernde Milizarmee den Suchbegriff «GSoA» gekauft.

GSoA spricht von unlauterer Praxis

«Im Rahmen ihres Engagements gegen die Exportverbotsinitiative der GSoA schaltet die AWM seit Mai 2009 Inserate in der Suchmaschine», sagte AWM-Geschäftsführer Andreas Richner gegenüber 20 Minuten Online. Diese erschienen bei Suchbegriffen wie «Kriegsmaterial», «Kriegsmaterialexport», «Kriegsmaterial-Initiative» oder «GSoA». Laut Richner hat die AWM dafür bisher rund 200 Franken ausgegeben, ein Klick habe mit 20 bis 30 Rappen zu Buche geschlagen.

«Das Schalten von Google-Anzeigen mit dem Namen GSoA ist sicherlich unlauter, denn wer GSoA sucht, will nicht bei der Rüstungslobby enden und das Geschäft mit dem Tod unterstützen», sagte Tom Casse. Richner kann die Aufregung nicht nachvollziehen: «Das ist simple politische Kommunikationsarbeit. Die GSoA kämpft gegen die Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen der Schweiz, während die AWM sich seit 1983 für eine wirksame Schweizer Sicherheitspolitik einsetzt.»

Gruppe ist keine Marke

Ursprünglich wollte die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee eine Webseite einrichten, auf der Surfer dazu aufgefordert werden, die Google-Anzeige der AWM anzuklicken, denn diese muss für jeden Klick bezahlen. Die unter dem Titel «Rüstungslobby wegklicken» geplante Kampagne wurde aber in letzter Minute abgesagt, weil den Initiatoren nicht bekannt war, dass ihnen das Ärger mit Google einbringt. Denn der Suchmaschinenanbieter hat nach eigenen Angaben ein Team, das solche Aktionen verhindern will und geht strafrechtlich gegen Klickbetrüger vor, wenn diese beispielsweise Anzeigen von Konkurrenten absichtlich anklicken lassen, um ihre Werbe-Etats zu belasten. In den Allgemeinen Geschäftsbedinungen von Google heisst es zu diesem Thema: «Google ist als Anbieter für Anzeigenflächen nicht in der Position, Markenkontroversen zwischen AdWords-Kunden und Markeninhabern zu schlichten. Unsere Geschäftsbedingungen legen fest, dass allein unsere AdWords-Kunden für den jeweils ausgewählten Anzeigeninhalt und die Keywords verantwortlich sind. Wir empfehlen daher Markeninhabern, Kontroversen direkt mit unseren Kunden beizulegen. Insbesondere deshalb, weil die Kunden eventuell ähnliche Anzeigen auf anderen Websites schalten.Wir sind jedoch bereit, berechtigte Beschwerden für Markeninhaber in begrenztem Umfang zu untersuchen.» Wäre die GSoA eine Marke, könnte sie über ein eigens eingerichtetes Web-Formular Beschwerde einlegen. Doch die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee ist ein eingetragener Verein.

«Politische Textanzeigen sind auf Google erlaubt, solange nicht die Geschäftsbedingungen von «AdWords» verletzt werden», sagte Google-Sprecher Matthias Meyer zu 20 Minuten Online, «das wäre unter anderem der Fall, wenn Personen direkt beleidigt oder angegriffen würden.»

Keine Unterstützung vom Bundesrat

Wie 20 Minuten Online berichtete, hat der Bundesrat die von der GSoA lancierte Volksinitiative «für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten» abgelehnt. Nach Meinung der Landesregierung würde ein Erfolg der Initiative die Schweizer Rüstungsindustrie existenziell gefährden. Der Bundesrat lieferte keinen direkten Gegenvorschlag, verschärft aber in der Kriegsmaterialverordnung die Kriterien, nach welchen Exportanfragen bewilligt werden. So sollen Geschäfte mit Kriegsmaterial verboten werden, wenn das Bestimmungsland beispielsweise in einen internationalen bewaffneten Konflikt verwickelt ist. Ausfuhrverbote gelten gemäss der neuen Verordnung auch für die ärmsten Entwicklungsländer oder wenn die Gefahr besteht, dass die Waffen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden.

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